29.08.2019

Hand- und Fußverletzungen häufigste Unfallfolgen im Einzelhandel - Neue Branchenregel der gesetzlichen Unfallversicherung gibt den Unternehmen praxiserprobten Präventionsleitfaden an die Hand

Waren anliefern, auspacken und darbieten, Kunden beraten und Waren
verkaufen: So vielfältig der Einzelhandel an Produkten und Verkaufsstellen auch ist,
so vergleichbar sind die Tätigkeiten mit Blick auf die erforderlichen Maßnahmen
für die Arbeitssicherheit und den Gesundheitsschutz. Mit der neuen Branchenregel
Einzelhandel bietet die gesetzliche Unfallversicherung jetzt den Unternehmen einen
praxiserprobten Präventionsleitfaden. Ziel ist die "Vision Zero" einer unfall-
freien Arbeitswelt auch in der beschäftigungsstarken Einzelhandelsbranche zu
erreichen, um zum Beispiel Hand- und Fußverletzungen künftig möglichst ganz zu
vermeiden. Denn die gehören mit 56 Prozent (Statistik 2017) zu den häufigsten
Unfallfolgen.

Fachkräfte für Arbeitssicherheit an der Erstellung beteiligt

"Die Branchenregel beschreibt ausführlich die Gefährdungen und notwendigen
Arbeitsschutz-Maßnahmen bei den einzelnen Arbeitsschritten im Einzelhandel", so
Dorothea Kraft, Leiterin für das Referat Verkaufsstellen bei der Berufsgenossen-
schaft Handel und Warenlogistik (BGHW): "Nicht ohne Grund haben wir das Rangieren
mit Flurförderzeugen und Paletten und den manuellen Umgang mit den Waren ganz
an den Anfang gestellt. Unter anderem in diesen immer wiederkehrenden Tätigkeiten
liegt ein Risiko-Schwerpunkt. Die Branchenregel macht deutlich, wie wichtig
zum Beispiel das Tragen einer Persönlichen Schutzausrüstung oder das Benutzen
von Hebe- und Tragehilfen, Sicherheitskartonmessern und standsicheren Tritten
ist."

Leitende Fachkräfte für Arbeitssicherheit aus verschiedenen Branchen des Einzel-
handels waren an der Erstellung der Branchenregel maßgeblich beteiligt. In enger
Zusammenarbeit von BGHW und den Arbeitssicherheitsexperten aus den Betrieben
ist ein Präventionsleitfaden entstanden, der praxisnah sowohl alltägliche
Situationen als auch spezielle Gefahrenbereiche in einzelnen Einzelhandelszweigen
beleuchtet. So werden Tätigkeiten insbesondere an Maschinen im Lebensmittel-
einzelhandel oder im Bau-, Garten- und Möbelmarkt genauer untersucht und die
erforderlichen Arbeitssicherheitsmaßnahmen beschrieben.

Bilder zeigen Beispiele für sicheres Arbeiten

Eine Stärke der neuen Branchenregel sind unter anderem die Bilder, die in den
beteiligten Betrieben vor Ort entstanden sind und positive Beispiele für sicheres
Arbeiten zeigen. "Wer die Branchenregel für einen schnellen Überblick allein
anhand der Bilder sichtet, erhält bereits viele Anregungen für Präventions-
maßnahmen", so Dorothea Kraft: "Dabei gehen wir auch auf moderne Entwicklungen
ein und zeigen Drive-in Bereiche von Baumärkten, den gesunden Umgang mit
mobilen Geräten oder wie Kassenarbeitsplätze ergonomisch eingerichtet werden
können."

Eine besondere Beanspruchung für die Beschäftigten im Einzelhandel ist der
Kontakt mit Kundinnen und Kunden - vor allem dann, wenn es zu aggressiven
Situationen kommt. Auch wenn die Zahlen rückläufig sind, ist der Raubüberfall
weiterhin ein Dauerbrenner-Thema. Dorothea Kraft: "Die Unternehmen können
bauliche, technische und organisatorische Maßnahmen treffen, um das Risiko zu
verringern. Sollte es dennoch zu einem Raubüberfall kommen, geben wir den
Beschäftigten mit der Branchenregel wertvolle Hinweise."

Neben der Beschreibung von Gefährdungen und Arbeitsschutz-Maßnahmen bietet die
Branchenregel Einzelhandel für alle Arbeitsschritte auch die rechtlichen Grund-
lagen und weitere Informationen. Im Anhang finden sich Beispiele von Betriebs-
anweisungen. Denn auch das macht die Branchenregel deutlich:
Betriebsanweisungen sind der Ausgangspunkt für Unterweisungen und damit das
regelmäßige Arbeitssicherheitstraining der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

DGUV Regel 108-601 kostenfrei zum Herunterladen


AplusA-online.de - Quelle: Deutsche gesetzliche Unfallversicherung (DGUV)