04.10.2018

Moderne Führung? Von wegen!

Die Unzufriedenheit der Mitarbeiter mit ihren Chefs wächst - vor allem in
hierarchischen Führungsstrukturen. Dennoch dominieren traditionelle
Führungskulturen weiterhin.



Haufe hat in Kooperation mit Promerit für das Agilitätsbarometer gefragt: Wie
zufrieden sind Mitarbeiter mit dem Führungsstil ihres Vorgesetzten? Die
deutliche Antwort: Nur jeder zweite Arbeitnehmer (52 Prozent) ist damit
zufrieden oder sogar sehr zufrieden. Gerade Mitarbeiter in hierarchisch
ausgerichteten Organisationen sind mit der dort gelebten Führungskultur nicht
glücklich. Das Paradoxe: Im Vergleich zum letzten Jahr setzen Unternehmen noch
stärker auf das hierarchische Führungsmodell, allen Appellen zu mehr
Partizipation und Transparenz zum Trotz. Das sehen 35 Prozent der
Führungskräfte (2016: 32 Prozent) und 46 Prozent der Mitarbeiter (2016: 41
Prozent) so.



Was stört Mitarbeiter an der aktuellen Führungskultur in ihrem Unternehmen
besonders? Der wichtigste Grund ist die ihnen nicht ausreichend
entgegengebrachte Wertschätzung: So wünschen sich 42 Prozent der befragten
Mitarbeiter mehr Anerkennung für die geleistete Arbeit. 36 Prozent fehlt eine
Perspektive zur persönlichen Weiterentwicklung und 33 Prozent nennen eine
intransparente Informationspolitik als ausschlaggebend für die eigene
Unzufriedenheit.



Auffällig ist in diesem Zusammenhang die große Diskrepanz zwischen
Selbsteinschätzung der Führungskräfte und Fremdwahrnehmung durch ihre
Mitarbeiter: Während die befragten Chefs ihre Management-Fertigkeiten als
außerordentlich positiv einschätzen, sehen Mitarbeiter diese kritischer. Ein
Beispiel: 85 Prozent der befragten Führungskräfte sind überzeugt, durch ihren
Führungsstil ein produktives Arbeitsklima zu schaffen. Das sehen aber gerade
einmal 42 Prozent der Mitarbeiter so. Ebenso geben drei Viertel (75 Prozent)
der Manager an, aktiv Feedback von ihren Mitarbeitern einzufordern, um sich
selbst weiterentwickeln zu können. Dieser Aussage stimmen nur etwas mehr als
ein Drittel (34 Prozent) der Angestellten zu.



Agiles Führungsmodell vs. gelebte Hierarchie
Agile Netzwerke kommen als Führungsstruktur nicht nur noch nicht genügend,
sondern sogar weniger als im Vorjahr zum Tragen: Nur noch 11 Prozent der
Mitarbeiter (2016: 19 Prozent) und 29 Prozent der Führungskräfte (2016: 33
Prozent) arbeiten täglich in einem agilen Arbeitsumfeld. Dieser Rückgang steht
in deutlichem Widerspruch zu der vorherrschenden Meinung unter den
Studienteilnehmern, dass agil oder partizipativ aufgestellte Unternehmen ein
zentraler Faktor für den Unternehmenserfolg und die Mitarbeiterzufriedenheit
sind. Lediglich partizipative Führungsstrukturen erfreuen sich wachsender
Beliebtheit: Mehr als ein Drittel aller befragten Führungskräfte (36 Prozent)
und ein knappes Drittel der Mitarbeiter (30 Prozent) arbeitet in Strukturen, in
denen Vorgesetzte ihre Mitarbeiter in Entscheidungen miteinbeziehen.



"Zufriedene Mitarbeiter sind der Schlüssel zum Unternehmenserfolg. Dafür ist es
notwendig, dass Führungskräfte ihre Mitarbeiter mit an Bord haben und dies
gelingt am ehesten, wenn man ihnen Mut zur Verantwortungsübernahme macht", ist
sich Joachim Rotzinger, Geschäftsführer in der Haufe Group, sicher. Kai
Anderson, Partner und Vorstand von Promerit, ergänzt: "Eine Antwort auf die
sich immer schneller drehende Unternehmens- und Arbeitswelt können nur agile
und partizipative Führungsstrukturen sein. Natürlich haben in einigen Bereichen
auch klassische Command-and-Control-Methoden nach wie vor ihre Berechtigung.
Doch wer seine Führungskultur gerade im Hinblick auf jüngere Mitarbeiter fit
für die Zukunft machen will, der wird seinen Mitarbeitern mehr Freiraum
zugestehen müssen."



Agilitätsbarometer 2017 von Haufe und Promerit
Die repräsentative Online-Umfrage wurde von Heiko Weckmüller, Professor an der
FOM Hochschule für Oekonomie und Management, unter 1.000 Führungskräften und
1.800 Angestellten deutscher, österreichischer und Schweizer Unternehmen mit
mehr als 100 Mitarbeitern durchgeführt.



Die Studienergebnisse stehen kostenlos zum Download zur Verfügung:

Zu den Studienergbnissen zum Download


AplusA-online.de - Quelle: Haufe-Lexware GmbH & Co. KG