Statement zum A+A Kongress 2019 von Bruno Zwingmann (Basi e. V.)

Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit, A+A (5.-8. November 2019)

Neueste Forschungsergebnisse zum sicheren und gesunden Arbeiten verbinden sich beim 36. Internationalen Kongress für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin 2019 vom 5.-8. November 2019 mit den Praxiserfahrungen der Akteurinnen und Akteure aus Betrieben und Verwaltungen.

Der A+A Kongress ist die zentrale Gemeinschaftsveranstaltung des Arbeitsschutzes in Deutschland – parallel zur A+A Fachmesse, dem Weltmarktplatz für Produkte und Dienstleistungen für persönlichen Schutz, betriebliche Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz. Expertinnen und Experten informieren dann über aktuelle Lösungen für die Herausforderungen durch neue Risiken in der „Arbeit 4.0“, aber auch neue Gestaltungschancen und tauschen sich mit Praktikerinnen und Praktikern aus.

Die Basi, Bundesarbeitsgemeinschaft für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit, erwartet mehr als 5.000 Kongressbesucher und -Besucherinnen im CCD Congress Center Düsseldorf Süd.
Rund 40 Veranstaltungsreihen bieten ein Forum für die Diskussion über aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse und praktische Erfahrungen sowie für einen intensiven Austausch von Politik und Wirtschaft.

Neue Formate wie „Praxis Interaktiv“ halten zusätzliche Möglichkeiten bereit, innovative Instrumente und Verfahren kennen zu lernen und mit Experten darüber ins Gespräch zu kommen. Oder die Veranstaltung „Fokus Professionen“ mit dem Thema „Kompetenzen für den Wandel“ für die verschiedenen Professionen der Prävention, aber auch Hochschullehrende. Extra beim Fokus Professionen dabei: der erste „Prevention Slam“ und die Prämierung von Beiträgen zum Thema „Gesunde Arbeit heißt für mich …“

Arbeiten 4.0 und die Herausforderungen der Digitalisierung

Die Digitalisierung von Tätigkeiten und Verfahren ("Industrie 4.0") schreitet voran - mit Auswirkungen auf das gesamte Gefüge der Arbeitswelt. Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) hat dazu schon in der vergangenen Legislaturperiode mit der Initiative „Arbeiten 4.0“ wichtige Impulse für die öffentliche Diskussion um Chancen und Risiken der Digitalisierung gesetzt. Mit diesen Themen befasst sich eine zentrale Veranstaltung beim
A+A Kongress 2019 am 5. November. Soviel ist klar: Weiterbildung spielt künftig eine noch größere Rolle, um Kompetenzen zu erhalten und auszubauen.

Erholt statt ständig erreichbar und erschöpft

Wer ständig erreichbar ist, fühlt sich oft nicht ausreichend erholt. Das zeigen aktuelle Ergebnisse im Bericht "Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit" (SuGA 2017), den die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) jährlich im Auftrag des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) erstellt. Bei der Arbeitszeitbefragung 2017 gibt mehr als jeder zweite Vollzeitbeschäftigte (56 Prozent) an, vollständig erholt die Arbeit aufzunehmen. Mehr als jeder vierte Befragte (28 Prozent) fühlt sich nur teilweise, etwa jeder sechste (16 Prozent) gar nicht erholt bei Arbeitsbeginn. Der Anteil der Erholten sinkt mit der Dauer der Arbeitszeit und der Menge der geleisteten Überstunden. Ebenso wirken sich versetzte Arbeitszeiten und regelmäßige Wochenendarbeit negativ aus. Wer erholt die Arbeit beginnt, berichtet über eine geringere körperliche und emotionale Erschöpfung. Wie sich die eigene Arbeitszeit zugunsten einer guten Work-Life-Balance und damit mehr Erholung beeinflussen lässt, das ist auch beim A+A Kongress 2019 Gegenstand der Diskussion.

Aktiv gegen Erkrankungen

Jüngste Zahlen der BAuA zeigen: Im Jahr 2017 war jeder Beschäftigte durchschnittlich 16,7 Tage arbeitsunfähig. Nach wie vor sorgen Muskel-Skelett-Erkrankungen (Anteil an Ausfalltagen: 22,5 Prozent) für die meisten Krankschreibungen. Auf Rang zwei folgen "Psychische und Verhaltensstörungen" mit 16 Prozent, während "Krankheiten des Atmungssystems" Ursache für etwa als jeden siebten Ausfalltag (13,9 Prozent) waren. In den Veranstaltungen des A+A Kongresses widmen sich die Experten praxiserprobten Lösungen, die vor allem ältere Belegschaften länger gesund erhalten sollen.

Praxis Interaktiv

Das 2017 erstmals erprobte Kongress-Format, „Praxis Interaktiv“ wird weiter ausgebaut. Dabei geht es zentral um Fragen der Beurteilung der Arbeitsbedingungen z. B. in Bezug auf Instrumente und Verfahren zur Beteiligung der Beschäftigten und zur Kooperation mit anderen betrieblichen Handlungsbereichen. Neue Konzepte für Arbeitsumweltbelastungen wie auch für Arbeitsstätten 4.0 oder für psychische Belastungen und Fragen der Gesundheit, der Integration und Inklusion werden diskutiert. Was benötigen die Akteurinnen und Akteure des Arbeits- und Gesundheitsschutzes für ihre täglichen Herausforderungen? Welche hilfreichen Neuigkeiten aus Forschung, Politik oder aktuell laufenden Projekten gibt es? Der Austausch zu diesen Themen steht im Mittelpunkt von „Praxis Interaktiv“ mit vier Veranstaltungen am 6./.7. November 2019.

