28.08.2013

Zufriedenheit im Job ist beste Gesundheitsvorsorge

Die Krankenkassen weisen seit geraumer Zeit darauf hin, dass physische
Belastungen in der Arbeitswelt verbreitet sind und sich darüber hinaus
psychische Erkrankungen auf dem Vormarsch befinden. Die Ursachen für
Arbeitsüberlastungen sind dabei vielfältiger Natur, wie eine nun
veröffentlichte Studie des Fachgebiets Mikrosoziologie der Universität Kassel
zeigt. "Ein Großteil der von uns befragten Beschäftigten litt vor allem unter
standardisierten Abläufen und entfremdeter Arbeit", sagt die Leiterin des
Fachgebiets, Prof. Dr. Kerstin Jürgens: "Viele Arbeitnehmer erleben einen
schleichenden Verlust ihrer Qualifikationen, die vom Betrieb nicht mehr
abgefordert werden." Auch fehlende Aufstiegsperspektiven und Anerkennung des
Beitrags zum Unternehmenserfolg seien Gift für die Zufriedenheit und
Arbeitsleistung von Beschäftigten.

Die Situation ist für Arbeitgeber und Arbeitnehmer gleichermaßen problematisch.
"Mit der Einschränkung und dem Verlust der Arbeitsfähigkeit sind hohe Kosten
verbunden, so dass viele Unternehmen inzwischen alarmiert sind und - meist
angestoßen von den Betriebs- und Personalräten - Projekte zur
Gesundheitsförderung anbieten", erklärt Jürgens. Der Nutzen dieser Maßnahmen
bleibt jedoch fragwürdig. Jürgens und ihr Kollege Mathias Heiden haben
untersucht, wie diese Unterstützung bei den Beschäftigten ankommt. Das
Ergebnis: Die Initiativen helfen den Beschäftigten durchaus in der Bewältigung
der Anforderungen, sie greifen jedoch nicht den Kern der wirklichen Ursache von
Überlastung auf. "Wenn Unternehmen Geld und Personal bereitstellen, um
gesundheitsfördernde Maßnahmen zu ergreifen oder die Vereinbarkeit von Beruf
und Familie zu erhöhen, dann ist das hilfreich, aber es reicht bei weitem nicht
aus", betonen die Sozialforscher: "Wenn die Qualität der Arbeit nicht stimmt,
dann laufen die Programme ins Leere, weil sie nicht an der Ursache von
Überlastung ansetzen." Bewegung, gesunde Ernährung und Zeit für Entspannung
würden zweifelsfrei allen Menschen gut tun, es sollte aber den Beschäftigten
überlassen bleiben, wie sie sich am besten erholen. "Die meisten Menschen
verfügen über eigene Umgangsweisen mit Überlastung, die anerkannt werden müssen
", sagt Jürgens.

Hierbei handele es sich um "biografisch gefestigte Lösungen", die in der Studie
detailliert beschrieben werden. Sie sorgen dafür, dass den Beschäftigten die
Bewältigung von Anforderungen gelingt. Unternehmen könnten daher dreierlei
aufgreifen: "Man sollte vor allem sicherstellen, dass die Arbeitsqualität
stimmt", so Jürgens. "Darüber hinaus sollte den Beschäftigten Zeit und Kraft
für ausreichenden Freizeitausgleich bleiben - und vor allem darauf verzichtet
werden, Vorschriften über die vermeintlich ‚richtige‘ Erholungsweise zu
machen."

Die Ergebnisse der Studie basieren auf Betriebsfallstudien, die das Autorenteam
zwischen 2010 und 2013 im Rahmen eines von der Hans-Böckler-Stiftung
geförderten Projekts erarbeitet hat. Es wurden Expertengespräche und
Mitarbeiterbefragungen in der Metall- und Chemieindustrie, der
Dienstleistungsbranche und dem Handwerk durchgeführt.

Weitere Informationen in einer Pressemeldung


AplusA-online.de - Quelle: Universität Kassel