05.09.2017

Neun Nominierungen für den Deutschen Arbeitsschutzpreis 2017

Die Finalisten für den Deutschen Arbeitsschutzpreis 2017 stehen fest. 123
Bewerbungen wurden geprüft, neun davon sind nun nominiert. Gesucht waren
innovative Umsetzungen oder Konzepte für mehr Gesundheit und Sicherheit am
Arbeitsplatz. Wer die Finalisten sind, verkündeten heute die Veranstalter des
Preises, das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS), der
Länderausschuss für Arbeitsschutz und Sicherheitstechnik (LASI) und die
Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV), der Spitzenverband der
Berufsgenossenschaften und Unfallkassen.

Betriebliches Gesundheitsmanagement sowie Arbeitsschutz und Arbeitssicherheit
spielen eine immer größere Rolle in deutschen Unternehmen. Mit kreativen Ideen
und innovativen Sicherheitssystemen setzen sie sich daher für einen erhöhten
Arbeitsschutz ein. Ihr Ziel: die Reduktion von Folgeerkrankungen und Unfällen
am Arbeitsplatz. Die besten Konzepte zeichnet der Deutsche Arbeitsschutzpreis
aus. Das soll andere Firmen dazu anregen, ebenfalls Initiativen für die
Sicherheit ihrer Mitarbeiter zu ergreifen. Zur Ehrung und als Ansporn für
zukünftiges Engagement erhalten die Gewinner ein Preisgeld von 40.000 Euro.

Alle zwei Jahre dürfen sich in den Kategorien organisatorische und technische
Lösungen alle kleinen und mittleren Betriebe (1 bis 249 Mitarbeiter) sowie alle
großen Unternehmen (ab 250 Mitarbeiter) auf den Preis bewerben. Ebenso sind
Einzelpersonen, Vereine, Schulen und Non-Profit-Organisationen dazu eingeladen,
clevere Ideen und Konzepte einzureichen. Die unabhängige Jury setzt sich aus
Fachleuten aus den Bereichen Wirtschaft, Politik, Verbänden und Wissenschaft
zusammen. In diesem Jahr nominierten die Experten insgesamt neun Bewerber für
den Deutschen Arbeitsschutzpreis 2017. Die Nominierten dürfen darauf hoffen, zu
einem der vier Gewinner gekürt zu werden. Die Finalisten im Überblick:

Kategorie technische Lösungen, kleine und mittelständische Unternehmen:


Das Unternehmen MATETEC am Standort Tangerhütte in Sachsen-Anhalt entwickelte
eine maschinengeführte Schneidvorrichtung zum Wasserstrahlschneiden, die bei
der Zerkleinerung von Rotorblättern von Windenergieanlagen zum Einsatz kommt.
Die neue Technik bewahrt die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor
Muskel-Skelett-Erkrankungen und schweren Verletzungen wie dem Einschießen von
Wasser unter die Haut oder sogar der Abtrennung von Körperteilen.


Die Zipko GbR aus Leverkusen konstruierte ein System, das Ungenauigkeiten und
Stolperkanten beim Gerüstbau vorbeugt. Die Zipko GbR kombiniert hierfür
Belagtraversen und Panzerbelagsicherungen. Das ermöglicht, Gerüstbeläge
rechtwinklig zu verbinden. Die Beläge schließen nun ohne Stolperkanten in
gleicher Höhe aneinander an.

Kategorie technische Lösungen, Großunternehmen:


Die Eurovia Teerbau GmbH aus Bottrop, die sich mit dem Bau von Verkehrswegen in
Planung und Durchführung beschäftigt, entwickelte einen speziellen Aufsatz für
handelsübliche Bohrhämmer. Die Konstruktion erleichtert den Beschäftigten die
Arbeit beim täglichen Einschlagen von Schnurnägeln. Sowohl der Kraftaufwand als
auch die Verletzungsgefahr werden hierdurch minimiert - die Lösung kommt also
auf direktem Wege dem Muskel-Skelett-System zugute.


Die Lloyd Shoes GmbH in Sulingen entwickelte das "Staubsauger Trägerfahrzeug",
das für das Aussaugen der Stromschienen des Regalbediengerätes der Firma sorgt.
Zuvor mussten die Beschäftigten die rund 300 Meter langen Stromschienen kniend
und in gebückter Haltung von Hand aussaugen. Durch das Trägerfahrzeug können
sie dies nun in aufrechter Haltung tun. Dabei sparen sie über Dreiviertel der
vorherigen Arbeitszeit ein und das Risiko, Muskel-Skelett-Schäden zu erleiden,
sinkt.


