19/12/2019

Erdbaumaschinen häufige Unfallursache im Tiefbau

Die neue DGUV-Branchenregel "Tiefbau" liefert Unternehmen kompakt und anschaulich
Informationen zu Gefährdungen und Prävention.

Bei der Arbeit im Tiefbau gibt es viele Unfallrisiken: LKWs rangieren rückwärts,
Radlader fahren oft mit hohem Tempo hin und her und Bagger drehen sich schnell und
schwenken aus. Gleichzeitig bewegen sich auf den Baustellen Beschäftigte zu Fuß.
Immer wieder kommt es vor, dass sie von Maschinenführern und LKW-Fahrern nicht
wahrgenommen und dann angefahren oder überfahren werden.

"Gerade bei Baggern ist aufgrund der Konstruktion die Sicht des Fahrers nach rechts
und nach hinten stark eingeschränkt", sagt der Diplom-Ingenieur Volker Münch. Halte
sich dort eine Person auf, sehe der Fahrer sie oft nicht. Münch ist stellvertretender
Leiter des Sachgebiets Tiefbau der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV),
die nun die neue "Branchenregel 101-604 Tiefbau" veröffentlicht hat. Sie zeigt
wesentliche Gefährdungen auf und fasst rechtliche Bestimmungen und Normen sowie
die wichtigsten Präventionsmaßnahmen übersichtlich zusammen. Zugleich enthält sie
praktische Tipps und Hinweise für einen erfolgreichen Arbeitsschutz auf Baustellen.
"Die Unternehmer und Sicherheitsverantwortlichen bekommen so die relevanten Infor-
mationen gebündelt an die Hand, um das Gros der Tätigkeiten auf Gefährdungen zu
beurteilen und passende Maßnahmen festzulegen", sagt Münch.

Bilder und Grafiken erleichtern das Verständnis

Unfälle mit Baggern, Erdbaumaschinen und Baufahrzeugen enden meistens mit schweren
oder gar tödlichen Verletzungen. Die sichere Benutzung von Baumaschinen und die
Qualifizierung der Maschinenführer werden daher in der Branchenregel behandelt,
ebenso Absturzsicherungen, Verkehrswege aber auch persönliche Schutzausrüstungen.
Weitere Kapitel befassen sich mit einzelnen Arbeitsbereichen im Tiefbau wie dem
Straßenbau oder Arbeiten in und an Baugruben und Gräben. Ebenso werden Spezial-
tiefbauarbeiten, Bauarbeiten unter Tage, Wasserbau oder die Arbeit auf schwimmenden
Geräten - etwa bei der Sanierung von Hafenanlagen - wie auch die Kampfmittelräumung
in dem Dokument betrachtet. Bilder veranschaulichen die Erläuterungen und stellen
korrekten Arbeitsschutz in der Praxis dar. Daneben erleichtern zahlreiche Grafiken
das Verständnis. Sie zeigen zum Beispiel, wie sich ohne weiteren Standsicherheits-
nachweis eine standsichere Böschung anlegen lässt. "Für Unternehmen ist das eine
praktische Hilfestellung, um eine unbürokratische Lösung schnell auf der Baustelle
umsetzen zu können."

Durch die zahlreichen Abbildungen ist die Broschüre auch Lesern ohne fließende
Deutschkenntnisse von Nutzen. Sie eignet sich zudem als kompaktes Nachschlagewerk
für die Beschäftigten auf der Baustelle, um sich vor Ort die nötigen Sicherheits-
vorkehrungen nochmals zu vergegenwärtigen. "Viele Unfälle passieren auch, weil sich
Gewohnheiten einschleichen und die Mitarbeiter unvorsichtig werden", sagt Münch.
"Oder sie sind so auf ihre Arbeit konzentriert, dass sie nicht mehr angemessen
auf ihre Umgebung achten." Ein Schritt zur Seite zur falschen Zeit könne dann
schlimme Folgen haben.

Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV)


AplusA-online.de - Quelle: Die DGUV-Regel 101-604 für die Branche Tiefbau gibt es kostenfrei zum Herunterladen