26.06.2017

Unfallrisiko bei der Arbeit sinkt, mehr Berufskrankheiten anerkannt

Das Risiko, einen Arbeitsunfall zu erleiden, ist im vergangenen Jahr noch
einmal leicht gesunken. Zwar stieg die Zahl der Arbeitsunfälle um 1,3 Prozent
auf 877.071 Fälle an. Gleichzeitig nahm aber auch die Zahl der insgesamt
geleisteten Arbeitsstunden zu. Mit dem Ergebnis, dass die Arbeitsunfallquote um
0,4 Prozent gesunken ist, sie liegt somit bei 21,89 meldepflichtigen
Arbeitsunfällen je 1.000 Vollarbeiter. Diese Zahlen gehen aus den Geschäfts-
und Rechnungsergebnissen der Berufsgenossenschaften und Unfallkassen hervor,
die ihr Verband, die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung, heute in Berlin
vorgelegt hat. 424 Menschen starben infolge eines Arbeitsunfalls, das sind 46
weniger als im Vorjahr. Die Zahl der meldepflichtigen Wegeunfälle ist 2016
hingegen um 3,8 Prozent auf 186.070 gestiegen. 311 endeten tödlich, das sind 37
weniger als im Vorjahr.

"Eine besonders gute Nachricht ist, dass im vergangenen Jahr so wenig Menschen
bei der Arbeit oder auf dem Weg dorthin starben wie nie zuvor", sagte Dr.
Joachim Breuer, Hauptgeschäftsführer der DGUV: "Wir wollen dabei nicht
vergessen, jeder tödliche Unfall ist einer zu viel. Der Deutsche
Verkehrssicherheitsrat weist in seiner neuen Kampagne darauf hin, dass im
Schnitt 113 Menschen von einem Unfalltod betroffen sind. Unsere Zahlen
bestätigen uns deshalb darin, die Vision Zero weiter zu verfolgen. Unser Ziel
ist: keine tödlichen und schweren Unfälle mehr."

Berufskrankheiten: 22 Prozent mehr Anerkennungen
2016 registrierten Berufsgenossenschaften und Unfallkassen 75.491 Anzeigen auf
Verdacht einer Berufskrankheit (-1,9 Prozent). Die Unfallversicherungsträger
haben jedoch über das Jahr mehr Fälle bearbeitet als Anzeigen eingegangen sind:
Insgesamt wurden 2016 80.029 Feststellungsverfahren abgeschlossen, 5,2 Prozent
mehr als im Vorjahr. In 40.056 Fällen bestätigte* sich der Verdacht auf eine
Berufskrankheit. Das ist ein Plus von 7,8 Prozent. In 5.365 Fällen wurde eine
neue Rente bewilligt (+6,3 Prozent). In 20.539 aller Fälle wurde das Vorliegen
einer Berufskrankheit anerkannt*. Das sind 22,2 Prozent mehr Anerkennungen als
im Vorjahr. Einen wesentlichen Anteil an dieser Zunahme hat der weiße Hautkrebs
durch UV-Strahlung, der seit dem 1.1. 2015 auf der Berufskrankheitenliste
steht.

"Die Fälle von weißem Hautkrebs, die wir heute sehen, haben in der Regel eine
lange Vorgeschichte. Heute wissen wir, dass es so weit nicht kommen muss. Der
richtige Sonnenschutz hilft", so Dr. Breuer: "Vielen Menschen, die draußen
arbeiten, ist aber immer noch nicht bewusst, dass Sonnenstrahlen auch Krebs
verursachen können. Man sieht im Sommer noch zu häufig Arbeiter ohne Kopfschutz
und mit freiem Oberkörper. Unsere Aufgabe ist es deshalb, aufzuklären und
Unternehmer wie Beschäftigte für verschiedene Methoden des Sonnenschutzes zu
sensibilisieren."

2.451 Menschen starben 2016 infolge einer Berufskrankheit. Die Hauptursache
waren Erkrankungen durch anorganische Stäube, insbesondere Asbest.

Beitrag bleibt im Durchschnitt stabil
Das Umlagesoll der Berufsgenossenschaften ist 2016 um 3,1 Prozent auf 11,247
Mrd. Euro gestiegen, das der Unfallkassen der öffentlichen Hand um 3,8 Prozent
auf 1,482 Mrd. Euro. Trotzdem ist der durchschnittliche Beitragssatz zu den
Berufsgenossenschaften nochmals um 1,3 Prozent gesunken. Die Unternehmen der
gewerblichen Wirtschaft mussten 2016 im Durchschnitt nur 1,18 Prozent der
beitragspflichtigen Entgelte für die Versicherung gegen Arbeitsunfälle und
Berufskrankheiten zahlen. Gründe hierfür sind weiterhin die hohe Beschäftigung,
dadurch stieg auch das beitragspflichtige Entgelt in der gewerblichen
Wirtschaft.

Hintergrund: Anerkennung und Bestätigung
Verdachtsanzeigen auf eine Berufskrankheit können abgelehnt, anerkannt oder bestätigt werden. Wird eine Berufskrankheit bestätigt, ist zwar die berufliche Verursachung der Erkrankung
festgestellt, die besonderen versicherungsrechtlichen Voraussetzungen für die
Anerkennung als Berufskrankheit im juristischen Sinne sind jedoch nicht
erfüllt. Dabei kann es sich zum Beispiel bei Hauterkrankungen um die Aufgabe
der gefährdenden Tätigkeit handeln. Auch bei bestätigten Berufskrankheiten
erbringt die Unfallversicherung gegebenenfalls Leistungen zur Prävention oder
medizinischen Rehabilitation.

Weitere Informationen


AplusA-online.de - Quelle: Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung - DGUV