07.12.2018

Ordentliche Arbeitsplätze sind sicherer

Wie wirkt sich äußeres Chaos auf das Verhalten und die
innere Einstellung von Menschen aus? Prof. Hiltraut Paridon, Psychologin an
der Hochschule für Gesundheit in Gera, berichtet von einer wissenschaftlichen
Studie, dass ein chaotisches Umfeld vermutlich unkontrollierte bzw. maßlosere
Verhaltensweisen begünstigt. Ihre These überträgt sie auf das Feld der Arbeits-
sicherheit und konstatiert: "Wir müssen eine gesunde und sichere Arbeitsumgebung
schaffen, um die Arbeitssicherheit in Unternehmen zu verbessern."

Auf einer Tagung der BG ETEM hat Prof. Hiltraut Paridon Fach- und Führungskräften
die Augen geöffnet. Sie entwarf zwei Bilder: Eine unordentliche, chaotische
Küche mit dreckigem Geschirr in der Spüle und kontrastierend eine saubere,
ordentliche und übersichtliche Küche. In jeder Küche befindet sich eine Schale
mit Karotten und eine mit Keksen. Doch, in welcher Küche greifen die Menschen zu
welcher Schüssel?

"In der schlampigen Küche bedienten sich die Probanden deutlich ausgiebiger an
der Keksschale als in der ordentlichen; sie aßen etwa doppelt so viele der
Kalorienbomben - vor allem wenn sie sich zusätzlich an eine Situation
erinnerten, in der sie sich bereits einmal unkontrolliert verhalten haben",
erklärt Paridon und schließt an mit einer Erklärung für das Verhalten der
Test-Teilnehmer: "Das chaotische Umfeld löst vermutlich die innere Einstellung
aus: ,Alles scheint hier außer Kontrolle - warum sollte ich mich nicht auch
gehen lassen?‘"

Genau hier setzt Paridon an und nimmt Bezug auf Analysen des britischen
Gesundheitsexperten Sir Michael Marmot. Dieser kommt zu dem Schluss, es sei
"unsinnig" zu erwarten, "dass Menschen ihr Verhalten ändern, wenn die soziale,
kulturelle und physische Umgebung dagegenspricht". Doch wie kann man, übertragen
auf das Thema Arbeitssicherheit, Menschen bzw. Arbeitnehmer nun zu einer
Verhaltensänderung, d. h. weg von falschem hin zu richtigem Verhalten bewegen?

Ein Ansatzpunkt für richtiges Verhalten beschreibt die auch als Arbeitspsychologin
bekannte Wissenschaftlerin die von den amerikanischen Psychologen Edwin Locke
und Gary Latham entwickelte "Zielsetzungstheorie". Danach wirken sich konkrete
Zielfaktoren direkt auf die Arbeitsleistung aus. Diese sei umso besser, je klarer
und schwieriger, aber dennoch erreichbar ein Ziel formuliert ist und je mehr sich
ein Mitarbeiter auch persönlich an dieses Ziel gebunden fühlt.

Ziele müssen also klar und konkret formuliert werden. Nicht: "Ich will weniger
Zeit mit dem Smartphone verbringen", sondern "In den nächsten vier Wochen will ich
jeden Dienstag und Donnerstag zwischen 20 und 22 Uhr mein Smartphone ausschalten."

Fazit: Eine Verhaltensänderung im Arbeitsleben wird laut Paridon nur funktionieren,
"wenn wir die Umgebung mitgestalten können, die Konsequenzen unseres Verhaltens
beachten und gestalten, die vom Unternehmen vorgegebenen Ziele anregend und
zugleich erreichbar sind und es für unterschiedliche Gruppen auch unterschiedliche
Maßnahmen gibt". Eigentlich ganz einfach …

Wie Prof. Hiltraut Paridon zu ihren interessanten und innovativen Resultaten kommt,
ist ausführlich in der aktuellen Ausgabe von etem 04.2018 - Magazin für Prävention,
Rehabilitation und Entschädigung der Berufsgenossenschaft Energie Textil Elektro
Medienerzeugnisse (BG ETEM) nachzulesen.

Zur aktuellen Ausgabe von etem 04.2018


AplusA-online.de - Quelle: Berufsgenossenschaft Energie Textil Elektro Medienerzeugnisse (BG ETEM)