16.04.2019

Gerichtsurteil: Tonerstaub verursacht keine Berufskrankheit

Nach wissenschaftlichem Erkenntnisstand ist derzeit nicht davon auszugehen,
dass Tonerpartikel oder Laserdruckemissionen generell dazu geeignet sind,
Gesundheitsschäden zu verursachen. Im Einzelfall kann der Nachweis dennoch
durch einen arbeitsplatzbezogenen Inhalationstest erbracht werden. Das hat
das Hessische LSG Darmstadt in einem Urteil vom 21.1.2019 (L 9 U 159/15)
entschieden, das am 6.3.2019 veröffentlicht wurde.

Vier Jahre war ein Mitarbeiter als Vervielfältiger in einem 30 m² großen
Raum beschäftigt. Dort erledigte er täglich Druck- und Kopieraufträge im
Umfang von 5.000 bis 10.000 Blatt. Als bei ihm Atemwegsbeschwerden zunahmen,
beantragte er die Anerkennung einer Berufskrankheit. Der Träger der gesetz-
lichen Unfallversicherung lehnte dies nach einer Arbeitsplatzanalyse und
der Einholung von medizinischen Gutachten ab. Es könne kein Kausalzusammen-
hang zwischen der beruflichen Tätigkeit und der Atemwegserkrankung belegt
werden.

Nachdem das Hessische LSG Darmstadt ein weiteres Sachverständigengutachten
eingeholt hat, lehnte es ebenfalls die Anerkennung einer Berufskrankheit ab.
Der Versicherte litt bereits vor seiner Tätigkeit im Kopierraum an Heu-
schnupfen und Asthma bronchiale. Hinzugetreten ist zwar eine obstruktive
Atemwegserkrankung sowie eine Rhinopathie und es ist davon auszugehen,
dass Tonerstaub allergisierende Stoffe enthält. Jedoch konnte nicht nach-
gewiesen werden, in welchem Umfang der Versicherte diesen Stoffen ausgesetzt
war. Eine nachträgliche Ermittlung war nicht mehr möglich, weil der Arbeits-
platz umgestaltet wurde.

Dass Tonerpartikel bzw. Laserdruckemissionen generell dazu geeignet sind,
Gesundheitsschäden beim Menschen zu verursachen, ist nach aktuellem
medizinwissenschaftlichen sowie epidemiologischen Erkenntnisstand nicht
bewiesen. Im Einzelfall kann der Nachweis dennoch erbracht werden.
Voraussetzung hierfür ist aber ein arbeitsplatzbezogener Inhalationstest
mit dem Nachweis einer allergischen Reaktion. Dazu war der Versicherte
vorliegend nicht bereit. Insofern konnte kein kausaler Zusammenhang zwischen
versicherter Tätigkeit und Rhinopathie festgestellt werden.

Die Revision wurde nicht zugelassen.

Zum Urteil


AplusA-online.de - Quelle: Sozialgericht Darmstadt