27.03.2019

Häufige Arbeit am Limit belastet stark

Etwa jeder sechste abhängig Beschäftigte arbeitet häufig an der Grenze
seiner Leistungsfähigkeit. Dabei sehen sie sich sowohl höheren körperlichen
Belastungen wie schwerem Heben und Tragen als auch höherer psychischer Belastung
beispielsweise durch Termin- und Leistungsdruck ausgesetzt als die übrigen
Erwerbstätigen. Nur jeder fünfte Betroffene bezeichnet seinen Gesundheitszustand
als sehr gut oder ausgezeichnet. Bei den übrigen Erwerbstätigen ist es etwa jeder
Dritte. Das zeigen Ergebnisse der BIBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragung.

Häufiges Arbeiten an der Grenze der Leistungsfähigkeit geht mit gesundheitlichen
Beschwerden einher und wird von den Betroffenen als belastend wahrgenommen.
16 Prozent der abhängig Beschäftigten arbeiten häufig an der Leistungsgrenze.
In den Pflegeberufen verdoppelt sich fast dieser Anteil (30 Prozent). Der Löwen-
anteil der Betroffenen fühlt sich durch diese Anforderung belastet (74 Prozent
bei den Beschäftigten/85 Prozent in den Pflegeberufen). Rund vier von fünf
Beschäftigten, die häufig ihre Leistungsgrenze erreichen, sehen sich starkem
Termin- und Leistungsdruck ausgesetzt. Bei den übrigen Beschäftigten ist es nur
knapp jeder Zweite (46 Prozent). Sie werden auch deutlich seltener bei der Arbeit
gestört, müssen seltener sehr schnell arbeiten oder mehrere Aufgaben gleichzeitig
betreuen, als Erwerbstätige, die oft an ihre Leistungsgrenze gehen. In dieser
Personengruppe berichtet zudem jeder Dritte über häufige gefühlsmäßige Belastung
(31 Prozent), während das bei den übrigen Beschäftigten nur jeder zwölfte tut.
Wer häufig seine Leistungsgrenze erreicht, arbeitet doppelt so häufig unter
Zwangshaltung (28 Prozent) oder bewegt schwere Lasten (40 Prozent) als die
übrigen Erwerbstätigen. Im Pflegebereich sind die körperlichen Belastungen,
beispielsweise aufgrund des notwendigen Patiententransfers, noch deutlich höher.

Die höheren körperlichen und psychischen Belastungen von Menschen, die häufig
an ihre Leistungsgrenze gehen, spiegeln sich in ihrer gesundheitlichen Situation
wider. Rund zwei Drittel der Betroffenen geben an, unter drei oder mehr psycho-
somatischen Beschwerden wie Müdigkeit, Erschöpfung oder Reizbarkeit zu leiden.
Bei den Beschäftigten, die manchmal, selten oder nie an ihre Grenzen gehen, ist
es nur etwa jeder Dritte. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei den Beschwerden im
Bewegungsapparat.

Deshalb sollte gerade in Berufen mit besonders hohen psychischen und körperlichen
Anforderungen, wie etwa in der Pflege, die Gestaltung guter Arbeitsbedingungen
in den Mittelpunkt rücken. Führungskräfte sollten geeignete Maßnahmen ergreifen,
indem sie beispielsweise mehr Personal einplanen, realistische Ziele vereinbaren
und Fort- und Weiterbildungen anbieten. Auch neue Technologien sollten daraufhin
beurteilt werden, ob sie den Arbeitsalltag der Beschäftigten erleichtern können.

Faktenblatt "Arbeiten an der Grenze der Leistungsfähigkeit" zum Download


AplusA-online.de - Quelle: Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA)