14.08.2017

Immer auf der Höhe bleiben: Wie Sie Absturzunfällen von Leitern sicher vorbeugen

Wer im Berufsalltag hoch hinaus will, braucht viel Ehrgeiz - oder einfach eine
Leiter. Mal eben etwas an der Decke montieren, die Beleuchtung reparieren, ins
obere Regal greifen: Schnell hat man sie herbeigeholt und ist die Sprossen
hinaufgestiegen. "Leitern sind für Montage- oder Instandsetzungsarbeiten in
allen Betrieben immer sofort zur Hand", weiß Clemens Kube, BGHM-Aufsichtsperson
im Präventionsdienst Berlin. "Dabei wird oft außer Acht gelassen, dass Leitern
gefährliche Arbeitsplätze sind." Denn die Absturzgefahr ist hoch - und Unfälle
haben meist schwere Verletzungen zur Folge.

Laut einer Statistik der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin
handelt es sich bei jedem dritten tödlichen Arbeitsunfall bundesweit um einen
Absturzunfall. Dabei sind zwar im Durchschnitt nur drei Prozent auf
Leiterunfälle zurückzuführen. Wenn man jedoch die durchschnittlichen
Unfallfolgen von Leiterunfällen betrachtet, so erscheint der geringe
Prozentsatz in einem anderen Licht: Auffallend ist, dass ihr Anteil bei den
neuen Unfallrenten der gesetzlichen Unfallversicherung zwölf Prozent beträgt.
Was bedeutet das? "Absturzunfälle von Leitern haben meist schwerere
Auswirkungen als andere Arbeitsunfälle", erklärt Kube. "Die Zahl der
Schwerverletzten, die wegen verminderter Erwerbstätigkeit in Folge eines
Absturzunfalls von den Berufsgenossenschaften mit einer Rente entschädigt
werden müssen, ist vergleichsweise hoch." Dies zeigt, dass es
branchenübergreifend sowohl für Führungskräfte als auch für Beschäftigte
besonders wichtig ist, auf Sicherheit bei der Benutzung von Leitern zu achten
und Unfällen vorzubeugen. Doch worin liegen überhaupt die Ursachen für
Absturzunfälle - und wie lassen sie sich verhindern?

Persönliches Verhalten: Unfallursache Nummer eins
"Die Ursachen für Absturzunfälle im Zusammenhang mit Leitern sind vielfältig",
erklärt Clemens Kube. "Sicherheitswidriges Personenverhalten ist jedoch die
Unfallursache Nummer eins." Die körperliche Belastung der Beschäftigten durch
längeres Arbeiten auf der Leiter, das Ausführen von Tätigkeiten mit hohem
Kraftaufwand oder rutschige Schuhsohlen können Ursachen für Abstürze sein. Auch
beschädigte Holme oder Sprossen sowie fehlende oder ungeeignete Sicherungen an
der Leiter gegen Umfallen und Rutschen führen zu Unfällen. "Unter den
hochgelegenen Arbeitsplätzen, zu denen auch Hubarbeitsbühnen und Gerüste
zählen, nimmt die Leiter eine Sonderstellung ein: Sie lässt für Beschäftigte
nur beschränktes Arbeiten zu", sagt der Experte. Wer eine Leiter benutzt, muss
deshalb einige Regeln und Präventionsmaßnahmen beachten.

Richtiger Einsatz von Leitern kann Abstürze verhindern
Stets gilt: Es sollten nur für den jeweiligen Einsatzzweck geeignete Leitern
verwendet werden. "Es gibt Anlegeleitern, Stehleitern, Trittleitern und viele
weitere mehr", zählt der Experte auf. Von Anlegeleitern aus dürfen nur Arbeiten
geringen Umfangs, zum Beispiel Instandsetzungs- und Wartungsarbeiten,
ausgeführt werden. Ihr Anstellwinkel muss zwischen 65 und 75 Grad betragen.
Zudem sollte die Leiter immer auf einem standsicheren und ebenen Untergrund
aufgestellt und zusätzlich durch Festbinden oder Einhaken des Leiterkopfes
abgesichert werden. Es ist verboten, die oberen Sprossen einer Anlegeleiter zu
betreten.

Unternehmer erkennen Risiken in der Gefährdungsbeurteilung
Zu den Pflichten eines Unternehmers gehört es, eine Gefährdungsbeurteilung
vorzunehmen, um mögliche Risiken im Arbeitsalltag aufzuspüren und entsprechende
Präventionsmaßnahmen umzusetzen. Dies ist im entsprechenden Regelwerk der
Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) vorgegeben. Dabei ist auch zu prüfen,
ob für die auszuführenden Tätigkeiten die Benutzung einer Leiter erforderlich
ist, oder ob nicht ein anderes Hilfsmittel wie ein Podest, eine Hubarbeitsbühne
oder ein Gerüst sicherer und geeigneter wäre. Gemäß Nummer 5.1.4 des Anhangs 2
der BetrSichV sollte die Verwendung von Leitern generell nur auf besondere
Umstände wie kurzzeitige Tätigkeiten beschränkt werden. Zudem müssen
Arbeitgeber ihre Beschäftigten mindestens einmal im Jahr zu den
Sicherheitsvorkehrungen auf Leitern unterweisen. Dabei sollte stets betont
werden, dass selbst Abstürze aus geringer Höhe bleibende gesundheitliche
Schäden oder Beeinträchtigungen nach sich ziehen können. "Wer auf eine Leiter
steigt, sollte sich immer darüber bewusst sein, dass er auch runterfallen kann", fasst Kube zusammen. Eine wichtige Präventionsmaßnahme sei deshalb: "Nimm die Leiter ernst - dann kommst du sicherhoch hinaus."

AplusA-online.de - Quelle: Berufsgenossenschaft Holz und Metall