22.05.2018

Lange Arbeitswege belasten die Psyche

Mit der Entfernung zwischen Wohn- und Arbeitsort steigt bei Pendlern die
Wahrscheinlichkeit für eine psychische Erkrankung. Das ist das Ergebnis einer
Fehlzeitenanalyse des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO). Die Fehltage
aufgrund psychischer Erkrankungen liegen bei Arbeitnehmern, die mindestens 500
Kilometer zum Arbeitsplatz pendeln, um 15 Prozent höher als bei denjenigen, die
maximal zehn Kilometer Wegstrecke zurücklegen müssen. "Lange Fahrstrecken zum
Arbeitsort belasten die Psyche. Wird die Distanz zum Arbeitsort durch einen
Wohnortwechsel verkürzt, kann die relative Wahrscheinlichkeit von Fehltagen
aufgrund einer psychischen Erkrankung um bis zu 84 Prozent reduziert werden",
so Helmut Schröder, Stellvertretender Geschäftsführer des Wissenschaftlichen
Instituts der AOK (WIdO). Dies konnte mit Hilfe einer Analyse der
Arbeitsunfähigkeiten der AOK-versicherten Beschäftigten in den letzten fünf
Jahren ermittelt werden.

Bei knapp 58 Prozent der mehr als 13 Millionen erwerbstätigen AOK-Mitglieder
des Jahres 2017 liegen Wohn- und Arbeitsort bis zu zehn Kilometer auseinander.
Dahingegen müssen 10,6 Prozent von ihnen Distanzen von mehr als 50 Kilometern
zum Arbeitsort überbrücken. Ihr Anteil ist in den letzten fünf Jahren von 9,8
auf 10,6 Prozent gestiegen. Am deutlichsten sind die Pendelstrecken bei den 30
bis 39-Jährigen (durchschnittliche Distanz 26,5 Kilometer). Tendenziell nehmen
Männer einen längeren Arbeitsweg in Kauf als Frauen (Distanz 26,2 zu 20,4
Kilometer).

AOK-versicherte Beschäftigte, die maximal zehn Kilometer Wegstrecke zum
Arbeitsplatz zurücklegen, wiesen 2017 durchschnittlich 11
Arbeitsunfähigkeitsfälle je 100 Mitglieder aufgrund psychischer Erkrankungen
auf. Bei einer Wegstrecke von mindestens 50 Kilometern sind es bereits 12 und
bei mehr als 500 Kilometern zur Arbeit waren es 12,6 Fälle. Nicht nur die
Anzahl der Krankschreibungen, auch die durchschnittlichen Fehlzeiten aufgrund
psychischer Erkrankungen steigen dabei von 2,9 auf 3,4 Fehltage pro
AOK-Mitglied. Treiber ist dabei die Diagnose "Reaktionen auf schwere
Belastungen und Anpassungsstörungen" (ICD F43). Hierunter fallen depressive
Verstimmungen, Ängste, Sorgen und das Gefühl, mit den alltäglichen
Gegebenheiten nicht zurechtzukommen.

AOK-versicherte Beschäftigte, die maximal zehn Kilometer Wegstrecke zum
Arbeitsplatz zurücklegen, wiesen 2017 durchschnittlich 11
Arbeitsunfähigkeitsfälle je 100 Mitglieder aufgrund psychischer Erkrankungen
auf. Bei einer Wegstrecke von mindestens 50 Kilometern sind es bereits 12 und
bei mehr als 500 Kilometern zur Arbeit waren es 12,6 Fälle. Nicht nur die
Anzahl der Krankschreibungen, auch die durchschnittlichen Fehlzeiten aufgrund
psychischer Erkrankungen steigen dabei von 2,9 auf 3,4 Fehltage pro
AOK-Mitglied. Treiber ist dabei die Diagnose "Reaktionen auf schwere
Belastungen und Anpassungsstörungen" (ICD F43). Hierunter fallen depressive
Verstimmungen, Ängste, Sorgen und das Gefühl, mit den alltäglichen
Gegebenheiten nicht zurechtzukommen.

Für seine Analysen hat das WIdO auch die Fehltage-Verläufe innerhalb eines
Fünfjahreszeitraumes dahingehend analysiert, ob ein Wohnortwechsel mit einer
Veränderung der Entfernung zum Arbeitgeber Auswirkungen auf die Fehltage
aufgrund von psychischen Erkrankungen hat. Bei den knapp fünf Millionen
kontinuierlich AOK-versicherten Beschäftigten haben 5,1 Prozent in diesem
Zeitraum die Entfernung zwischen Wohn-und Arbeitsort verkürzt, bei 6,1 Prozent
ist die Strecke länger geworden. Bei einem Vergleich der Fehltage ein Jahr vor
und ein Jahr nach dem Wohnortwechsel zeigt sich: Bei einer Verkürzung der
Wegstrecke steigen die psychisch bedingten Fehlzeiten unterdurchschnittlich,
eine Verlängerung erhöht sie überdurchschnittlich. Bei der Gruppe der
Arbeitnehmer, die nach einem Wohnortwechsel zu Fernpendlern werden, also einen
Fahrweg von mindestens 50 Kilometern zum Arbeitsort in Kauf nehmen, war der
Anstieg der Fehltage aufgrund von psychischen Erkrankungen am größten (plus
54,4 Prozent). Kann die Distanz hingegen auf unter 50 Kilometer verkürzt werden,
ist der Anstieg mit 7,9 Prozent deutlich geringer. In der Vergleichsgruppe derjenigen,
die in den letzten fünf Jahren keinen Wohnortwechsel vorgenommen haben, lag der
Anstieg bei 49,4 Prozent.

"Vergleicht man Beschäftigte, die in einem Fünfjahreszeitraum nicht umgezogen
sind, mit denjenigen, die durch einen Umzug ihren Arbeitsweg auf unter 50
Kilometer verkürzen konnten, zeigt sich, dass die relative Veränderung der
Fehltage aufgrund einer psychischen Erkrankung um bis zu 84 Prozent sinkt", so
Helmut Schröder. "Es lohnt sich also, wenn Beschäftigte ihren Arbeitsweg
verkürzen oder Arbeitgeber ihre Mitarbeiter beispielsweise bei der
Wohnungssuche vor Ort unterstützen."

In den letzten Jahren kann unter allen Beschäftigten ein kontinuierlicher
Anstieg von Ausfallzeiten aufgrund psychischer Erkrankungen beobachtet werden.
Angesichts von großen Studien in Deutschland, die keine Zunahme von psychischen
Störungen in Deutschland verzeichnen, sind die Gründe einer Verlagerung in
Richtung psychischer Erkrankungen nicht abschließend geklärt. "Ein Faktor sind
sicherlich die veränderten Anforderungen an die Beschäftigten, von denen viel
Flexibilität verlangt wird. Mobilität und ständige Erreichbarkeit
beispielsweise bieten viele Chancen, aber eben auch Risiken", sagt Schröder.

Krankenstand bleibt stabil
Insgesamt ist der Krankenstand im Jahr 2017 wie in den beiden Vorjahren mit 5,3
Prozent konstant geblieben. Damit hat jeder AOK-versicherte Beschäftigte im
Durchschnitt 19,4 Tage aufgrund einer ärztlichen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung
im Betrieb gefehlt. Die Fehltage aufgrund psychischer Erkrankungen sind in den
letzten zehn Jahren konstant angestiegen (67,5 Prozent). Psychische Erkrankungen
führen außerdem zu langen Ausfallzeiten. Mit 26,1 Tagen je Fall dauerten sie mehr
als doppelt so lange wie der Durchschnitt mit 11,8 Tagen je Fall im Jahr 2017.

Der Analyse des WIdO liegen die Daten von 13,2 Millionen AOK-versicherten
Arbeitnehmern zugrunde, die 2017 in mehr als 1,5 Millionen Betrieben beschäftigt waren.

AplusA-online.de - Quelle: AOK