14/06/2018

Hautärzte helfen, im angestammten Beruf zu bleiben

25.000 berufliche Ekzemerkrankungen, 8.000 berufsbedingte
Hautkrebsfälle jährlich: Unter den Berufskrankheiten nehmen Hauterkrankungen die
Spitzenstellung ein. Damit tragen Dermatologen eine besondere Verantwortung für
den Erhalt von Arbeitsplätzen und qualifiziertem Personal - und stellen sich
dieser auch, wie eine aktuelle Umfrage anlässlich der Aktionswoche Haut&Job
zeigt.

"Die gewissenhafte Versorgung von Menschen mit beruflichen Hauterkrankungen hat
in den dermatologischen Praxen einen hohen Stellenwert", fasst Prof. Swen Malte
John die Ergebnisse einer aktuellen Online-Umfrage unter den Mitgliedern des
Berufsverbandes der Deutschen Dermatologen (BVDD) zusammen*. Demnach betrachtet
rund die Hälfte der teilnehmenden Hautärzte die Versorgung von Patienten mit
berufsbedingten Hauterkrankungen als einen wichtigen Bestandteil ihrer Praxis.
Nur vier Prozent halten die Früherkennung und Behandlung von beruflich
bedingetn Hautproblemen für "uninteressant".

"Die Umfrage zeigt auch, dass die behandelnden Dermatologen sich als Anwälte
ihrer Patienten verstehen, die diesen helfen, die Ansprüche, die sie an die
gesetzliche Unfallversicherung haben, umzusetzen", erläutert Prof. John weiter.
So geben 72 Prozent der befragten Hautärzte an, regelmäßig einen sogenannten
Hautarztbericht (s. Kasten) zu erstatten, 20 Prozent machen dies gelegentlich.
Prof. Swen Malte John leitet die Universitätshautklinik Osnabrück und ist
Initiator der jährlichen bundesweiten Aktionswoche "Haut&Job", bei der dieses
Mal vom 13.-17. November Hautärzte bundesweit über richtigen Hautschutz am
Arbeitsplatz aufklären und sich als kompetente Ansprechpartner für Betroffene
präsentieren.

"40 Prozent aller Meldungen beruflicher Erkrankungen in Deutschland gehen auf
das Konto Haut. Das gibt uns Dermatologen eine besondere Verantwortung, die wir
auch wahrnehmen", betont der Osnabrücker Dermatologe. Dazu zählt unter anderem
die Kenntnis der vielfältigen Angebote im Rahmen des sogenannten Hautarztverfahrens.
"Hierzu gehören - neben einer umfassenden Betreuung durch den behandelnden
Dermatologen - auch ergänzende Angebote wie Hautschutzseminare und gegebenenfalls
eine stationäre Kurmaßnahme", erläutert Prof. John. So kennen laut der BVDD-Umfrage
85 Prozent der Befragten Dermatologen Hautschutz-Schulungsseminare und 80 Prozent
stationäre Heilverfahren. Die häufigsten berufsbedingten Krankheitsbilder, die
Hautärzte zu sehen bekommen, sind durch Feuchtarbeit ausgelöste Handekzeme,
Kontaktallergien und durch UV-Strahlung verursachter heller Hautkrebs, der seit
dem 1. Januar 2015 als Berufskrankheit (BK 5103) anerkannt ist.

"Werden bei einem Verdacht auf eine berufsbedingte Hauterkrankung frühzeitig
alle Register gezogen, die dem Hautarzt bei der Behandlung zur Verfügung
stehen, können die Betroffenen in den allermeisten Fällen in ihrem angestammten
Beruf bleiben", unterstreicht Prof. John. Das bestätigen die Umfrageergebnisse:
76 Prozent der Befragten erleben selten oder nie, dass Patienten mit
berufsbedingten Hauterkrankungen ihren Beruf aufgeben müssen. Werden die
Behandlungskosten im Rahmen des Hautarztverfahrens von den Unfallversicherungs-
trägern übernommen, unterliegt die Therapie nicht der Budgetierung der gesetzlichen
Krankenversicherung. "Leider weiß bisher nur ein kleiner Teil der betroffenen
Patienten, wie umfangreich die ihnen heute zur Verfügung stehenden Möglichkeiten
der Prävention sind. Der behandelnde Dermatologe kann hierüber im Detail aufklären",
erläutert Prof. John. Gleichzeitig fordert er mit Blick auf das hohe Risiko für
hellen Hautkrebs bei Arbeitern in Außenberufen zu mehr Anstrengungen in Sachen
Prävention durch die Betriebe auf.

"Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat alle Arten der UV-Strahlung als
krebserregend eingestuft - und zwar in die gleiche Gruppe wie Plutonium und
Arsen", hebt Prof. John hervor. Vor diesem Hintergrund sei der Arbeitsschutz
für Menschen, die draußen tätig sind, häufig nur "rudimentär". "Hier gibt es
einfache und zielgerichtete Möglichkeiten für einen besseren UV-Schutz. Diese
durchzusetzen ist ein großes Anliegen der Dermatologie", so Prof. John. Seinen
Angaben zufolge prüft zurzeit das Bundesarbeitsministerium, ob man Menschen,
die berufsbedingt UV-Strahlung ausgesetzt sind, das Angebot macht, sich
regelmäßig arbeitsmedizinisch untersuchen zu lassen, um frühzeitig einen
Lichtschaden an der Haut zu erkennen.

Ob Handekzem, Kontaktallergie oder heller Hautkrebs: Der erste Weg sollte für
Betroffene zum Hautarzt führen. Weitere Informationen zu berufsbedingten
Hauterkrankungen, ihre Vermeidung und den Schutz des Arbeitsplatzes, gibt es im
Internet unter www.hautgesund-im-beruf.de

Der Hautarztbericht
Hautärzte und Betriebsärzte haben die Möglichkeit, bei Verdacht auf eine
berufsbedingte Hauterkrankung einen Hautarztbericht an die zuständige
Berufsgenossenschaft (BG) zu schicken. Er enthält wichtige Befunde und
Untersuchungsergebnisse, auf deren Grundlage der Hautarzt einen
Behandlungsauftrag durch die BG bekommt. So können berufliche Hautbelastungen
frühzeitig erkannt und behandelt sowie vorbeugende Hautschutzmaßnahmen
ergriffen werde.

Das Hautarztverfahren
Das Hautarztverfahren bietet Ärzten und Unfallversicherern den Rahmen, effektiv
einer berufsbedingten Hauterkrankung vorzubeugen, damit der Betroffene seinen
Beruf weiter ausüben kann. Es wird auf der Grundlage des Hautarztberichtes
eingeleitet, wenn der Verdacht besteht, dass durch die berufliche Tätigkeit
eine Hauterkrankung entsteht, erneut auflebt oder sich verschlimmert.

Zur Website der Haut&Job-Informationskampagne


AplusA-online.de - Quelle: Berufsverband der Deutschen Dermatologen e.V. (BVDD)