Die RAG Anthrazit Ibbenbüren GmbH verminderte mit ihrer Entwicklung einer
Fräserschutzkappe die Verletzungsgefahr im Steinkohle-Bergbau. Die scharfen
Fräswerkzeuge bilden ein großes Risiko für Schnittverletzungen und
anschließende Infektionen durch die benötigte Kühlflüssigkeit. Mit einer
Schutzkappe, die mithilfe von Magneten an den Fräsgeräten befestigt ist, lassen
sich diese Verletzungen verhindern.

Kategorie organisatorische Lösungen, kleine und mittelständische Unternehmen:


Die L. Scheidtmann GmbH aus dem Bereich Garten-, Landschafts- und Straßenbau in
Marl entwickelte ein "Betriebliches Gesundheitsmanagement (Schwerpunkt MSE)".
Das Programm umfasst Maßnahmen wie gemeinsame Bewegungskurse nach Dienstschluss
sowie Gesundheitstage und Erste-Hilfe-Kurse. Somit schenken die Beschäftigten
dem Thema Gesundheit im Beruf, aber auch in der Freizeit mehr Aufmerksamkeit.


Die OPTERRA Zement GmbH aus Walzbachtal-Wössingen setzt sich in ihrem
Unternehmen mit gleich zwei Projekten für mehr Sicherheit ein: mit der
"Einrichtung einer Sicherheitszentrale beim Winterstillstand in einem
Zementwerk" und dem "Gruppensperrkasten für komplexes LOTOTO an der MC-Fluff
Anlage". Ersteres richtet sich an Beschäftigte von Fremdfirmen, die für die
Reinigung und Instandhaltung der Anlage einmal im Jahr für mehrere Wochen auf
dem Betriebsgelände tätig sind. Die Mitarbeiter werden vorab geschult und
müssen einen Sicherheitstest ablegen. Mehrere Koordinatoren des Unternehmens
organisieren und überwachen den Einsatz der verschiedenen Fremdfirmen auf dem
Werksgelände. Das zweite Projekt sorgt anhand von Schaubildern und anderen
visuellen Unterstützungen für die übersichtlichere Sicherung der verschiedenen
Anlagenbereiche, die während der Wartungs- und Instandhaltungsarbeiten
gewährleistet sein muss. So können alle im Unternehmen Tätigen leicht
kontrollieren, ob alle Anlagenteile gesichert sind.

Kategorie organisatorische Lösungen, Großunternehmen:


Die RAG Aktiengesellschaft aus Herne, deren Aufgabenbereich im
Steinkohlebergbau liegt, sensibilisiert mit ihrer "Unternehmensweiten
Arbeitsschutzkampagne 2016 - 2018" die Beschäftigten des Konzerns für Arbeits-,
Gesundheits- und Umweltschutz. Unter dem Titel "SICHERHEIT! Denk daran bevor du
loslegst" fördert das Unternehmen die Achtsamkeit im Betrieb. Bei der gesamten
Entwicklung und Durchführung der Kampagne werden die Mitarbeiterinnen und
Mitarbeiter einbezogen und so persönlich in das Thema Arbeitsschutz involviert.


Die Voith GmbH am Standort Heidenheim an der Brenz verfolgt mit ihrer
Entwicklung "eVAP: Die branchenübergreifende App zur Prävention von Unfällen"
ein ehrgeiziges Ziel: konzernweit null Unfälle zu erreichen. Mit der App lassen
sich Arbeitsunfälle und Gefahrensituationen direkt an die Geschäftsleitung
melden. Das Ziel: eine schnellstmögliche Beseitigung von Gefahrenstellen. Durch
die anschließend weltweite Evaluierung der Meldungen verbessert sich das
Sicherheitssystem global in allen Niederlassungen der Voith GmbH. Außerdem
steht der Arbeitsschutz des Unternehmens unter ständiger Verbesserung: das
Programm basiert zusätzlich auf Feedback zwischen verschiedenen Abteilungen,
die alle zwei Monate gegenseitig ihre Sicherheitssysteme bewerten.

Am 17. Oktober 2017 werden die vier Preisträger des Deutschen
Arbeitsschutzpreises im Rahmen der Messe A+A, dem weltweit größten Fachforum
für Arbeitsschutz und Arbeitssicherheit, in Düsseldorf verkündet.

Weitere Informationen zum Arbeitsschutzpreis


AplusA-online.de - Quelle: Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS)