17.07.2019

Anstrengende Arbeit unter Termindruck belastet Beschäftigte

Körperlich anstrengende Arbeit unter Termin- oder Leistungsdruck und geringer
Handlungsspielraum zeichnen die Arbeit in den Logistikberufen aus. Zudem zeigen
sich geringe Zufriedenheitswerte in Bezug auf körperliche Arbeitsbedingungen,
Weiterbildungsmöglichkeiten und Aufstiegschancen bei den Beschäftigten. Fast
ein Viertel gibt an, häufig an der Leistungsgrenze zu arbeiten. Dies zeigt sich
auch in der Einschätzung des eigenen Gesundheitszustands, den die Beschäftigten
in den Logistikberufen häufiger als in anderen Berufen als weniger gut oder
schlecht angeben. Zu diesen und weiteren Ergebnissen kommt das Faktenblatt
"Schnell mal was bestellt - schnell mal was gebracht", das die Bundesanstalt
für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) jetzt veröffentlicht hat. Es beruht
auf Daten der BIBB-/BAuA-Erwerbstätigenbefragung 2018.

Nahezu jeder bestellt heute "schnell mal" was im Internet. Die Erwartung, dass
Waren ständig verfügbar sind und zügig nach Bestellung ausgeliefert werden,
beeinflusst die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten in den Logistikberufen.
Rund 1,2 Millionen Erwerbstätige, davon etwa 30 Prozent Frauen, arbeiten in den
hier betrachteten Berufen der Lagerwirtschaft, der Post- und Zustelldienste und
im Güter- bzw. Warenumschlag. Zu ihren typischen Arbeitsbedingungen gehört
häufiges schweres Heben und Tragen (56 Prozent im Vergleich zu 30 Prozent in
anderen Berufen), Arbeit im Stehen (82 Prozent) und arbeiten in Kälte, Hitze,
Nässe, Feuchtigkeit oder Zugluft (47 Prozent). Zusätzlich kommt ein oft
geringer Handlungsspielraum in Bezug auf Arbeitsablauf oder Arbeitsmenge hinzu.
In Logistikberufen haben nur 46 Prozent der Erwerbstätigen die Möglichkeit,
ihre Arbeit selber zu planen, nur 14 Prozent können Einfluss auf die
Arbeitsmenge nehmen.

Die eigene Gesundheit schätzen die Beschäftigten entsprechend schlecht ein. 61
Prozent klagen über Schmerzen im unteren Rücken, 37 Prozent über Schmerzen in
den Knien, Schmerzen in den Armen und Beinen werden von 35 Prozent, bzw. 36
Prozent der Logistikbeschäftigten beklagt. Passend zu den widrigen
Arbeitsbedingungen fühlen sich 48 Prozent der Beschäftigten körperlich
erschöpft.

In den Logistikberufen kommen unterschiedliche ungünstige Anforderungen
zusammen, insbesondere körperliche Anstrengung, schnelles Arbeiten und Termin-
oder Leistungsdruck. Erwerbstätige in diesen Berufen verfügen außerdem seltener
über Ressourcen, um ihre Situation besser zu bewältigen. Daher ist es besonders
wichtig, dass Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber den Arbeitsanforderungen in
Logistikberufen mit einer gesundheitsförderlichen Gestaltung der Arbeit
begegnen. Hierfür ist eine Gefährdungsbeurteilung durchzuführen und es sind
entsprechende Maßnahmen einzuleiten.

Ausführliche Informationen zur Gefährdungsbeurteilung erhalten Sie bei der
zuständigen Berufsgenossenschaft Handel und Warenlogistik sowie auf der
Internetseite der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin.

Das Faktenblatt "Schnell mal was bestellt - schnell mal was gebracht" gibt es als PDF im Internetangebot der BAuA


AplusA-online.de - Quelle: Bundesanstalt für Arbeitsschutzund Arbeitsmedizin (BAuA)