26.06.2018

Urlaub ohne Fallen - Damit die schönste Zeit des Jahres nicht zum Flop wird

Hier gibt es Anworten zu rechtlichen Fragen zum Thema Urlaub für Arbeitnehmer:

Gibt es eigentlich einen Mindesturlaub?

Durchaus. Er beträgt mindestens 24 Werktage oder - anders ausgedrückt - vier
Wochen im Jahr, und zwar für alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer,
unabhängig davon, ob sie teilzeit- oder vollzeitbeschäftigt sind. Bei der
Fünftagewoche entspricht der Mindesturlaub 20 Urlaubstagen. Arbeitet jemand
dagegen beispielsweise nur an zwei Tagen in der Woche, hat er ebenfalls einen
Anspruch auf vier Wochen Urlaub im Jahr, was in seinem Fall dann acht bezahlten
Urlaubstagen entspricht. Weniger als vier Wochen Urlaub geht auf keinen Fall,
mehr geht natürlich immer. Das regeln dann Tarifverträge oder der
Arbeitsvertrag. Schwerbehinderte Menschen und Jugendliche haben einen höheren
Urlaubsanspruch.

Darf ich den Urlaub am Stück nehmen?

Zumindest zwei Wochen Urlaub im Jahr müssen zusammenhängend gewährt werden.
Möchten Sie mehr oder sogar den ganzen Urlaub am Stück nehmen, ist diesem
Antrag zu entsprechen, wenn weder betriebliche noch sonstige triftige Gründe
dagegen sprechen.

Kann ich mir den Urlaub auch auszahlen lassen anstatt ihn in Freizeit zu nehmen?

Nein. Da der Urlaub der Erholung dient, muss er in Freizeit genommen werden.
Ein Anspruch auf eine Auszahlung des Urlaubs besteht nur in dem Ausnahmefall,
dass das Arbeitsverhältnis endet und der Urlaub bis zur Beendigung nicht mehr
in Freizeit genommen werden kann, zum Beispiel wegen Krankheit.

Was ist, wenn ich im Urlaub krank werde?

Dann werden Ihnen die Urlaubstage gutgeschrieben. Voraussetzung ist aber, dass
Sie beim Arbeitgeber ein ärztliches Attest über die Tage der Arbeitsunfähigkeit
einreichen.

Wann kann ich Urlaub nehmen?

Das sollten Sie mit Ihrem Arbeitgeber und Ihren Kollegen frühzeitig absprechen.
Der Arbeitgeber muss grundsätzlich die Urlaubswünsche seiner Mitarbeiter
berücksichtigen. Er kann einen Antrag allerdings aus dringenden betrieblichen
Gründen ablehnen, wenn beispielsweise im Einzelhandel zur Zeit des
Weihnachtsgeschäfts andernfalls nicht genug Personal vorhanden wäre.

Darüber hinaus gibt es eine Art Vorrangregelung für Beschäftigte, auf deren
Urlaubswünsche der Arbeitgeber aus sozialen Gründen besondere Rücksicht nehmen
muss. So haben Arbeitnehmer, die während der Schulferien Urlaub nehmen möchten
und die schulpflichtige Kinder haben oder deren Partner an einer Schule
unterrichtet, Vorrang vor Kollegen ohne Bezug zu Schulferien.

Ist der Urlaub einmal genehmigt, kann dieser nur mit Ihrem Einverständnis
wieder zurückgenommen werden. In diesem Fall muss der Arbeitgeber aber etwaige
Stornogebühren für eine gebuchte Reise ersetzen.

Darf mein Arbeitgeber durch die Anordnung von Betriebsferien über meinen ganzen
Urlaub verfügen?

Ihr Arbeitgeber darf zwar einseitig - bzw. in Betrieben mit Betriebsrat in
Abstimmung mit diesem - Betriebsferien festlegen. Allerdings darf er
grundsätzlich nicht über den gesamten Urlaub der Mitarbeiter einseitig
verfügen, sondern allenfalls über drei Fünftel des Jahresurlaubs.

Was soll ich tun, wenn mein Arbeitgeber meinen Urlaubsantrag grundlos ablehnt?

Keinesfalls einfach trotzdem in den Urlaub fahren. Das kann nämlich sehr
nachteilige Folgen wie etwa eine fristlose Kündigung nach sich ziehen. Wenn Sie
Ihren Urlaubsantrag durchsetzen wollen, müssen Sie beim zuständigen
Arbeitsgericht klagen und - sofern die Voraussetzungen vorliegen -
gegebenenfalls eine einstweilige Verfügung erwirken. Dieser Schritt erfordert
allerdings eine sorgfältige Abwägung und sollte erst nach Ausschöpfung aller
gütlichen Einigungsversuche in Betracht gezogen werden, da eine gerichtliche
Auseinandersetzung das Arbeitsverhältnis sehr belastet. Falls es in Ihrem
Betrieb einen Betriebsrat gibt, sollten Sie diesen zunächst um Vermittlung
bitten.

Kann mich mein Arbeitgeber aus dem Urlaub zurückholen?

Nein. Wenn Sie den Urlaub bereits angetreten haben, kann der Arbeitgeber eine
vorzeitige Rückkehr aus dem Urlaub nicht verlangen. Das Diensthandy müssen Sie
im Urlaub übrigens nicht angeschaltet haben und zu einem Checken dienstlicher
Mails sind Sie im Urlaub auch nicht verpflichtet.

AplusA-online.de - Quelle: Arbeitskammer des Saarlandes