15.10.2019

Aufmerksamkeit und Reaktionszeiten nach Nachtschichten verringert

Nachtarbeit verringert deutlich die Reaktionszeiten bei den betroffenen Beschäftigten. Zu diesem
Ergebnis kommt eine Studie über die gesundheitlichen Auswirkungen von Schichtarbeit bei Beschäftigten
im Pflegedienst. Durchgeführt hat die Studie das Institut für Prävention und Arbeitsmedizin der
DGUV, Institut der Ruhr-Universität Bochum (IPA). Die Forscherinnen und Forscher untersuchten
insbesondere die Auswirkungen von Nachtarbeit auf die Aufmerksamkeit mittels des "Psychomotorischen
Vigilanz Test" (PVT). Die Ergebnisse können die Grundlage für Präventionsmaßnahmen zur Vermeidung
negativer Effekte von Schichtarbeit sein.

Beschäftigte in Nachtarbeit, die ihren Schlafzyklus an die Arbeitszeiten anpassen müssen, leiden
während der Arbeit häufig unter Schläfrigkeit. Sie sind deshalb einem erhöhten Risiko für Arbeits-
und Wegeunfälle auf dem Weg nach Hause ausgesetzt. Auch die Versorgung von Patienten könnte unter
der verminderten Aufmerksamkeit leiden. Über mehrere aufeinanderfolgende Tag- bzw. Nachtschichten
wurde die psychomotorische Vigilanz bei 74 weiblichen Beschäftigten im Pflegedienst eines Klinikums
verglichen. Über die Ergebnisse zur Veränderung der Aufmerksamkeit in Tag- und Nachtschichten
berichtet die Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Thomas Behrens aus dem IPA in der aktuellen Ausgabe des
Online-Journals PlosOne.

"Wir konnten nach einer Nachtschicht eine deutlich verlängerte mittlere Reaktionszeit, aber auch
eine höhere Zahl von Auslassungsfehlern beobachten", erklärt Prof. Behrens. "Die Studie ist dabei
eine der wenigen epidemiologischen Felduntersuchungen, die die psychomotorische Vigilanz in Tag-
und Nachtschichten an denselben Personen und zu verschiedenen Zeitpunkten untersucht hat."

"Eine schlechtere Testleistung wurde vor allem bei älteren Probandinnen, Frauen mit einer spät
getakteten inneren Uhr (sogenannten "Eulen") und Frauen mit häufigen Atemaussetzern während des
Schlafs (Schlaf-Apnoe-Syndrom) beobachtet", erläutert die Studienleiterin Dr. Sylvia Rabstein.
"Für uns überraschend war, dass sich die Fehlerwerte und Reaktionszeiten schon ab der zweiten
Nachtschicht verbesserten und sich der Testleistung nach einer Tagschicht annäherten"."Obwohl
wir einen Trainingseffekt nicht ausschließen können, scheint es so zu sein, dass unregelmäßige
oder schnell wechselnde Schichtpläne vermieden werden sollten", führt Thomas Behrens dazu
weiter aus.

"Für uns sind diese Ergebnisse insbesondere wichtig im Hinblick auf die Planung zukünftiger
Studien", so Prof. Thomas Brüning, Direktor des IPA. "Möglicherweise kann eine individuell
verbesserte Beleuchtung am Arbeitsplatz die Aufmerksamkeit steigern." In der Feldstudie wurde
auch eine Reihe weiterer biologischer Parameter untersucht. Dazu gehörten verschiedene Hormone,
deren Veränderung im Tagesverlauf jetzt in Abhängigkeit von den Lichtverhältnissen am Arbeits-
platz untersucht werden soll. "Einfache Präventionsmaßnahmen zur Verbesserung der Aufmerksamkeit
während einer Nachtschicht könnten erlaubte Kurzschlafperioden, eine ausreichende Erholungszeit
zwischen einzelnen Nachtschichten, kürzere Nachtschichten oder ein Wechsel der Beleuchtung
am Arbeitsplatz umfassen", sagt Prof. Behrens. Die Wirksamkeit solcher Maßnahmen muss jedoch
noch wissenschaftlich untersucht werden.

Originalpublikation

Behrens T, Burek K, Pallapies D, Kösters L, Lehnert M, Wichert K, Kantermann T, Vetter C, Brüning T,
Rabstein S. Decreased psychomotor vigilance of female shift workers after working night shifts.

Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV)


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