02.10.2018

Stress bekämpfen - wer weiß wie?

Seit Jahren nehmen psychische Belastungen im Beruf zu. Arbeitsverdichtung und
Zeitdruck machen krank, führen zu hohen Fehlzeiten und oft auch in die
Frührente. Digitale Technik eröffnet zwar neue Chancen, aber mit
gesundheitlichem Risiko: Wer stets online verfügbar ist, hat den Job immer
dabei. Im Rahmen eines BMBF-geförderten Vorhabens hat das Institut Arbeit und
Qualifikation (IAQ) der Universität Duisburg-Essen (UDE) untersucht, was
Führungskräfte, Arbeitsschutzexperten und Beschäftigte wissen, um Stress in der
Arbeit abzubauen.

Dafür haben die IAQ-Forscherinnen Dr. Anja Gerlmaier und Laura Geiger ein
"Stress-Quiz"* entwickelt. Damit wurde in verschiedenen Kooperationsunternehmen
aus der Metall- und Elektro-Industrie erfasst, was über die Wirkungen von
psychischer Belastung auf die Gesundheit bzw. die Produktivität bekannt ist.
Wie der aktuelle IAQ-Report zeigt, ist das Wissen "bei allen ausbaufähig ", so
Projektleiterin Dr. Anja Gerlmaier. "Insbesondere Führungskräfte haben
tendenziell nur wenig Ahnung von gesunder Arbeitsgestaltung", stellte Laura
Geiger fest.

Abgefragt wurden unter anderem die gesundheitlichen Folgen von regelmäßig
überlangen Arbeitszeiten (über 10 Stunden): 76% der Befragten kannten das
Risiko einer Frühverrentung, 40% wussten zudem, dass man eher dazu neigt,
Antidepressiva und Aufputschmittel zu nehmen. Dass sich die Gefahr, an Diabetes
zu erkranken, mehrfach erhöht, wussten hingegen nur 21% der Befragten. 10%
stimmten sogar der falschen Aussage zu, dass der Körper sich an überlange
Arbeitszeiten gewöhne. Beim Thema "chronischer Stress" kannten 92% das erhöhte
Herzinfarktrisiko, 48%, dass Rückenprobleme drohen. Nur 28% wussten dagegen,
dass dadurch Demenz im Alter befördert wird, und nur etwa jeder Zehnte (11%),
dass chronischer Stress die Wundheilung verzögern kann.



Dass Ausdauersport oder ein Spaziergang nach Feierabend zur Erholung beitragen
können, ist fast allgemein bekannt (88%), auch die Empfehlung, soziale Kontakte
zu pflegen und Freunde und Bekannte zu treffen (60%). Nur die Hälfte (49%)
wusste hingegen, dass auch ein Kurzschlaf von 10 bis 20 Minuten entspannen
kann. 19% der Befragten stimmten der Fehlannahme zu, dass fernsehen und sich
aufs Sofa legen ebenfalls der Erholung dienlich seien.



"Für die betriebliche Gesundheitsförderung reicht es nicht aus, Beschäftigte
auf die Gefahren von Stress aufmerksam zu machen und zu erwarten, dass sie
selbstachtsam sind", fordern die IAQ-Forscherinnen. "Vielmehr brauchen wir neue
Präventionskonzepte, die allen Wissen über eine gesundheitsgerechte Gestaltung
ihrer Arbeit vermitteln und ihnen aber auch Möglichkeiten eröffnen, Maßnahmen
umzusetzen."



Der IAQ-Report mit dem Titel "Produktionsarbeit in Zeiten von Industrie 4.0:
Was wissen Unternehmen und Beschäftigte über eine gesundheitsgerechte
Gestaltung von Arbeit?" kann kostenlos heruntergeladen werden. Im Report
befindet sich auch ein Link zum "Stress-Quiz".

Mehr Informationen


AplusA-online.de - Quelle: Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ)