08.08.2017

Industrie 4.0: Handlungsfelder für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit

Die industrielle Arbeitswelt verändert sich hin zu einer Industrie 4.0.
Betroffen sind alle Bereiche der Produktion, Logistik und des Transports. Auf
welchen Feldern durch neue Risiken Handlungsbedarf für Sicherheit und
Gesundheit bei der Arbeit besteht, aber auch wo sich neue Möglichkeiten für
Sicherheit und Gesundheit ergeben, beschreiben die Träger der gesetzlichen
Unfallversicherung und ihr Spitzenverband, die Deutsche Gesetzliche
Unfallversicherung (DGUV), in einem Positionspapier . Es dient als "Kursbuch"
für die Prävention der kommenden Jahre.

Rund 15 Millionen Arbeitsplätze in Deutschland hängen direkt oder indirekt von
der produzierenden Wirtschaft ab. Sie alle verändern sich - mehr oder weniger
stark - weil Digitalisierung Menschen, Maschinen, Prozesse, Daten und letztlich
Produkte immer enger vernetzt. Kooperative Systeme aus Technik und Mensch, die
auch künstliche Intelligenz einbeziehen, sind charakteristisch für das, was wir
als "Industrie 4.0" bezeichnen. "Weil die Branchen unterschiedliche
Technologieniveaus haben, verläuft der Prozess hin zu einer Industrie 4.0
unterschiedlich schnell", sagt Dr. Michael Huelke, Experte für neue
Technologien im Institut für Arbeitsschutz der DGUV (IFA). Die Frage, ob und
inwieweit Sicherheit und Gesundheit von Beschäftigten dadurch beeinträchtigt
oder auch befördert werden können, stelle sich aber grundsätzlich. Huelke:
"Denken wir beispielsweise an Robotik oder Assistenzsysteme wie Datenbrillen:
Sie sollen entlasten und unterstützen; sie bergen aber auch neue Unfallrisiken,
können die Menschen überfordern oder in falscher Sicherheit wiegen."

Technologiebezogene Fragen stehen für die gesetzliche Unfallversicherung im
Zentrum der Präventionsüberlegungen: Wie lässt sich Datensicherheit in hoch
vernetzten Systemen gewährleisten und aktuell halten? Welche Konzepte
ermöglichen eine verlässliche Risiko- und Gefährdungsbeurteilung von sich
selbst organisierenden Maschinen und Anlagen? Welchen Einfluss haben
Assistenzsysteme auf das Risikoverhalten der Beschäftigten? Huelke: "Ein
weiterer Blick gilt der Organisation. Das heißt, dass wir Arbeitsbedingungen
noch stärker ganzheitlich beurteilen müssen. Die selektive Betrachtung von
Einzelaspekten - nur Sicherheit, nur Ergonomie oder nur kognitive Belastung -
wird den komplexen Zusammenhängen in Industrie 4.0 nicht mehr gerecht."

Schließlich bietet auch der Mensch selbst Ansatzpunkte für zielgerichtete
Prävention: Industrie 4.0 braucht zum Beispiel neue Kompetenzen in der
Mitarbeiterführung, damit auch Führen auf Distanz oder in altersgemischten
Teams funktioniert. Zudem sind neue und angepasste Qualifikationsinhalte und
-methoden erforderlich: Mobiles Lernen, arbeitsintegriertes oder
alternsgerechtes Lernen sind Beispiele. Das Positionspapier zur Industrie 4.0
beleuchtet Licht- und Schattenseiten der Entwicklung und leitet daraus
eindeutige Handlungsfelder für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit ab. Es
ist damit Arbeitsgrundlage für die gesetzliche Unfallversicherung selbst und
für alle, die Verantwortung für sichere und gesunde Arbeit tragen.

Positionspapier herunterladen (PDF, 569 kB)


AplusA-online.de - Quelle: Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV)