12.07.2018

Neue Ärztetagsbeschlüsse stärken die ärztliche Prävention und Gesundheitsförderung in Betrieben

Die beiden Beschlüsse des 121. Deutschen Ärztetages, "Ärztliche
Kompetenzen im Arbeitsschutz zwingend erhalten" und "Keine Substitution ärztlicher
Tätigkeiten im Betrieb durch Nichtärzte" werden von der Deutschen Gesellschaft für
Arbeitsmedizin und Umweltmedizin (DGAUM) uneingeschränkt begrüßt und nachhaltig
unterstützt. Beide Entschließungsanträge gehören zu einem großen Katalog von
Entscheidungen, die die Delegierten des Deutsche Ärztetages verabschiedet haben.

Ärztliche Kompetenzen im Arbeitsschutz zwingend erhalten

Im Vorfeld des Ärztetages konnte die DGAUM als wissenschaftlich-medizinische
Fachgesellschaft ihre Expertise dem Vorstand der Bundesärztekammer (BÄK) zur
Verfügung stellen. Im beschlossenen Text, der dann vom Vorstand der
Bundesärztekammer beim Ärztetag als Leitantrag eingebracht wurde, heißt es
konkret: "Der 121. Deutsche Ärztetag 2018 fordert alle verantwortlichen und
zuständigen Akteurinnen und Akteure in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft,
wie das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS), die Bundesvereinigung
der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), den Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB)
und insbesondere die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) auf, die
ärztlichen Kompetenzen im Arbeitsschutz uneingeschränkt zu erhalten und zu
stärken. Es muss allen Versuchen entschieden entgegengetreten werden,
arbeitsmedizinische Leistungen und betriebsärztliche Tätigkeiten durch andere
Berufsgruppen zu substituieren. Neue Arbeitsformen und der technologische
Fortschritt erfordern es, dass gerade Arbeitsmediziner und Betriebsärzte im Wege
des Arbeitsschutzes bereits frühzeitig gesundheitliche Risiken für die Beschäftigten
erkennen. Sie haben deshalb ein Alleinstellungsmerkmal für Gesundheitsfragen im
Betrieb und nehmen eine wichtige Funktion sowohl im Feld der betrieblichen Prävention
als auch an der Schnittstelle zur kurativen und rehabilitativen Medizin ein.
Nur so können Prävention und Gesundheitsförderung am Arbeitsplatz mit den dynamisch
sich vollziehenden Veränderungen in der Arbeitswelt Schritt halten."

Keine Substitution ärztlicher Tätigkeiten im Betrieb durch Nichtärzte

Darüber hinaus begrüßt und unterstützt die DGAUM den ebenfalls beschlossenen
Antrag von insgesamt acht Delegierten um Dr. Peter Czeschinki, Münster, die
keine Substitution ärztlicher Tätigkeiten im Betrieb durch Nichtärzte gefordert
hatten: "Der 121. Deutsche Ärztetag 2018 lehnt die Pläne der Deutschen
Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) zur Substitution betriebsärztlicher
Tätigkeiten durch Nichtärzte entschieden ab. Die DGUV diskutiert im Rahmen der
Novellierung der Vorschrift 2 zur arbeitsmedizinischen Betreuung in der
Grundbetreuung die Substitution einer den gesamten Menschen umfassenden
fachärztlichen arbeitsmedizinischen Betreuung durch andere Berufsgruppen, wie
z. B. Ergonomen, Arbeitspsychologen, Gesundheitswissenschaftler usw. Darüber
hinaus ist eine Halbierung der betriebsärztlichen Mindesteinsatzzeit in der
Betreuungsgruppe III von zwölf auf sechs Minuten pro Beschäftigtem und Jahr
vorgesehen. In sechs Minuten ist keine qualitativ hochwertige arbeitsmedizinische
Betreuung mit ihren vielfältigen Facetten zu gewährleisten, erst recht nicht, wenn
auch noch psychische Belastungen zur Sprache kommen. Sofern auch noch andere
Professionen in die Grundbetreuung in der Gruppe III eingebaut werden, bleibt es
nicht bei sechs Minuten, sondern davon gehen z. B. noch Zeiten für einen
Gesundheitswissenschaftler ab. Von dieser Neuregelung sind auch Beschäftigte im
Gesundheitswesen, insbesondere angestellte Ärztinnen und Ärzte in Rehabilitations-
einrichtungen, Arztpraxen bzw. medizinischen Versorgungszentren (MVZ) betroffen."

Weitere Informationen zum 121. Deutschen Ärztetag sowie das Beschlussprotokoll zum Download erhalten Sie auf der Webseite der Bundesärztekammer


AplusA-online.de - Quelle: Deutsche Gesellschaft für Arbeitsmedizin und Umweltmedizin e.V. - DGAUM