20.09.2018

Ordentliche Arbeitsplätze sind sicherer

Wie wirkt sich äußeres Chaos auf das Verhalten und die innere
Einstellung von Menschen aus? Prof. Hiltraut Paridon, Psychologin an der Hochschule
für Gesundheit in Gera, berichtet von einer wissenschaftlichen Studie, dass ein
chaotisches Umfeld vermutlich unkontrollierte bzw. maßlosere Verhaltensweisen
begünstigt. Ihre These überträgt sie auf das Feld der Arbeitssicherheit und
konstatiert: "Wir müssen eine gesunde und sichere Arbeitsumgebung schaffen, um die
Arbeitssicherheit in Unternehmen zu verbessern." Wie sie zu ihren interessanten
und innovativen Resultaten kommt, ist ausführlich in dern aktuellen Ausgabe von
etem 04.2018 - Magazin für Prävention, Rehabilitation und Entschädigung der
Berufsgenossenschaft Energie Textil Elektro Medienerzeugnisse (BG ETEM) nachzulesen.

Auf einer Tagung der BG ETEM hat Prof. Hiltraut Paridon Fach- und Führungskräften
die Augen geöffnet. Sie entwarf zwei Bilder: Eine unordentliche, chaotische Küche
mit dreckigem Geschirr in der Spüle und kontrastierend eine saubere, ordentliche
und übersichtliche Küche. In jeder Küche befindet sich eine Schale mit Karotten
und eine mit Keksen. Doch, in nwelcher Küche greifen die Menschen zu welcher
Schüssel?

"In der schlampigen Küche bedienten sich die Probanden deutlich ausgiebiger an
der Keksschale als in der ordentlichen; sie aßen etwa doppelt so viele der
Kalorienbomben - vor allem wenn sie sich zusätzlich an eine Situation
erinnerten, in der sie sich bereits einmal unkontrolliert verhalten haben",
erklärt Paridon und schließt an mit einer Erklärung für das Verhalten der
Test-Teilnehmer: "Das chaotische Umfeld löst vermutlich die innere Einstellung
aus: ,Alles scheint hier außer Kontrolle - warum sollte ich mich nicht auch
gehen lassen?‘"

Genau hier setzt Paridon an und nimmt Bezug auf Analysen des britischen
Gesundheitsexperten Sir Michael Marmot. Dieser kommt zu dem Schluss, es sei
"unsinnig" zu erwarten, "dass Menschen ihr Verhalten ändern, wenn die soziale,
kulturelle und physische Umgebung dagegenspricht". Doch wie kann man,
übertragen auf das Thema Arbeitssicherheit, Menschen bzw. Arbeitnehmer nun zu
einer Verhaltensänderung, d. h. weg von falschem hin zu richtigem Verhalten
bewegen?

Ein Ansatzpunkt für richtiges Verhalten beschreibt die auch als Arbeitspsychologin
bekannte Wissenschaftlerin die von den amerikanischen Psychologen Edwin Locke
und Gary Latham entwickelte "Zielsetzungstheorie". Danach wirken sich konkrete
Zielfaktoren direkt auf die Arbeitsleistung aus. Diese sei umso besser, je klarer
und schwieriger, aber dennoch erreichbar ein Ziel formuliert ist und je mehr sich
ein Mitarbeiter auch persönlich an dieses Ziel gebunden fühlt.

Ziele müssen also klar und konkret formuliert werden. Nicht: "Ich will weniger
Zeit mit dem Smartphone verbringen", sondern "In den nächsten vier Wochen will
ich jeden Dienstag und Donnerstag zwischen 20 und 22 Uhr mein Smartphone
ausschalten."

Fazit: Eine Verhaltensänderung im Arbeitsleben wird laut Paridon nur
funktionieren, "wenn wir die Umgebung mitgestalten können, die Konsequenzen
unseres Verhaltens beachten und gestalten, die vom Unternehmen vorgegebenen
Ziele anregend und zugleich erreichbar sind und es für unterschiedliche Gruppen
auch unterschiedliche Maßnahmen gibt". Eigentlich ganz einfach …

Zum Artikel im Magazin "bgetem"


AplusA-online.de - Quelle: Berufsgenossenschaft Energie Textil Elektro Medienerzeugnisse - BG ETEM