Fokus Professionen

Gesundheit und Sicherheit bei der Arbeit stellen auch ein dynamisch wachsendes Beschäftigungsfeld dar. Die Basi nimmt deshalb die Professionen im Bereich von Prävention, Gesundheitsförderung, Integration und Inklusion in den Blick. Alle sind betroffen von der Leitfrage der Veranstaltung, welche „Kompetenzen für den Wandel“ benötigt werden. Was gilt für die eigene Profession? Wie entwickelt sich die Zusammenarbeit der Professionen untereinander?
Welche Herausforderungen bringt die Zukunft mit sich? Mit diesen Fragen befasst sich auch eine Basi-Umfrage, deren erste Ergebnisse auf dem A+A Kongress 2019 vorgestellt werden. Am 8. November 2019 steht der Schwerpunkt „Im Fokus: Professionen für Arbeit und Gesundheit – Ausbildung, Fortbildung und Zusammenarbeit“ auf dem Programm des Kongresses. Neben Fragen der Ausbildung und der Diskussion der jeweiligen Stärken der Professionen geht es dann um Kooperationsmöglichkeiten und –Notwendigkeiten. Angesprochen sind Professionals, Hochschullehrende und Studierende sowie Auszubildende. Sie erleben den ersten „Prevention Slam“. Dann gibt es unterhaltsame Vorträge vor großem Publikum – bei einem Slam gilt es wie in einem Wettbewerb, die Gunst der Zuhörer in einer vorgegebenen Zeit zu gewinnen. Beim Prevention Slam steigen Studierende aller Fachrichtungen, die sich mit Sicherheit und Gesundheit in der Arbeitswelt befassen, auf die Bühne. Sie teilen ihr Wissen zu den Themen Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz auf amüsante Weise mit den Zuschauern. Das Motto lautet „Gesunde Arbeit ist für mich...“

Die ganze Themenwelt der Prävention

Der A+A-Kongress 2019 bietet Veranstaltungen zu allen wichtigen Fragen von Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit, so zu den klassischen Themen wie Betriebs- und Maschinensicherheit, physikalische Einwirkungen, Gefahr- und Biostoffe, Staubminimierung beim Bauen, Muskel-Skelettbelastungen und Gewalt bei der Arbeit, aber auch nicht-visuelle Wirkungen von Licht, die zum Beispiel den Tag/Nacht-Rhythmus beeinflussen.
Über die Diskussion der Arbeit 4.0 hinaus werden innovative Assistenzsysteme in der Produktion zum Thema gemacht, „Exoskelette kontrovers“ werden mit ihren Chancen und Risiken für den Arbeitsschutz kritisch diskutiert. Ebenso werden Konzepte für mobiles Arbeiten, die Arbeitszeitgestaltung sowie eine sichere und gesunde Unternehmenskultur präsentiert.
Last but not least geht es um die Kooperation der Akteure - auf überbetrieblicher Ebene auf Grundlage des Präventionsgesetzes mit dem ersten nationalen Präventionsbericht und auf betrieblicher Ebene um Betriebs- und Personalräte im Arbeitsschutz mit neuen Handlungsansätzen in der Tarifpolitik z. B. zur Arbeitszeitflexibilisierung. Eine ganztägige Veranstaltung widmet sich den neuen Handlungsmöglichkeiten und der Rolle der Schwerbehindertenvertretungen in der Prävention.

Gute Arbeit weltweit

Teil des internationalen Programms des A+A-Kongresses 2019 sind nicht nur die Veranstaltungen „Arbeit 4.0“ und „Prävention 4.0“. In einer ganztägigen Veranstaltung zum Thema „Gute Arbeit weltweit“ geht es um Projekte in der Zusammenarbeit mit Bangladesch, Pakistan und weiteren Ländern zum Aufbau von Arbeitsschutzstrukturen und Arbeitsschutz Know-How. Geplant sind Beiträge des „Vision Zero Fund“ der Internationalen Arbeitsorganisation (IAO) wie auch der Internationalen Vereinigung für Soziale Sicherheit (IVSS) für die weltweit tätigen Vision Zero-Trainer. Zudem tagen die Netzwerke der Arbeitsschutzprofessionen auf europäischer Ebene mit der Europäischen Agentur für Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz und der EU-Kommission.

Schwerpunkte auf der A+A-Fachmesse

Im Bereich der internationalen Fachmesse der A+A lädt die Bundesarbeitsgemeinschaft für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit (Basi) wieder ihre Mitglieder und Partner ein, sich am Treffpunkt Sicherheit + Gesundheit in Halle 10 zu beteiligen. Erwartet werden rd. 100 Aussteller. In unmittelbarer Nähe gibt es die Ausstellungsbereiche WorkPlace Design/Ergonomie und Corporate Health/Gesundheit mit gemeinsamem Trendforum sowie das Trendforum Safety and Security in Halle 11. Hier werden neue Aussteller mit digitalen Lösungen und Produkten wie z. B. kollaborierende-Roboter und Exoskelette präsentiert, aber auch neue Konzepte für „alte“ Leiden z. B. Rückenschmerz, gesunde Ernährung wie auch modernste Ergonomie für Produktion und Büro.

Autoren-Hinweis: Bruno Zwingmann, Geschäftsführer der Bundesarbeitsgemeinschaft für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit (Basi e. V.), St. Augustin