03.01.2018

WHO hat internationale Leitlinie veröffentlicht: Sicher mit Nanomaterialien arbeiten

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat eine internationale Leitlinie
veröffentlicht, um Beschäftigte vor möglichen Gesundheitsrisiken am
Arbeitsplatz durch hergestellte Nanomaterialien (manufactured nanomaterials) zu
schützen. Die Leitlinie, die sich an Regierungen und Experten in den mehr als
180 Mitgliedsstaaten der WHO richtet, enthält Empfehlungen zur
Gefährdungsbeurteilung und zu geeigneten Arbeitsschutzmaßnahmen beim Umgang mit
hergestellten Nanomaterialien. In die Leitlinie floss Expertenwissen aus der
Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) ein.

Mit der Veröffentlichung der Leitlinie "WHO guidelines on protecting workers
from potential risks of manufactured nanomaterials" (WHO Leitlinien zum Schutz
der Beschäftigten vor möglichen Gefährdungen durch hergestellte
Nanomaterialien) betrat die Weltgesundheitsorganisation Neuland bei der
internationalen Regelsetzung für Gefahrstoffe am Arbeitsplatz. Auf Grundlage
systematischer Auswertungen der wissenschaftlichen Literatur wurde die
Leitlinie nach dem Vorbild der evidenzbasierten Medizin erstellt.

Mit Hilfe der Nanotechnologie lassen sich die Eigenschaften chemischer
Materialien heute sehr gezielt beeinflussen und gestalten. Das eröffnet große
Innovationspotenziale beispielsweise für leichte und energieeffiziente
Produkte. Jedoch sind Nanomaterialien auch eine Herausforderung für den
Arbeitsschutz, weil neben der chemischen Zusammensetzung auch die spezifische
Materialgestaltung mit Gesundheitsgefährdungen einhergehen kann. Am
Arbeitsplatz können eingeatmete Stäube und Fasern langfristig zu chronischen
Erkrankungen der Atemwege führen, wenn sie sich aufgrund ihrer
Schwerlöslichkeit in der Lunge anreichern. Besonderer Aufmerksamkeit bedürfen
einige Fasermaterialien, deren Staub starre Fasern enthält, die ähnlich wie
Asbest wirken.

Als Experte hat Dr. Rolf Packroff, wissenschaftlicher Leiter des Fachbereichs
"Gefahrstoffe und Biologische Arbeitsstoffe" der BAuA, an der Leitlinie
mitgewirkt. Wichtige Erkenntnisse aus der Forschungsarbeit der BAuA und
Schlussfolgerungen aus der technischen Regelsetzung im Ausschuss für
Gefahrstoffe (AGS) konnten so eingebracht werden. Zu den wesentlichen Punkten
gehören dabei die Einteilung von Nanomaterialien in drei gefährdungsbezogene
Gruppen und eine Differenzierung zwischen starren und nicht-starren
Faserstäuben. Durch diese Unterscheidungen lassen sich die notwendigen
Arbeitsschutzmaßnahmen differenziert festlegen. Zudem sollen sie eine
wissenschaftlich fundierte Risikokommunikation ermöglichen und einer generellen
Stigmatisierung von Nanomaterialien entgegenwirken.

Die Leitlinie gibt es in englischer Sprache im PDF-Format im Internetangebot
der WHO.

WHO guidelines on protecting workers from potential risks of manufactured nanomaterials


AplusA-online.de - Quelle: Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA)