17.07.2019

Können Roboter Arbeitskollegen sein?

Bericht reflektiert über sozial-ethische Fragen der Mensch-Roboter-Interaktion
In immer mehr Anwendungsbereichen lässt sich ein verstärkter Einsatz von
Robotern beobachten, die unmittelbar mit Menschen zusammenarbeiten. Ob bei
medizinischen Eingriffen in der Chirurgie, als ferngesteuerte Drohnen beim
Militär oder selbstfahrende Staubsauger in den eigenen vier Wänden - die
zunehmende Mensch-Roboter-Interaktion hat signifikanten Einfluss auf die
heutige Lebenswelt. Nicht zuletzt auch in der Produktion, wo es darum geht, die
Vorteile von menschlichen Arbeitern und robotischen Systemen möglichst optimal
und im Sinne einer menschengerechten Arbeitsgestaltung zu kombinieren. Diese
neue Form der Zusammenarbeit zwischen Menschen und Robotern wirft auch ethische
und soziale Fragen auf. Der jetzt von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und
Arbeitsmedizin (BAuA) veröffentlichte Bericht "Ethische und soziologische
Aspekte der Mensch-Roboter-Interaktion" arbeitet sie systematisch auf. Auf der
Basis theoretischer Analysen entwickelt er zudem Gestaltungsempfehlungen der
Mensch-Roboter-Interaktion nach ethisch-sozialen Kriterien.

In vielerlei Hinsicht erscheinen Mensch-Roboter-Interaktionen als vorteilhaftes
Szenario für die Zukunft der Arbeit. Zum einen lassen sich etwa Produktivität
und Effizienz durch den Einsatz von Robotern steigern. Zum anderen eröffnen
sich Möglichkeiten, im Zuge der fortschreitenden industriellen Entwicklung neue
Arbeitsplätze zu schaffen. Allerdings stellt sich das Ziel einer guten
Zusammenarbeit zwischen Menschen und Robotern nicht allein als ein technisches
Problem dar. Vielmehr stellt sich die Frage nach der Qualität des neu
geschaffenen Arbeitsumfelds und der sich darin entwickelnden Tätigkeiten aus
einer menschlichen Perspektive.

Auf der Grundlage neuester empirischer Studien identifiziert der Bericht in
diesem Zusammenhang drei entscheidende Einflussgrößen auf ethisch-soziale
Aspekte der Mensch-Roboter-Interaktion. Neben der Interaktionsrolle des
Menschen und dem Autonomiegrad des Roboters thematisiert der Bericht auch die
äußere Gestaltung des Roboters. Als eine Gestaltungsempfehlung zur
Mensch-Roboter-Interaktion machen die Autoren unter anderem den Vorschlag, in
Bezug auf Roboter zukünftig mehr von einem technischen Steuerungsmittel der
Arbeit zu sprechen. Eine vermenschlichende Beschreibung des Roboters ("Kollege
Roboter") könne vielmehr zu unangemessenen Vorstellungen hinsichtlich sozialer
Kompetenz und Verantwortungsfähigkeit führen. Eine umfassende
Literaturrecherche zur Mensch-Roboter-Interaktion im ethisch-moralischen
Diskurs rundet den Bericht ab.

"Ethische und soziologische Aspekte der Mensch-Roboter-Interaktion"; Christoph
Asmuth, Thomas Jürgensohn, Linda Onnasch, Peter Remmers; 1. Auflage Dortmund;
Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin 2019; 73 Seiten, DOI:
10.21934/baua:bericht20190128. Den Bericht gibt es im Internetangebot der BAuA.

Zum Bericht


AplusA-online.de - Quelle: Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA)