15.10.2018

Pflicht und Kür im Arbeitsschutz

Arbeitsschutz im Betrieb rechtssicher zu organisieren, ist eine
unternehmerische Pflicht. Wer darüber hinaus die Kür beherrscht, macht
Sicherheit und Gesundheit zur gemeinsamen Sache der Belegschaft. Wie vielfältig
Betriebe von einer solchen Präventionskultur profitieren, zeigt die Kampagne
kommmitmensch der Berufsgenossenschaften und Unfallkassen.

"Es gibt strikte Anweisungen", erklärt Florian von Tschammer, der gemeinsam mit
Boris Breiding erfolgreich eine Tischlerei führt. Alle Beschäftigten der
"Elbtischlerei" wissen beispielsweise, wann sie Gehörschutz tragen müssen - so
wie es das Arbeitsschutzgesetz vorsieht. Auch gibt es im Betrieb wie gesetzlich
vorgeschrieben eine Gefährdungsbeurteilung, aus der sich die
betriebsspezifischen Schutzmaßnahmen gegen Arbeitsunfälle und berufsbedingte
Erkrankungen ergeben.

Arbeitsteilung im Arbeitsschutz
Die Geschäftsführer können sich natürlich nicht um alles selbst kümmern.
Regelmäßig lassen sie ihren Betrieb sicherheitstechnisch und arbeitsmedizinisch
beraten. Im Alltag haben zudem zuverlässige Kolleginnen und Kollegen als
Sicherheitsbeauftragte vor Ort ein Auge auf die Arbeitssicherheit. Regelmäßig
kommen die in- und externen Fachleute als Arbeitsschutzausschuss zusammen, um
sich über Fragen der Sicherheit und Gesundheit auszutauschen. Und falls sich
doch ein Unfall ereignet, wissen die "Elbtischler", was in Sachen Erster Hilfe
zu tun ist. Mit alledem ist der Betrieb rechtlich auf der sicheren Seite.

Arbeitsschutz kann mehr als Rechtssicherheit
Soweit die Pflicht. Wie die Kür aussehen kann, beschreiben die Tischler als
Botschafter der Kampagne kommmitmensch: "Das soziale Miteinander ist ein
Schlüssel für den Erfolg des Betriebs", erklärt "kommmitmensch" Breiding die
hauseigene Präventionskultur. "Zufriedene Beschäftigte schaffen zufriedene
Kunden." Sie tun viel für das Betriebsklima und engagieren sich gemeinsam für
ehrenamtliche Projekte - das schweißt zusammen.


Sowohl in gewerblichen als auch öffentlichen Bereichen geht es immer mehr
darum, Beschäftigte zu gewinnen und zu halten. So setzt Sandro Zehner,
Bürgermeister der Stadt Taunusstein, alle Hebel in Bewegung, um sich als
attraktiver Arbeitgeber zu positionieren. Ansonsten könne er schon bald den
Pflichten der Stadt nicht mehr nachkommen - zu viele Mitarbeiterinnen und
Mitarbeiter gehen altersbedingt in Ruhestand. Sicherheit und Gesundheit bei der
Arbeit sind für ihn wirksame Hebel, um sein Team zukunftsfähig aufzustellen und
Wertschätzung zu zeigen. Die Frage, worauf es dabei ankommt, beantworten die
Beschäftigten immer häufiger selbst. Denn Sandro Zehner sorgt in seinem Amt auf
vielfältige Art für Beteiligung - und engagiert sich in der Kampagne als
kommmitmensch.

Präventionskultur macht den Unterschied
Eine Gemeinsamkeit zeichnet diese Beispiele aus: Das Denken und Handeln der
vorgestellten Betriebe ist durch eine Kultur der Prävention geprägt. Dabei geht
es nicht darum, alles neu zu erfinden. Die langfristig angelegte Kampagne der
Berufsgenossenschaften und Unfallkassen zielt darauf ab, gute betriebliche
Praxis zu stärken und die Chancen aufzuzeigen, die in einer proaktiven
Präventionskultur stecken. Denn wer die Kür beherrscht, meistert auch
zukünftige Herausforderungen.
Die entscheidenden Handlungsfelder einer Präventionskultur:


  • Führung

  • Kommunikation

  • Beteiligung

  • Fehlerkultur

  • Betriebsklima

  • Sicherheit und Gesundheit.




Mehr Informationen auf www.kommmitmensch.de

Hintergrund "kommmitmensch"
kommmitmensch ist die bundesweite Präventionskampagne von
Berufsgenossenschaften, Unfallkassen und ihrem Spitzenverband Deutsche
Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV). Hintergrund ist, dass die Zahl der
Arbeitsunfälle in den vergangenen Jahren nicht mehr deutlich gesunken ist. Um
dem Ziel der Vision Zero, einer Welt ohne Arbeitsunfälle und arbeitsbedingte
Erkrankungen, weiternäherzukommen, brauchen wir einen ganzheitlichen Ansatz:
kommmitmensch unterstützt Unternehmen und Bildungseinrichtungen dabei, eine
Präventionskultur zu entwickeln, in der Sicherheit und Gesundheit Grundlage
allen Handelns sind.

Wichtige Gesetze und Verordnungen im Arbeitsschutz
Das Arbeitsschutzgesetz regelt: Wer ein Unternehmen oder eine Verwaltung führt,
ist zur Gefährdungsbeurteilung verpflichtet. Es regelt auch Unterweisungen und
arbeitsmedizinische Vorsorge.


  • Das Arbeitssicherheitsgesetz verpflichtet zur betriebsärztlichen und

  • sicherheitstechnischen Betreuung, die in der DGUV Vorschrift 2 konkretisiert

  • wird.

  • Die DGUV Vorschrift 1 regelt unter anderem die Bestellung von

  • Sicherheitsbeauftragten sowie die Pflicht, Beschäftigte als Ersthelferinnen und

  • Ersthelfer ausbilden zu lassen.

  • Die Arbeitsstättenverordnung macht Vorgaben zur Gestaltung von Arbeitsplätzen

  • und deren Umgebung.

  • Die Betriebssicherheitsverordnung trifft Regeln zur sicheren und gesunden

  • Verwendung von Arbeitsmitteln.

  • Über branchen- und tätigkeitsspezifische Regelungen bieten die zuständigen

  • Berufsgenossenschaften und Unfallkassen wertvolle Informationen.



Mehr Informationen auf www.kommmitmensch.de


AplusA-online.de - Quelle: Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) e.V.