05.09.2017

New Work? Fehlanzeige!

Mitarbeiter und Führungskräfte halten ihr Unternehmen für überdurchschnittlich
agil, arbeiten aber selbst kaum mit neuen Methoden. Wie kommt dieser
Widerspruch zustande?

Neue Arbeitsweisen und Strukturen kommen in den Unternehmen noch nicht
flächendeckend zum Einsatz, auch wenn New Work längst als Begriff für eine neue
Arbeitswelt gesetzt ist. Zu diesem Ergebnis kommt das aktuelle
Agilitätsbarometer, das sich auf Fragestellungen rund um agile Methoden,
Prozesse und Führungsmodelle als zentrales Element der neuen Arbeitswelt
konzentriert. Die repräsentative Online-Umfrage führte Haufe zusammen mit
Promerit und unter wissenschaftlicher Begleitung von Heiko Weckmüller,
Professor an der FOM Hochschule für Oekonomie und Management, in diesem Jahr
zum zweiten Mal durch. 1.000 Führungskräfte und 1.800 Angestellte deutscher,
österreichischer und Schweizer Unternehmen mit mehr als 100 Mitarbeitern wurden
befragt.

Ist New Work mehr Schein als Sein? Neun von zehn Mitarbeitern arbeiten nach wie
vor sehr klassisch, agile Methoden werden fast gar nicht genutzt. Etwas besser,
wenngleich immer noch verhalten, sieht es bei den Führungskräften aus: In
dieser Befragungsgruppe gaben drei von zehn Umfrageteilnehmern an, agile
Methoden zu nutzen. Diese Ergebnisse verwundern insofern nicht, als dass der
Bekanntheitsgrad agiler Methoden insbesondere bei Mitarbeitern, aber auch bei
Führungskräften, noch ausbaufähig ist: So haben nur 18 Prozent der befragten
Mitarbeiter und 42 Prozent der Führungskräfte bereits von Scrum gehört.
Gleiches Bild zeigt sich bei den anderen abgefragten Methoden Design Thinking,
Swarming, Holacracy und Fluide Struktur.

"In unserer täglichen Arbeit sprechen wir zwar oft mit Unternehmen, die agile
Arbeitsmethoden bereits kennen und durchaus auch einsetzen. Dazu benötigt es
allerdings eine entsprechende Unternehmenskultur. Hier herrscht bei vielen
Firmen offensichtlich noch Aufholbedarf", ordnet Joachim Rotzinger,
Geschäftsführer von Haufe, die Ergebnisse ein.

Widerspruch zwischen Anspruch und Realität
Sowohl die Mehrheit der Mitarbeiter (59 Prozent) als auch der Führungskräfte
(70 Prozent) ist der Meinung, dass ihr Unternehmen im Vergleich zum Wettbewerb
überdurchschnittlich agil sei. Dies überrascht nicht nur vor dem Hintergrund
der geringen Nutzung agiler Methoden sowohl auf Seiten der Mitarbeiter als auch
der Führungskräfte. Jeder zweite Mitarbeiter gab zudem an, dass keine Maßnahmen
zur Steigerung der Agilität in seinem Unternehmen umgesetzt werden.

Nutzen steht außer Frage
Die Nutzung agiler Methoden scheitert allerdings nicht an der Einstellung der
Mitarbeiter und Führungskräfte zu Agilität, denn beide Befragungsgruppen sind
von deren Nutzen überzeugt: Die Mehrheit der Umfrageteilnehmer ist der Meinung,
dass die Effizienz und Effektivität der Arbeit durch die Nutzung agiler
Methoden und Strukturen verbessert wird. Zudem halten 47 Prozent der
Mitarbeiter und 64 Prozent der Führungskräfte die Einführung bzw. Ausweitung
von agilen Strukturen oder Methoden in ihrem Unternehmen für sinnvoll.
Insbesondere schnellere Reaktionen auf veränderte Marktbedingungen, eine
bessere Qualität der Ergebnisse sowie eine höhere Innovationskraft werden als
Vorteile von Agilität genannt.

Bewusstsein für Agilität schärfen
Die Studienergebnisse zeigen deutlich, dass es bei vielen Unternehmen noch eine
große Kluft zwischen Wunsch und Wirklichkeit in Hinblick auf agiles Arbeiten
gibt. Der Begriff Agilität wird noch recht weit ausgelegt. So ist zum Beispiel
die am häufigsten genannte Maßnahme zur Steigerung der Agilität nach wie vor
die individuelle Gestaltung von Arbeitszeit und -ort. "Agilität ist jedoch mehr
als flexible Arbeitsmodelle. Unternehmen müssen das Bewusstsein für agile
Methoden noch viel stärker schärfen, wenn sie die Transformation in die neue
Arbeitswelt erfolgreich gestalten möchten. Dazu braucht es vor allem einen
kulturellen Wandel", erläutert Rotzinger die Dimension der Einführung von
agilen Strukturen.

Haufe Agilitätsbarometer
Die Studienergebnisse stehen unter dem Link unten kostenlos zum Download zur
Verfügung.

Zum Download Agilitätsbarometer


AplusA-online.de - Quelle: Haufe