27/10/2017

Wenn Retter in Not geraten: Übergriffe belasten Einsatzkräfte

Sie sind zur Stelle, um Menschen in Not zu helfen. Doch die Einsatzkräfte von
Rettungsdienst und Feuerwehr werden immer häufiger selbst zu Opfern: Über 1.000
Übergriffe während eines Rettungs- oder Löscheinsatzes zählte die Deutsche
Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV), Spitzenverband der
Berufsgenossenschaften und Unfallkassen, in den vergangenen fünf Jahren. "Diese
Zahl spiegelt jedoch nur die meldepflichtigen Zwischenfälle, mit einer
Arbeitsunfähigkeit ab vier Tagen", sagt Dr. Walter Eichendorf,
stellvertretender Hauptgeschäftsführer der DGUV. "Dies lässt vermuten, dass es
insgesamt eine weitaus höhere Zahl an Übergriffen auf Einsatzkräfte gibt." Die
Vorfälle reichen von vehementem Ignorieren oder Abwehren notwendiger Maßnahmen
über Beschimpfungen und Bedrohungen bis hin zu Schlägen seitens der
Hilfsbedürftigen oder Umstehenden. "Wir beobachten, dass unseren Einsatzkräften
in letzter Zeit immer weniger Respekt entgegengebracht wird", berichtet auch
Lars Oschmann, Vizepräsident des Deutschen Feuerwehrverba
ndes (DFV).

Handlungsstrategien für Übergriffe auf einen Blick

Wie Verantwortliche von Rettungsdienst und Feuerwehr ihr Personal vor verbaler
und tätlicher Gewalt schützen können, zeigt eine neue Publikation mit dem Titel
"Prävention von und Umgang mit Übergriffen auf Einsatzkräfte der
Rettungsdienste und der Feuerwehr (DGUV Information 205-027)" . Darin finden
Leitungs- und Führungskräfte wichtige Tipps zur Planung, Organisation und
Nachbereitung von Rettungs- oder Löscheinsätzen, so dass Konfliktsituationen
erst gar nicht entstehen, nicht eskalieren oder die Folgen gering bleiben.
Erarbeitet wurde die Publikation vom DGUV Fachbereich "Feuerwehren,
Hilfeleistungen und Brandschutz", gemeinsam mit dem Deutschen Feuerwehrverband
sowie mit weiteren Hilfeleistungsorganisationen, die Rettungsdienste betreiben.


Auch verbale Attacken sind Übergriffe und meldepflichtig

"Mit der Information geben wir Verantwortlichen nicht nur wichtige Hinweise und
Empfehlungen zum Umgang mit Übergriffen zur Hand", sagt Tim Pelzl, Leiter des
Fachbereichs "Feuerwehren, Hilfeleistungen und Brandschutz" der DGUV. "Wir
wollen das Berufsfeld auch besser für diese Thematik sensibilisieren und
Betroffenen die Hemmschwelle nehmen, besondere Vorfälle auch zu melden." Nur
wenige Einsatzkräfte wissen, dass schon verbale Übergriffe zu psychischen
Belastungen führen können und gemeldet werden sollten. Andere wiederum scheuen
den Arbeitsaufwand einer Meldung an die Unfallversicherung oder
Staatsanwaltschaft. Aus diesem Grund liegt die tatsächliche Zahl der Angriffe
auf Rettungsdienste und Feuerwehren auch höher, als die Statistiken vermuten
lassen. Ein mehrseitiges Musterformular im Anhang der DGUV Information
erleichtert die Erfassung von Übergriffen.

Praktische Tipps zur Prävention und Deeskalation

Die DGUV Information zeigt außerdem auf, warum in Rettungssituationen Konflikte
entstehen und wie Gefahrensituationen bewertet und reduziert werden können.
Verantwortliche erhalten praktische Tipps zur professionellen Vorbereitung,
Durchführung und Nachbereitung von Rettungseinsätzen: So sollten Einsatzkräfte
nicht nur die Hilfsbedürftigen, sondern auch deren Umfeld gut im Auge behalten,
um Aggressionspotenzial rechtzeitig zu erkennen. Zudem sollten die Retter das
eigene Handeln immer wieder verständlich erklären, um Missverständnisse zu
vermeiden und bei Gefahr Unterstützung holen. "Es ist wichtig, dass
Verantwortliche und Einsatzkräfte sich des Problems bewusst sind und sich schon
im Vorfeld bestimmte Maßnahmen zurecht legen", betont DFV-Vizepräsident Lars
Oschmann. "So sind sie im Fall der Fälle nicht überrascht, sondern vielmehr in
der Lage, schnell und richtig zu handeln."

Angriffe ernst nehmen

Einsatzkräfte, die Opfer von verbalen oder körperlichen Angriffen werden,
können unter akuten Belastungsreaktionen bis hin zu Posttraumatischen
Belastungsstörungen leiden. Dies führt nicht nur zu mangelnder Motivation oder
zu Fehlern im Arbeitsablauf, sondern im schlimmsten Fall auch zur
Berufsunfähigkeit, zur Kündigung oder zum Austritt aus dem ehrenamtlichen
Dienst. "Für die Einsatzkräfte ist es wichtig zu wissen, dass ihre Vorgesetzten
Konfliktsituationen jeder Art ernst nehmen und Maßnahmen zum Schutz ihres
Personals ergreifen", sagt Tim Pelzl. Die DGUV Information gibt den Leitungs-
und Führungskräften wertvolle Tipps, wie sie dieser Verantwortung gerecht
werden können.

Interessierte können die Broschüre "Prävention von und Umgang mit Übergriffen
auf Einsatzkräfte der Rettungsdienste und der Feuerwehr (DGUV Information
205-027)" in der DGUV Publikationsdatenbank kostenfrei herunterladen oder dort
als gedrucktes Exemplar bestellen. Mitgliedsunternehmen können die
Informationsschrift kostenfrei über ihre Unfallkasse beziehen.

Zum Download der DGUV Information 205-027


AplusA-online.de - Quelle: Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV)