05/04/2018

Weltgesundheitstag: Stress auf der Arbeit - Was kann der Arbeitnehmer tun?

E-Mail-Flut, stundenlanges Sitzen, Überstunden - für viele Arbeitnehmer
ist das anhaltender Stress im Job und damit ungesund. Laut einer aktuellen Statistik
von Statista aus diesem Jahr leiden 52 Prozent der Berufstätigen unter Termindruck
und 33 Prozent unter Informationsüberflutung und ständiger Erreichbarkeit u.a. durchs
Smartphone. Wer ständig unter Strom steht, leidet oft an gesundheitlichen Beschwerden.
Dazu gehören Kopfschmerzen, Rückenleiden oder Sehbeschwerden. Aber auch psychische
Erkrankungen gehören dazu, die unbehandelt langfristig zu Depressionen, Burn-out oder
Suchterkrankungen führen können. Für den Arbeitnehmer kann dies zu Leistungsabfall
bis hin zum Arbeitsplatzverlust führen. Soweit muss es nicht kommen. Um Erkrankungen
rechtzeitig vorzubeugen, geben die TÜV-Arbeitsmediziner Tipps für den Arbeitsalltag.

Körperlichen Beschwerden aktiv entgegenwirken

Körperliche Beschwerden häufen sich bei Arbeitnehmern, die vermehrt nur im Sitzen
oder Stehen arbeiten. "Erste Beschwerden sollten ernst genommen werden und zur Prävention
am Arbeitsplatz führen, um chronische Erkrankungen zu vermeiden", so André Siegl,
Arbeitssicherheitsexperte beim TÜV-Verband (VdTÜV). Zu achten ist auf die Einrichtung
des Bildschirmarbeitsplatzes, um Verspannungen im Schulter- und Nackenbereich vorzubeugen.
Die Blickrichtung auf den Bildschirm sollte parallel zum Fenster verlaufen, damit
sich nichts im Bildschirm spiegelt. Der Blick sollte leicht nach unten geneigt sein.
Der Abstand zwischen Augen und Monitor hängt von der Größe des Bildschirmes ab.
Der Sehabstand steigt mit der Größe des Bildschirmes und kann zwischen 50 bis 90 cm
betragen. Wenn die Augen müde werden, hilft es, den Blick für einige Minuten aus dem
Fenster zu schweifen, um die Augenmuskulatur wieder zu entspannen.

Zudem ist auf rückengerechtes Arbeiten zu achten: Der Bürostuhl sollte eine verstellbare
Rückenlehne haben, höhenverstellbar sein und dynamisches Sitzen, also häufig wechselnde
Sitzpositionen, ermöglichen. In aufrechter Sitzposition sollten die Unterarme bequem
im 90-Grad-Winkel auf der Tischplatte abgelegt werden können. Ober- und Unterschenkel bilden
einen Winkel von 90 Grad oder mehr. Wenn möglich ein Stehpult bzw. einen höhenverstellbaren
Schreibtisch nutzen. Auch ausreichend am Arbeitsplatz trinken, z. B. Mineralwasser oder Tee,
begünstigt eine bessere Blutzirkulation bei längerem Sitzen.

Pausen und Entspannungsübungen im Arbeitsalltag einplanen

Regelmäßige kurze Pausen, auch mal an der frischen Luft, helfen den Tag über konzentriert zu
bleiben. Ein Mittel, um wieder schnell Energie zu schöpfen, sind gesunde Snacks, wie frisches
Obst und Gemüse oder Joghurt.

Im Büro selbst können kleine Übungen für Entspannung und Beweglichkeit sorgen. Wenn möglich
immer die Treppe statt den Aufzug nutzen. Bürogymnastik zwischendurch einplanen. Pausen können
auch als Bewegungspausen genutzt werden.

Psychische Beschwerden rechtzeitig ernst nehmen

"Wer unter Stress regelmäßig zu Alkohol-, Medikamenten- oder Drogenkonsum neigt, sollte
dringend etwas tun. Der Konsument gefährdet mitunter sich und andere Arbeitskollegen.
Allein Beruhigungsmittel und Schlafmittel, die regelmäßig eingenommen werden, führen oft
zu Konzentrationsstörungen am Arbeitsplatz", so Siegl. Leistungssteigernde Mittel, die
zudem illegal sein können, wie z. B. Amphetamine oder Kokain, führen dagegen zu Überaktivität
und risikoreichem Verhalten. Wird bei einem Arbeits- oder Wegeunfall die missbräuchliche
Einnahme dieser Mittel nachgewiesen, kann der Versicherungsschutz für den Arbeitnehmer
erlöschen.

Damit es dazu erst gar nicht kommt, sollten Arbeitnehmer, die ständig unter Stress und
Leistungsdruck stehen, ihre Leistungsfähigkeit realistisch einschätzen und auch mal Grenzen
aufzeigen sowie gegebenenfalls ein klärendes Gespräch mit dem Vorgesetzten suchen. Keiner
muss ständig erreichbar sein bzw. sein Büro rund um die Uhr dabeihaben. Kommunikationsleitfäden
oder Verhaltensregeln im Team helfen weiter. "Der Arbeitgeber ist hierbei in der Pflicht für
Rahmenbedingungen zu sorgen, die gesundes Arbeiten ermöglichen. Damit sie aber auch wirken, ist
der Arbeitnehmer in der Pflicht diesen Rahmen auch sinnvoll zu nutzen", erklärt Siegl.

"Der Schutz vor gesundheitlichen Belastungen sollte am Arbeitsplatz so selbstverständlich sein,
wie der Schutz vor Lärm, Chemikalien, Strahlen und anderen Emissionen", so Siegl. Bei anhaltenden
Beschwerden, die arbeitsplatzbedingt sind, kann der Arbeitnehmer den Arbeitgeber kontaktieren,
um den Betriebsarzt anzurufen. Den medizinischen Grund der Anfrage muss der Arbeitnehmer dem
Arbeitgeber nicht offenlegen. Der Betriebsarzt, z. B. vom TÜV,stellt im Rahmen einer Arbeitsplatz-
und Gefährdungsbeurteilung sowie individuellen Untersuchung des Beschäftigten die Ursachen für die
gesundheitlichen Belastungen fest. Ziele der Beratung sind gezielte individuelle Lösungen zur
Suchtprävention und Stressabbau. Auf Wunsch des Arbeitnehmers muss sich der Arbeitgeber im Rahmen
seiner Fürsorgepflicht darum kümmern. Was Arbeitnehmer mit dem Arzt besprechen, bleibt geheim.
Die Kosten des Betriebsarztbesuchs hat der Arbeitgeber zu tragen.

AplusA-online.de - Quelle: Verband der TÜV e.V.