05.11.2019

Gefährdungen durch körperliche Fehlbelastungen einfach ermitteln

Das gemeinsames Projekt von BAuA und DGUV stellt sechs Leitmerkmalmethoden vor.

Seit Jahrzehnten stehen die Ausfalltage aufgrund von Muskel-Skelett-Erkrankungen an erster Stelle in den
Statistiken für Arbeitsunfähigkeit. Ob akute Beschwerden oder Verschleißerkrankungen - Fehlbelastungen
des Körpers spielen hier eine bedeutende Rolle im Erkrankungsgeschehen. Umso wichtiger ist es, Gefährdungen
durch körperliche Tätigkeiten am Arbeitsplatz zu beurteilen, um die Gesundheit der Beschäftigten durch
präventive Maßnahmen zu schützen. Gemeinsam mit der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) führte
die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) das Projekt "MEGAPHYS - Mehrstufige
Gefährdungsanalyse physischer Belastungen am Arbeitsplatz" durch. Im Rahmen des Projektes wurden insgesamt
sechs Leitmerkmethoden entwickelt. Sie stehen jetzt der betrieblichen Praxis zur Verfügung, um mit ihnen
Gefährdungen durch verschiedene Formen körperlicher Belastung zu ermitteln und zu beurteilen.

Die BAuA hat jetzt Band 1 des Projektes MEGAPHYS veröffentlicht. Auf rund 1.000 Seiten erläutert er die
Entwicklung, Erprobung und Evaluation der Methoden, mit denen sich die Gefährdung durch verschiedene
Belastungsarten des Körpers beurteilen lässt. Der Bericht beschreibt detailliert und nachvollziehbar, wie
die sechs Leitmerkmalmethoden erarbeitet wurden. Es handelt sich dabei um drei weiterentwickelte Methoden
zu den Belastungsarten "Manuelles Heben, Halten und Tragen von Lasten", "Manuelles Ziehen und Schieben von
Lasten" sowie "Manuelle Arbeitsprozesse". Neu entwickelt wurden die Methoden zu den Belastungsarten
"Ganzkörperkräfte", "Körperfortbewegung" und "Körperzwangshaltung". Alle haben eine umfangreiche Prüfung
von Gütekriterien durchlaufen und werden zur Anwendung und zum Test in der Praxis empfohlen. Ergänzend
liegt ein Konzept für eine mögliche Bewertung von Mischbelastungen über die gesamte Arbeitsschicht vor.

Die Leitmerkmalmethoden sollen auf möglichst einfache Art und Weise die wesentlichen Belastungsmerkmale
dokumentieren und eine überschlägige Beurteilung ermöglichen. Dazu ist eine gute Kenntnis der zu beurteilenden
Tätigkeit unabdingbar. Methodisch werden im ersten Schritt die Leitmerkmale der Tätigkeit wie beispielsweise
Dauer/Häufigkeit, Lastgewicht, Körperhaltung und Ausführungsbedingungen erfasst. Anschließend wird aus
den Einschätzungen der Leitmerkmale mathematisch ein Risikowert berechnet, aus dem sich die weitere
Herangehensweise nach der Gefährdungsbeurteilung ergibt. Dabei bedient sich die Methode des Ampelmodells,
die von Grün oder "keine Überbeanspruchung" bis hin zu Rot oder "wahrscheinliche Überbeanspruchung" reicht.

Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA)


AplusA-online.de - Quelle: Formblätter der neuen Leitmerkmalmethoden