22.02.2019

Hohe emotionale Belastungen bei der Arbeit mit Menschen

Trotz positiver Konjunktur und guten Perspektiven auf dem Arbeitsmarkt
bewerten die Beschäftigten in Deutschland ihre Arbeitsbedingungen kritisch.
Das ist ein Ergebnis des DGB-Index Gute Arbeit 2018, der heute in Berlin vorgestellt
wurde. Insbesondere psychische Belastungen, Stress bei der Arbeit sowie die
Sorge vor einer fehlenden Alterssicherung treiben die Menschen um.

Besondere psychische und emotionale Belastungen weisen Beschäftigte auf, die
mit Menschen arbeiten. 63 Prozent aller Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer
arbeiten regelmäßig mit Kunden, Patienten oder Klienten (Interaktionsarbeit).
Im Umgang mit den verschiedenen Gruppen sind Konflikte und belastende
Erlebnisse weit verbreitet. Zwei Drittel der Betroffenen erhalten vom
Arbeitgeber dabei jedoch keine ausreichende Unterstützung.

Reiner Hoffmann, DGB-Vorsitzender: "Seit Jahren sprechen wir von den Chancen
der Digitalisierung. Doch offensichtlich kommen die Vorteile der technischen
Veränderung bei vielen Beschäftigten nicht an. Im Gegenteil: Psychische
Belastungen und Arbeitsstress haben durch den digitalen Wandel zugenommen.
Dieser Trend muss umgekehrt werden. Wir brauchen eine humane Arbeitsgestaltung,
die den Gesundheits- und Arbeitsschutz stärkt und die Beschäftigten entlastet.
Das erreichen wir nur mit einer starken Mitbestimmung."

Auch im Bereich der Altersvorsorge liefert der Index beunruhigende Daten:
45 Prozent der Beschäftigten erwarten, dass ihre Rente nicht ausreichen wird,
weitere 36 Prozent, dass sie "gerade so" reichen wird. Dazu Reiner Hoffmann:
"Wenn fast die Hälfte der Arbeitnehmer dem Ruhestand mit Sorgen entgegenblickt,
müssen wir diese Signale ernst nehmen. Mit dem Rentenpakt wurde ein erster
Schritt in die richtige Richtung gemacht. Jetzt brauchen wir weitere Maßnahmen,
die das Rentenniveau anheben und den Sinkflug der gesetzlichen Rente dauerhaft
stoppen. Wir müssen das Vertrauen in die Altersvorsorge wiederherstellen."

Die Mehrheit aller Beschäftigten arbeitet interaktiv, hat also intensiven Kunden-
oder Patientenkontakt, so das Ergebnis des DGB-Index Gute Arbeit. "Dies stellt
hohe Anforderungen an ihre sozialen und emotionalen Fähigkeiten, etwa bei der
Kindererziehung oder der Alten- und Krankenpflege. Fakt ist aber, dass ausgerechnet
diese gesellschaftlich wichtigen Tätigkeiten zu geringe Wertschätzung erfahren",
fasst Frank Bsirske, Vorsitzender der Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di),
die Lage der interaktiv Tätigen zusammen.

In diesen für die Daseinsvorsorge wichtigen Arbeitsfeldern klagen viele
Beschäftigte, dass ihre Arbeitgeber sie nicht ausreichend wertschätzen. Fast
jeder Fünfte erlebt in der Arbeit häufig psychisch belastende Situationen. Zwei
Drittel davon erhalten keine hinreichende Unterstützung ihres Arbeitgebers. "In
welcher Welt leben wir denn, dass sich Arbeitgeber - öffentliche wie private -
so einen Umgang mit ihren Beschäftigten leisten dürfen und dann klagen, es gäbe
nicht genügend Fachkräfte", so Bsirske. Hinzu kämen Stressfaktoren, wie der
hohe Dokumentationsaufwand oder zu wenig Zeitbemessung für die Betreuung und
Beratung Einzelner durch fehlendes Personal. "Am deutlichsten wird die fehlende
Wertschätzung bei der Bezahlung: 78 Prozent der Befragten empfinden ihr
Einkommen bei den durchweg hohen Anforderungen an ihre Tätigkeit mit Menschen
als zu gering. Nötig ist daher eine deutliche Aufwertung dieser Berufe und
Tätigkeiten, eine Personalbemessung, die einer zugewandten Arbeit mit Klienten
und Patienten gerecht wird, und eine deutlich bessere Bezahlung," sagte der
ver.di-Vorsitzende.

DGB-Index Gute Arbeit - Der Report 2018 (PDF, 6 MB)


AplusA-online.de - Quelle: Deutscher Gewerkschaftsbund - DGB