28.11.2018

Sicheres Arbeiten auf Flachdächern - Ab- und Durchstürze wirkungsvoll vermeiden

Flachdächer werden sowohl im gewerblichen als auch im privaten Bereich
nicht nur für technische Einrichtungen, sondern auch für Solar- und Photovoltaik-
anlagen oder Begrünungen genutzt. Somit sind dort regelmäßig Arbeiten zur Inspektion
oder Wartung durchzuführen, bei denen es immer wieder auch zu schweren Unfällen
kommt. Im Jahr 2017 stand laut Statistik Arbeitsunfallgeschehen der Deutschen
Gesetzlichen Unfallversicherung rund ein Drittel der tödlichen Absturzunfälle in
Deutschland im Zusammenhang mit Arbeiten auf Dächern. Experten der Berufsgenossen-
schaft Holz und Metall (BGHM) informierten auf der Fachveranstaltung "Sichere
Instandhaltung auf Dächern" am 13. November in Dresden darüber, wie Ab- und Durch-
stürze von Flachdächern wirksam vermieden werden können. Stephan Mrosek, Experte
für hochgelegene Arbeitsplätze bei der BGHM und Moderator der Fachveranstaltung,
erklärt im Interview, was beim Arbeiten auf Dächern zu beachten ist.

Herr Mrosek, was sind die Besonderheiten beim Arbeiten auf Flachdächern?
Stephan Mrosek: Wie bei Dächern generell, geht es auch beim Arbeiten auf
Flachdächern vor allem darum, dass die dort tätigen Personen einen sicheren
Zugang zum Dach, einen sicheren Weg auf dem Dach und einen sicheren Arbeitsplatz
haben. Eine Besonderheit von Flachdächern stellt die Gefahr eines Durchsturzes durch
das Dach dar, da diese häufiger begangen werden als stärker geneigte Dächer und
es dort Bauteile gibt, die nicht durchtrittsicher sind. Von Flachdächern wird
übrigens immer dann gesprochen, wenn der Neigungswinkel des Daches 22,5 Grad nicht
überschreitet.

Was sind die häufigsten Unfälle beim Arbeiten auf Flachdächern?
Ein Unfallschwerpunkt sind Durchstürze durch nicht tragfähige Bauteile des
Daches wie Faserzement-Wellplatten oder Stürze durch Lichtkuppeln und -platten
aus Kunststoffen. Aber auch Abstürze vom Rand des Daches gehören definitv dazu.
Die Folge sind oft schwere, teilweise auch tödliche Verletzungen, die mit einem
langen Leidensweg für die Versicherten und deren Angehörige verbunden sind.

Welche Sicherungsmöglichkeiten gibt es und welche sind besonders geeignet?
Ideal sind Geländer oder ausreichend hohe Brüstungen, die die Beschäftigten von
den verschiedenen Absturzbereichen fernhalten. Für Lichtkuppeln und Lichtbänder
eignen sich auch vollflächige Überdeckungen, die als Gitter oder gelochte
Bleche auf diesen Bauteilen installiert sind. Eine weitere Lösung sind Metallgitter,
die in die Dachöffnungen montiert werden, sogenannte Unterspannungen. Somit ist
neben der Absturzsicherung vom Dachrand auch ein Schutz gegen Durchsturz durch
nichttragfähige Bauteile möglich.

Wie können sich Beschäftigte beim Arbeiten auf Dächern außerdem schützen?
Lassen sich solche technischen bzw. baulichen Schutzmaßnahmen nicht umsetzen,
kann im Einzelfall auch Persönliche Schutzausrüstung gegen Absturz verwendet
werden. Dies bedeutet jedoch einen erheblichen organisatorischen Mehraufwand.
Dabei werden zwei Systeme unterschieden: Rückhalte- und Auffangsysteme.
Rückhaltesysteme lassen durch eine begrenzte Seillänge nur ein Herantreten bis
an die Absturzkante zu. Sie sind einem Auffangsystem, bei dem unter anderem ein
funktionierendes Rettungskonzept vorhanden sein muss, vorzuziehen.

Mehr Informationen zu den Themen Absturz und Absturzvermeidung


AplusA-online.de - Quelle: Berufsgenossenschaft Holz und Metall (BGHM)