12.02.2018

Mit sicherem Tritt ins neue Jahr - Neue Leiternorm 2018

Zum 1. Januar 2018 trat die überarbeitete Leiternorm in Kraft. Sie macht neue
Vorgaben, die die Standfestigkeit von Leitern verbessern sollen. Mangelnde
Standfestigkeit ist die häufigste Unfallursache beim Einsatz von Leitern. Die
neuen Richtlinien betreffen vor allem Unternehmen, die Anlege- und
Mehrzweckleitern verwenden. Die Änderung der Leiternorm wurde durch das
Europäische Komitee für Normung (CEN) unter Mitwirkung der Berufsgenossenschaft
der Bauwirtschaft (BG BAU), der Berufsgenossenschaft für Handel und
Warenlogistik (BGHW) und der Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und
Gartenbau (SVLFG) entwickelt.

Wenn es in die Höhe geht, sind Leitern meist das Arbeitsmittel der Wahl.
Allerdings ist Leiter nicht gleich Leiter und viele Beschäftigte sind im Umgang
fahrlässig oder nicht richtig geschult worden. Ursachen für Leiterunfälle gibt
es viele: Entweder war die Leiter für die Tätigkeit nicht geeignet oder der
Untergrund nicht standfest und die Leiter gab nach. Insgesamt wurden der BGHW
2016 rund 2300 Leiterunfälle gemeldet. Das macht 2,2 Prozent am Gesamtunfallgeschehen aus. Leiterunfälle sind zwar auf
den ersten Blick "nur" ein kleiner Unfallschwerpunkt. Doch schaut man auf die
schweren Unfälle, ergibt sich ein anderes Bild: Das Risiko, sich schwer zu
verletzen oder tödlich zu verunglücken, ist relativ hoch. 11 Prozent aller
schweren Unfälle, die eine Rentenzahlung nach sich ziehen, sind Leiterunfälle.

Branchenübergreifend gab es, laut der Statistik zum Arbeitsunfallgeschehen der
Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV), im Jahr 2016 insgesamt knapp
23.700 meldepflichtige Unfälle, die im Zusammenhang mit Leitern stattfanden.
Fast jeder 15. Unfall hatte schwere Verletzungen zur Folge oder endete tödlich.
Fast 90 Prozent aller Leiterunfälle, so das Ergebnis der BG BAU, fallen auf die
mangelhafte Standsicherheit zurück. Die überarbeitete Norm soll dafür sorgen,
dass diese Gefahrenquelle bereits bei der Herstellung minimiert wird.

Die wichtigste Änderung der DIN EN 131 betrifft alle tragbaren Anlegeleitern
mit einer Leiterlänge von über drei Metern. Diese müssen in Zukunft eine
größere Standbreite aufweisen, entweder durch eine Quertraverse oder durch eine
sogenannte konische Bauweise. Von der Norm betroffen sind auch Mehrzweckleitern
mit einem aufgesetzten Schiebeleiterteil. Ist dieses länger als drei Meter,
darf es nur von der Leiter trennbar sein, wenn es mit einer Traverse
ausgestattet ist, die die neuen Standbreiten-Anforderung erfüllt. "Allerdings
besteht in der Praxis die Gefahr, dass die Extra-Traverse als zusätzliche
Standfläche benutzt wird. Das wiederum kann Unfälle begünstigen. Hierauf
verweist die Norm mit einer Nutzungseinschränkung hin", erläutert Thomas Jacob,
Referent Leitern, Tritte und ortsfeste Arbeitsbühnen im Fachbereich Handel und
Warenlogistik. Doch nicht nur die Standsicherheit wird durch die Norm
überarbeitet. In Zukunft werden die Leitern in zwei Nutzungsgruppen unterteilt:
Leitern für den gewerblichen und Leitern für den privaten Gebrauch. Entsprechende Piktogramme sorgen für die
sichtbare Klassifizierung.

Was bedeutet die neue Norm für die Betriebe? Ältere Leitermodelle, die nicht
der aktuellen Norm und somit dem Stand der Technik entsprechen, können
weiterverwendet werden, wenn deren Sicherheit für den entsprechenden
Arbeitsauftrag gewährleistet ist. "Nur weil Produkte mit einem höheren
Sicherheitsgrad zur Verfügung stehen, bedeutet das nicht, dass die andere
Produkte verboten sind. Wenn eine Leiter zum Zeitpunkt des Inverkehrbringens
den gültigen Rechtsvorschriften entspricht, darf sie auch nach einer
Aktualisierung der Rechtsvorschrift verwendet werden", erklärt Jacob.

Alle Betriebe müssen Gefährdungsbeurteilungen ihrer Arbeitsmittel erstellen.
"Sollte dabei herauskommen, dass die Standsicherheit der Leitern nicht
gewährleistet ist, empfiehlt die DGUV - je nach Ergebnis der
Gefährdungsbeurteilung - die entsprechenden Leitern mit einer Traverse
nachzurüsten", sagt Jacob. Für die Prüfung muss das Unternehmen sogenannte
befähigte Personen beauftragen, die durch Ausbildung, Berufserfahrung und
Schulung das Knowhow haben, um den Zustand einer Leiter richtig beurteilen zu
können.

AplusA-online.de - Quelle: Berufsgenossenschaft Handel und Warenlogistik BGHW