09.07.2019

Gute Pausenkultur nützt allen

Auf Pausen verzichten, weil so viel zu tun ist? Oder mittags
in der freien Zeit schnell ein paar private Dinge erledigen? Besser nicht, rät die
Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW).
Auszeiten zwischendurch haben viele positive Effekte und sind zudem gesetzlich
vorgeschrieben. Die BGW empfiehlt, im Arbeitsalltag auf eine gute Pausenkultur
zu achten.

Ruhepausen vorgeschrieben
Wer länger als sechs Stunden arbeitet, muss mindestens 30 Minuten Pause machen.
Bei mehr als neun Stunden Arbeitszeit sind mindestens 45 Minuten
vorgeschrieben. Für Jugendliche gelten abweichende Regelungen.
Nach dem Arbeitszeitenreport 2016 der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und
Arbeitsmedizin lassen rund 20 Prozent der Befragten mit einer Wochenarbeitszeit
von 20 bis 39 Stunden ihre Ruhepause häufig ausfallen. Bei überlanger
Wochenarbeitszeit wurde der Verzicht auf Pausen noch deutlich häufiger genannt.
Als Hauptgrund gaben die Befragten an, dass die Arbeitsmenge anders nicht zu
bewältigen sei.

Wer zu lange arbeitet, schafft weniger
Aber schafft man wirklich mehr, wenn man ohne Pause durcharbeitet? Dr. Sabine
Gregersen, Psychologin bei der BGW, beantwortet diese Frage mit einem klaren
Nein: "Dauerbelastung macht müde, die Arbeitsergebnisse werden schlechter und
es passieren mehr Fehler", sagt sie. "Wer die Pause auslässt, arbeitet zwar
länger, aber deutlich weniger effektiv. Zugleich steigt die Gefahr von
Unfällen."

Richtig abschalten
Allerdings kommt es auch auf die richtige Gestaltung der Pause an. Am
Arbeitsplatz zu bleiben oder abgehetzt Besorgungen zu machen, bringt keine
Entspannung. Erholsam sind Pausen, die eine echte Auszeit darstellen. "Wer die
Pause zum Essen nutzt, sollte sich dabei genügend Ruhe gönnen", rät Gregersen.
"Gemeinsame Zeit mit Kolleginnen und Kollegen stärkt das soziale Miteinander,
sollte aber nicht dazu verleiten, zu viel über Berufliches zu reden."
Auch Kurzpausen von wenigen Minuten steigern die Leistungsfähigkeit. Dort kommt
es ebenfalls auf die Abwechslung von der ausgeübten Tätigkeit an. "Bei
Schreibtischarbeit bieten sich beispielsweise ein Gang in die Teeküche oder ein
paar Bewegungsübungen an", erläutert die Expertin. "Wer dagegen beruflich viel
auf den Beinen ist, legt vielleicht einfach mal für ein paar Minuten die Füße
hoch."

Pausenfreundliche Unternehmen im Vorteil
Wenn Beschäftigte durcharbeiten, kann das auch an einem vermeintlich schlechten
Image von Pausen liegen. "Führungskräften kommt auch bei diesem Thema eine
Vorbildfunktion zu: Wer selbst keine Pausen macht, vermittelt den Eindruck, das
von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ebenso zu erwarten", so Gregersen.
"Innerhalb des Teams sollte ebenfalls kein stiller Wettbewerb um die längste
Arbeitszeit vorherrschen."

Die Expertin der BGW rät, das Thema offen anzusprechen: "Manchmal ist das
Durcharbeiten einfach eine Angewohnheit, die nicht hinterfragt wird." Wenn
Pausen selbstverständlich in den Arbeitstag integriert sind und zusätzlich zu
den vorgeschriebenen Erholungszeiten regelmäßige Kurzpausen ermöglicht werden,
profitiert das ganze Unternehmen: Eine positive Pausenkultur macht die
Belegschaft motivierter, gesünder und leistungsfähiger.

AplusA-online.de - Quelle: Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW)