07.02.2019

Mindeststandards zur Prävention beruflicher Hauterkrankungen

StanDerm präsentiert internationalen Expertenkonsens - rasche Umsetzung
in Europa fraglich

Dermatologen und Arbeitsmediziner aus 31 Ländern fordern Mindeststandards zur
Prophylaxe, Früherkennung und Behandlung berufsbedingter Hauterkrankungen.
Nach vierjähriger wissenschaftlicher Vorbereitung legten sie 2018 in Berlin ein
Positionspapier vor, das die konsentierten Mindestanforderungen darstellt.

"Berufsdermatosen stellen bis zu 40% aller angezeigten beruflichen Krankheiten
dar", heißt es in der "StanDerm"-Initiative, an der neben europäischen Experten
auch eine kanadische Arbeitsgruppe beteiligt war. Im Fokus stehen dabei vor
allem Kontaktekzeme und Kontakturtikaria sowie der berufsbedingte Hautkrebs,
Erkrankungen also, die überwiegend durch hautreizende oder sensibilisierende
Substanzen bzw. Sonnenstrahlung am Arbeitsplatz ausgelöst werden.
Die Folgekosten durch Produktivitätsverluste übersteigen allein bei Kontaktekzemen
nach StanDerm-Berechnungen fünf Milliarden Euro jährlich in Europa.

"Die Erkrankungen sind über die Landesgrenzen hinweg gleich, Menschen sind von
den gleichen Einwirkungen betroffen, da macht es Sinn, ihnen in Europa etwas
Einheitliches anzubieten, dass sie von diesen Erkrankungen möglichst nicht
weiter heimgesucht werden," begründet Prof. Swen M. John, Osnabrück, die
Initiative, der bei diesem aus EU-Mitteln finanzierten Projekt federführend war.

Tatsächlich gibt es bislang lediglich in einigen wenigen EU-Staaten und Kanada
isolierte Bemühungen zur frühzeitigen Erkennung von berufsbedingten Hauterkrankungen
und Schulungsprogramme für Betroffene, aber keine EU-weite Koordination zwischen
Arbeitgebern und Regierungsstellen auf nationaler und internationaler Ebene und
auch keinen EU-weit gültigen gesetzlichen Rahmen, wie die Abschlußveranstaltung
des StanDerm-Projekts in Berlin mit rund 70 Teilnehmern noch einmal verdeutlichte.

Folge sind unterschiedliche nationale Bestimmungen bei Berufskrankheiten, daraus
folgend unterschiedliche regulative Vorgaben und Zuständigkeiten sowie uneinheitlich
geregelte Zugangsmöglichkeiten von Betroffenen zu einer angemessenen medizinischen
Versorgung durch Experten für berufsbedingte Hauterkrankungen.
Das Positionspapier hat als Ergebnis eines wissenschaftlichen Konsensverfahrens
35 Krankheitsbilder festgelegt, die als beruflich bedingt oder bzw. als Folge
von Belastungen am Arbeitsplatz einzustufen sind und im künftigen ICD 11
Codierungssystem der Weltgesundheitsorganisation (WHO) abgebildet werden sollen.

Ein weiteres Schlüsselproblem ist nach Darstellung des Positionspapiers die
mangelhafte Erfassung von Berufskrankheiten. Die von Land zu Land divergierende
und nach Auffassung von Experten überwiegend unzureichende Datenlage spiegelt
zugleich eine erhebliche medizinische Unterversorgung wider, gegen die sich
StanDerm wendet. Das StanDerm-Projekt wird an der Universität Osnabrück koordiniert
und ist im Rahmenprogramm "Horizont 2020" der EU-Kommission verankert.

Aktuelle Ergebnisse von StanDerm werden gemeinsam mit dem Mindeststandards-Positionspapier
im Journal der Europäischen Akademie für Dermatologie und Venerologie (JEADV)
publiziert. Die Veröffentlichung wird von der EU-Kommission unterstützt; jeder
Interessierte erhält die Möglichkeit, sich diese Artikel nach Erscheinen online
herunterzuladen.

Schon 2009 erklärte die EU-Kommission die unzureichende Prävention bei berufsbedingten
Hauterkrankungen zu einem der vorrangigen Herausforderungen für die Gemeinschaft,
die Aktionswoche Haut&Job hat dies in Deutschland aufgriffen. In der StanDerm
Abschlußdebatte in Berlin herrschte in den Reihen der teilnehmenden Experten
weitgehende Skepsis, ob bis zum Jahr 2020 der politische Wille innerhalb der
Gemeinschaft so weit gewachsen ist, dass es zu substanziellen europaweiten Änderungen
kommen wird.

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AplusA-online.de - Quelle: Hautgesund im Beruf