07.05.2019

Ramadan ist Thema für den Gesundheitsschutz

Religion ist Privatsache. Doch bestimmte Aspekte des gelebten Glaubens
erfordern dennoch erhöhte Aufmerksamkeit der Arbeitsmediziner. Gerade jetzt,
denn noch bis zum 4. Juni fasten Muslime für vier Wochen.

Dieses Fasten beschränkt sich nicht auf den Verzicht von eher luxuriösem Essen
wie Fleisch oder Süßigkeiten. Vielmehr ist es den Gläubigen untersagt, von
Sonnenaufgang bis -untergang jegliche Arten von Speisen oder Flüssigkeiten zu
sich zu nehmen. "Das kann Folgen für den Gesundheitsschutz haben", so Dr. Wolfgang
Panter, Präsident des Verbandes Deutscher Betriebs- und Werksärzte (VDBW), "denn
vor allem der Verzicht auf Flüssigkeit kann bei schwerer körperlicher Belastung
speziell bei höheren Außentemperaturen zu Konzentrationsstörungen oder gar
Dehydrierung führen." Deshalb kommt es jetzt auf Aufklärung und ein gutes
Beratungsangebot durch Betriebs- und Werksärzte an. Natürlich ist neben unter-
stützende Hilfe in erster Linie die eigene Verantwortung der fastenden Muslimen
im Vordergrund.

Gesundheitliche Gründe können vom Fasten entbinden
Im Islam gehört der Ramadan zwar zu den fünf Säulen des Glaubens, doch das
Fasten muss nicht in jedem Fall eingehalten werden. Die Gebote und auch Verbote
der Muslime haben immer dann zurückzutreten, wenn es im Konfliktfall um die
Gesundheit oder sogar die Lebenserhaltung geht und es keine Alternativen gibt.

Personen, deren gesundheitliche Situation sich voraussichtlich nicht bessern
wird, wie z.B. die chronisch Kranker, sollen für jeden im Ramadan versäumten
Fastentag einen Bedürftigen speisen. Andere, die unter die Ausnahmeregelung
fallen und deren Situation sich bessern wird, können die versäumten Fastentage
zu einem späteren Zeitpunkt nachholen. Die wesentlichen Ausnahmen vom Gebot des
Fastens sind Krankheit, medizinisch bedingte Medikamenteneinnahme, Belastungen
durch unaufschiebbare Reisen, schwere körperliche Arbeit, Menstruation der Frauen,
Schwangere und Frauen bis 40 Tagen nach einer Geburt sowie stillende Mütter.
Es ist überlegenswert, dass Unternehmen über die Betriebs- und Werksärzte mit
ihren muslimischen Mitarbeitern das Thema besprechen, um sicherzustellen, dass
diese sich nicht selbst gefährden.

"Auch während der Fastenzeit sollte bei Bedarf eine ärztliche Beratung möglich
sein", betont Dr. Panter. Unterstützung erfahren die fastenden Muslime auch auf
ganz einfache Weise: Respekt und Interesse an den Glaubensgeboten zu zeigen,
ist ein wichtiger Schritt für ein gesundes innerbetriebliches Klima.

Immer mehr Muslime halten das Fastengebot ein
In Deutschland haben immer mehr Menschen einen Migrationshintergrund. Auch in
der Arbeitswelt wächst der Anteil der Menschen islamischen Glaubens. Gleichzeitig
halten sich immer mehr von ihnen an das Fastengebot zu Ramadan. Das alles sind
wichtige Gründe, sich intensiver als bisher sowohl mit den sozialen Bedürfnissen
als auch mit Glaubensregeln zu beschäftigen. Dr. Panter: "Unternehmen, die Muslime
beschäftigen, sollten darauf achten, dass ihren Mitarbeitern das Einhalten des
Fastens ermöglicht wird, ohne dass es zu Beeinträchtigungen kommt. Wer an gefähr-
lichen Maschinen arbeitet, könnte durch fastenbedingte Konzentrations- oder
Kreislaufschwäche zum Beispiel sich und andere gefährden." Mit entsprechender
Aufmerksamkeit und Verantwortungsbewusstsein von Beschäftigten und Unternehmen
kann in den Betrieben sicher eine gute Lösung vor Ort gefunden werden. Betriebs-
ärzte helfen dabei gerne. Zu berücksichtigen sei, dass Mitarbeiterinnen und
Mitarbeiter Ausnahmeregelungen nutzen können.

AplusA-online.de - Quelle: Verband Deutscher Betriebs- und Werksärzte e.V.