08.05.2019

Kein Arbeitsunfall nach Überfall auf Dienstreise

Das LSG Darmstadt hat entschieden, dass kein Arbeitsunfall vorliegt, wenn
ein Versicherter auf einer Dienstreise auf dem Weg zum Hotel überfallen und sich
bei dem Versuch, seine gestohlene Geldbörse zurückzuerlangen, verletzt wird.

Versicherter wird auf Weg zum Hotel überfallen und verletzt sich dabei

Ein Versicherter nahm aus beruflichen Gründen an einem Kongress in Barcelona teil.
Nach der offiziellen Abendveranstaltung suchte der 46jährige Mann gemeinsam mit
Kollegen eine Bar auf. Auf dem Rückweg zum Hotel gegen 5 Uhr morgens wurde ihm
die Geldbörse gestohlen. Als er den Täter verfolgte, wurde er von einer weiteren
Person zu Fall gebracht und zog sich eine Radiusköpfchenfraktur zu. Die Berufs-
genossenschaft lehnte eine Anerkennung als Arbeitsunfall ab. Aufgrund des Barbesuchs
sei für den Rückweg der Versicherungsschutz entfallen. Zudem habe der Versicherte
den Unfall bei der Verfolgung des Diebes erlitten.

Das Sozialgericht hatte die Anerkennung als Arbeitsunfall abgelehnt.

Kein Unfallversicherungsschutz beim Versuch, eine gestohlene Geldbörse zurück-
zuerlangen

Nach Auffassung des Landessozialgerichts fehlt der Zusammenhang mit der beruflichen
Tätigkeit. Zwar seien Beschäftigte während einer Dienstreise auch auf dem Rückweg
vom Tagungsort zum Hotel unfallversichert. Verfolge ein Versicherter auf diesem Weg
jedoch einen Dieb, um seine gestohlene Geldbörse zurückzubekommen, so stehe dies
nicht unter dem Schutz der Unfallversicherung. Insoweit widme sich der Beschäftigte
rein persönlichen, von seinen betrieblichen Aufgaben nicht mehr wesentlich beein-
flussten Belangen.

Da im konkreten Fall der Versicherte den Täter nicht verfolgt habe, um ihn der Straf-
verfolgung zuzuführen, komme auch kein Versicherungsschutz wegen "der Verfolgung
eines Straftäters im allgemeinen Interesse" in Betracht.

Das LSG Darmstadt hat die Revision nicht zugelassen.

AplusA-online.de - Quelle: Sozialgericht Darmstadt