08.03.2018

Grenzwerte: Wichtig für die Reduktion von Schadstoffen im Beruf

Grenzwerte für Schadstoffe sollen Menschen vor Gefahren schützen
und Belastungen in der Umwelt reduzieren. Das Entscheidende bei ihrer Erstellung
ist eine umfassende Dokumentation sowie eine sachgerechte Interpretation.
Gerade in der Dieseldebatte fällt oft die Frage, warum Grenzwerte am Arbeitsplatz
viel höher sein dürfen als im Alltag. Wird bei der Überschreitung dieser Normen
die gesundheitliche Gefährdung der Arbeitnehmer in Kauf genommen? Wie kann man
die Grenzwerte verstehen und in der Praxis anwenden? Mit diesen Fragen beschäftigen
sich Experten aus den Bereichen Toxikologie (Uni Karlsruhe) und Arbeitsmedizin (DGAUM)
in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift ASU.

Wie werden die Grenzwerte festgelegt?
Die sogenannte MAK-Kommission (Maximale Arbeitsplatz-Konzentration) fungiert
als ständige Senatskommission der Deutschen Forschungsgemeinschaft und berät
die Politik bei der Prüfung gesundheitsschädlicher Wirkstoffe. Sie bringt
jährlich eine aktualisierte MAK- und BAT-Werte-Liste heraus und erarbeitet
detaillierte wissenschaftliche Begründungen für die jeweiligen Bewertungen der
Schadstoffe. Darüber hinaus erarbeitet und prüft die Kommission die Methoden,
die beim Nachweis der Schadstoffe in der Luft oder im biologischen Material
angewandt werden. Das Gremium besteht aus 40 Experten aus den Fachgebieten
Toxikologie, Arbeitsmedizin, Dermatologie, Pulmologie, Allergologie, Pathologie,
Epidemiologie und Analytik. Ferner wird es von den Fachleuten der beratenden
Institutionen BAuA, BfR oder DGUV unterstützt.

Grenzwerte am Arbeitsplatz
Arbeitsplatzgrenzwerte werden für überwiegend gesunde Personen im arbeitsfähigen
Alter konzipiert. Bevor ein Grenzwert festgelegt wird, finden intensive Beratungen
statt. "Hierbei muss auch berücksichtigt werden, dass die Grenzwerte anhand immer
empfindlicherer Reaktionen abgeleitet werden", erklärt der Präsident der Deutschen
Gesellschaft für Arbeits- und Umweltmedizin, Prof. Hans Drexler aus Erlangen.
Schon Reaktionen, die frühzeitig und mit nur geringen klinischen Krankheitszeichen
auftreten, werden intensiv diskutiert. Die Frage, wann diese bei chronischen
Belastungen zu Krankheiten führen können, wird in Deutschland im Rahmen eines
zweistufigen Verfahrens geklärt. Die MAK-Kommission schlägt gesundheitsbasierende
Grenzwerte vor und der Ausschuss für Gefahrstoffe legt fest, in welchem Zeitraum
die Grenzwerte umgesetzt werden können.

Grenzwerte in der Umwelt
Grenzwerte in der Umwelt sind oft weit niedriger als am Arbeitsplatz. Im Mittelpunkt
steht dabei das Schutzbedürfnis der Allgemeinbevölkerung, also auch von Kindern,
älteren sowie gesundheitlich vorgeschädigten Personen. Deshalb gilt beispielsweise
bei dem NO2-Grenzwert für Dieselfahrzeuge ein Jahresmittelwert von 40µg/m3, während
für die Luft am Arbeitsplatz dieser bei 950µg/m3 liegt, somit um Faktor 20 höher ist.
"Obwohl eine kurzfristige Überschreitung des Grenzwerts keine akute Gesundheitsgefahr
bedeutet, ist dieser zur Vermeidung von chronischen Gesundheitsschäden für die
Allgemeinbevölkerung durchaus plausibel und sinnvoll, wäre aber für den Arbeitsplatz
nicht adäquat", betonen die Fachexperten Prof. Andrea Hartwig und Prof. Hans Drexler
in ihrer aktuellen Publikation. In den letzten 15 Jahren ist die Belastung in der
Außenluft erheblich zurückgegangen. Diesen Trend gilt es zu halten.

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AplusA-online.de - Quelle: Deutsche Gesellschaft für Arbeitsmedizin und Umweltmedizin e.V. (DGAUM)