08.11.2017

Neues Web-Tool erleichtert die ärztliche Verdachtsanzeige einer Berufskrankheit

Könnte es sich bei der Erkrankung eines Patienten auch um
eine Berufskrankheit handeln? Diese Frage können Ärztinnen und Ärzte jetzt
mit Hilfe eines neuen digitalen Nachschlagwerks der Deutschen Gesetzlichen
Unfallversicherung (DGUV) einfach überprüfen. Das "BK-Info"-Portal hält nicht nur
umfassende Informationen rund um das Thema Berufskrankheit bereit. Eine Suchfunktion
ermöglicht es, anhand des ICD-10-Schlüssels schnell zu recherchieren, welche
Berufskrankheiten (BK) für die jeweilige Diagnose in Betracht kommen. Ärztinnen
und Ärzte können somit vereinfacht herausfinden, ob ein Verdacht auf eine BK
vorliegt oder nicht.

Ärztinnen und Ärzte haben nach § 202 des SGB VII die Pflicht, den begründeten
Verdacht auf eine BK mitzuteilen. Die Unfallversicherungsträger sollen jede
Krankheit überprüfen können, bei der ein solcher Verdacht besteht. Bislang
standen dafür als Hilfestellung die Merkblätter des Ärztlichen
Sachverständigenbeirats Berufskrankheiten der Bundesregierung (ÄSVB) zur
Verfügung. Dieser wird aber selbst keine neuen Merkblätter mehr erstellen und
auch den Bestand nicht weiter aktualisieren. Deswegen hat die Bundesregierung
die DGUV beauftragt, ein entsprechendes Tool zu erarbeiten.

"Durch das BK-Info Portal erleichtern wir nun den medizinischen Fachkräften,
die Verdachtsanzeige einer Berufskrankheit zu erstellen. Mit nur wenigen Clicks
liegen alle notwendigen Informationen vor. Der begründete Verdacht kann somit
ohne großen Aufwand an die Unfallversicherungsträger weitergeleitet werden",
erklärt Fred-Dieter Zagrodnik, Referent für Berufskrankheiten der DGUV.

Neben allgemeinen Informationen über BKen und die Verdachtsanzeige bietet das
Portal auch spezifische Informationen für verschiedene medizinische Fachgebiete
an. "Das Herzstück der Seite ist allerdings die Suchfunktion. Gibt der
behandelnde Arzt dort den Diagnoseschlüssel ein, erhält er gleich zwei
Hilfestellungen: Zum einen erfährt er, mit welcher Berufskrankheit die Diagnose
in Verbindung stehen könnte. Zum anderen gibt es Leitfragen, anhand derer sich
im Gespräch mit dem Patienten oder der Patientin schnell feststellen lässt, ob
der- oder diejenige einem Gefahrstoff oder einer schädigenden Einwirkung bei
der Arbeit ausgesetzt war."

Die frühzeitige Anzeige eines ärztlich begründeten Verdachts auf das Vorliegen
einer BK liegt vor allem im Interesse der versicherten Person. Je früher der
Unfallversicherungsträger von einem solchen Verdacht erfährt, desto eher kann
geprüft werden, ob und in welchem Umfang Anspruch auf Leistungen aus der
gesetzlichen Unfallversicherung besteht. Außerdem können dann auch schon in
frühen Erkrankungsstadien präventive Maßnahmen ergriffen werden.

Das Portal wird in mehreren Schritten ausgebaut. Zurzeit sind bereits alle
Diagnoseschlüssel des ICD-10 Codes hinterlegt. Informationen dazu, welche
dieser Diagnosen im Einzelnen nach welchen Einwirkungen eine BK sein können,
liegen jedoch derzeit nur für die Muskel-Skelett-Erkrankungen vor. Alle anderen
Erkrankungen werden im Laufe des nächsten Jahres hinzugeschaltet. "Für die
Übergangszeit haben wir sogenannte Platzhalter-Seiten hinterlegt, die wir nach
und nach mit den relevanten Informationen füllen werden. In Zukunft werden wir
diese Seiten entsprechend dem Stand der wissenschaftlichen Erkenntnis und in
Abstimmung mit den Fachleuten des ÄSVB überarbeiten", so BK-Experte Zagrodnik.

Zum "BK-Info"-Portal


AplusA-online.de - Quelle: Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV)