10.10.2019

Traumatische Erlebnisse am Arbeitsplatz: Damit der "Schock" nicht krank macht

Wer am Arbeitsplatz ein traumatisches Erlebnis erleidet, muss
schnell psychologische Hilfe erhalten, fordern Arbeitsschutz-Experten und
Psychologen von DEKRA. Wird frühzeitig ein notfallpsychologischer Service in
Anspruch genommen, ist dies eine wesentliche Hilfe, damit Opfer von Arbeitsunfällen
oder Kriminalität nicht aus der Bahn geworfen werden.

"Übergriffe am Arbeitsplatz und Arbeitsunfälle können zu tiefen psychischen
Verletzungen führen - sei es, dass man selbst als Opfer betroffen ist, einen
Unfall verursacht hat oder durch das Miterleben des Geschehens tangiert wird",
sagt Dr. Karin Müller, Leiterin des Bereichs "Mensch & Gesundheit" bei DEKRA.
"Bei rund 20 bis 30 Prozent der Betroffenen treten langfristige psychische
Beschwerden wie zum Beispiel eine Posttraumatische Belastungsstörung auf,
wenn keine fachgerechte Hilfe bereitgestellt wird", betont die Psychologin.

Arbeitgeber haben ihren Mitarbeitern gegenüber Fürsorgepflichten, die auch
psychische Gefährdungen und die Folgen von Extremereignissen umfassen. Zum
persönlichen  Leid der Betroffenen kommen wirtschaftliche Folgen für das
Unternehmen:  Folgeerkrankungen von traumatischen Ereignissen wirken sich
erheblich auf die Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter aus. Psychische Erkrankungen
ziehen lange Fehlzeiten und Behandlungen nach sich.

Manche Berufsgruppen sind erheblich gefährdet: so zum Beispiel Mitarbeiter im
Gesundheitswesen, Rettungs-, Ordnungs- und Sicherheitskräfte, Angestellte an
Kassenarbeitsplätzen und in Sozialbehörden sowie Maschinenbediener und
Berufskraftfahrer. Bei diesen Tätigkeiten empfehlen Experten, im Rahmen eines
betrieblichen Gesundheitsmanagements auch einen notfallpsychologischen Dienst
anzubieten.

Unmittelbar nach einem psychisch belastenden Extremereignis können beim Menschen
verschiedene Symptome auftreten: unter anderem Flashbacks, Schlafstörungen,
Albträume, Hilflosigkeit, Selbstzweifel, Versagensängste, Stimmungsschwankungen
oder  erhöhter Alkohol- oder Tabakkonsum. Notfallpsychologen unterstützen
idealerweise frühzeitig, um solche Belastungsreaktionen zu lindern. Sie begleiten
Betroffene auf dem weiteren Weg, falls die Symptome nach mehreren Tagen immer
noch auftreten. Wenn die Beschwerden nach zwei Wochen nicht abklingen, sollte
eine Anschlussbehandlung veranlasst werden.

DEKRA unterstützt Arbeitgeber bundesweit mit einem notfallpsychologischen Service.
Ausgebildete Notfallpsychologen sensibilisieren bei der Prävention und intervenieren
bei Notfällen. Zudem bietet DEKRA durch das digitale DearEmployee-Verfahren ein
innovatives Werkzeug zur psychischen Gefährdungsbeurteilung.

DEKRA e.V.


AplusA-online.de - Quelle: Mehr Informationen