10.09.2018

Welttag der Ersten Hilfe 2018 - Helfen kann jeder!

44 Prozent der Deutschen helfen bei einem Unfall nicht, weil sie Angst haben,
etwas falsch zu machen. Das ist das Ergebnis einer Forsa-Umfrage im Auftrag der
Johanniter-Unfall-Hilfe. "Dabei kann nur derjenige etwas falsch machen, der gar
nichts tut", betont Ralf Sick, Ausbildungsleiter in der Bundesgeschäftsstelle
der Johanniter-Unfall-Hilfe, am internationalen Tag der Ersten Hilfe am 8.
September.

Die fünf wichtigsten Maßnahmen im Notfall:

Überblick verschaffen

Eine Unfallsituation kann für Ersthelfer sehr erschreckend aussehen. "Versuchen
Sie trotzdem, ruhig zu bleiben", rät Sick. Um die Situation einschätzen zu
können, sollten Sie sich zunächst einen Überblick verschaffen: Was ist
passiert? Gibt es mögliche Gefahrenstoffe, zum Beispiel auslaufendes Benzin?
Ist jemand verletzt? Wenn ja, wie viele Verletzte gibt es? Sind diese
ansprechbar? Sind schon andere Helfer aktiv?

Sich selbst und andere schützen

"Dem Unfallopfer ist nicht geholfen, wenn Sie als Helfer vom fließenden Verkehr
erfasst werden", mahnt Sick. Diese Gefahr ist bei einem Unfall auf einer
befahrenen Straße nicht zu unterschätzen. In diesem Fall sollten Sie Ihr
Warnblinklicht einschalten und langsam an die Unfallstelle heranfahren. Parken
Sie Ihr Fahrzeug mit ausreichendem Abstand und stellen Sie ihr Warndreieck auf.
Laufen Sie auf dem Weg zur Unfallstelle wenn möglich hinter der Leitplanke.
Stellen Sie dann die Zündung des Unfallwagens ab. Achten Sie auf Anzeichen
eines entstehenden Brandes.

Retten aus dem Gefahrenbereich

Das gilt nur für den Fall, dass dem Verunfallten eine Gefahr droht, zum
Beispiel durch Feuer oder Rauch. Dann sollten Sie den Betroffenen mit Hilfe des
sogenannten Rautek-Rettungsgriffes aus dem Gefahrenbereich bringen. Dazu
greifen Sie mit beiden Händen von hinten unter seinen Achseln durch und
umfassen einen möglichst unverletzten Arm mit beiden Händen.

Notruf absetzen

Auch wenn Sie sich mit Erster Hilfe nicht auskennen, sollten Sie unbedingt den
Rettungsdienst unter der Telefonnummer 112 alarmieren. Wenn sich jemand in der
Leitstelle meldet, konzentrieren Sie sich darauf, folgende Fragen beantworten
zu können: Wo ist es passiert? Was ist passiert? Wie viele Verletzte? Welche
Art von Verletzungen? Warten: Nicht auflegen, sondern auf Rückfragen warten.

Erste Hilfe leisten

Die Johanniter raten, das Erste-Hilfe-Wissen alle zwei Jahre aufzufrischen.
Prüfen Sie zuerst, ob der Verletzte bei Bewusstsein ist und ob er normal atmet.
Ist er ohne Bewusstsein, die Atmung aber normal, kommt die stabile Seitenlage
zum Einsatz. "Atmet der Betroffene nicht oder ungleichmäßig, muss umgehend mit
der Wiederbelebung begonnen werden", erklärt Sick. "Am wichtigsten ist dabei
die konsequent und möglichst lückenlos durchgeführte Herzdruckmassage - 100 bis
120 mal pro Minute, wie man es in einem Erste-Hilfe-Kurs leicht erlernen kann",
so der Experte. Auch der Einsatz eines Automatisierten Externen Defibrillators
(AED) kann in diesem Fall lebensrettend sein.

Die wichtigsten Handgriffe der Ersten Hilfe lernt man am besten in einem
Erste-Hilfe-Kurs. Ein Erste-Hilfe-Kurs dauert neun Stunden und wird in ganz
Deutschland angeboten.

Ersthelfer/Ersthelferinnen im Betrieb

In jedem Betrieb ist es notwendige Pflicht, ausreichend aus- und regelmäßig
fortgebildete Ersthelferinnen und Ersthelfer sowie Erste-Hilfe-Material zur
Verfügung zu haben. Zahl der sogenannten betrieblichen Ersthelferinnen und
Ersthelfer, Art und Menge sowie Aufbewahrungsorte des Erste-Hilfe-Materials
richten sich im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung nach der Betriebsgröße, den
vorhandenen betrieblichen Gefahren, der Ausdehnung und Struktur des Betriebes
und der Organisation des betrieblichen Rettungswesens. Solche Kriterien werden
von den zuständigen Unfallversicherungsträgern genannt.

Was tun, wenn ein Kollege einen Unfall oder einen Herzinfarkt am Arbeitsplatz
erleidet? Dr. Horst Reuchlein, Verwaltungs-Berufsgenossenschaft (VBG) und
Leiter des Fachbereichs Erste Hilfe der Deutschen Gesetzlichen
Unfallversicherung (DGUV) weiß, wie wichtig Ersthelfer im Betrieb sind. Im
Basi-Interview zum Welttag der Ersten Hilfe am 8. September 2018 erläutert er,
wie man Menschen für diese Aufgabe motiviert und was diese wissen müssen.

Zum BASI-Interview mit Dr. Horst Reuchlein


AplusA-online.de - Quelle: Die Johanniter