14/09/2017

Gesund und sicher in die Ausbildung starten - wie geht das?

Sechs Fragen an Präventionsexperte der BGHM

Das neue Ausbildungsjahr hat begonnen! Aus diesem Anlass informiert die
Berufsgenossenschaft Holz und Metall (BGHM) darüber, dass junge
Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer besonders unfallgefährdet sind: Jahr für
Jahr haben sie zahlreiche Arbeits- und Wegeunfälle mit teils schwerwiegenden
Folgen. In den Branchen Holz und Metall beispielsweise entfallen rund 20
Prozent aller meldepflichtigen Unfälle auf die Altersgruppe der 18- bis
25-Jährigen. Gezielter Arbeitsschutz für Azubis ist daher besonders wichtig.
Wie man gesund und sicher in die Ausbildung startet, erklärt Ulrich Zilz,
Präventionsexpert der BGHM.

Herr Zilz, junge Beschäftigte erleiden immer wieder Arbeitsunfälle oder
Beinahe-Unfälle. Wieso sind sie besonders gefährdet?

Ulrich Zilz: Junge Beschäftigte sind zunächst einfach Berufsanfänger: Mangelnde
Kenntnisse, Erfahrungen und Stress durch viele neue Aufgaben führen in jedem
Alter häufig zu Unfällen gerade in den ersten Tagen an einem neuen
Arbeitsplatz. Außerdem testen Jugendliche Grenzen aus, mitunter ist die
Bereitschaft Risiken einzugehen höher. Sie befinden sich in einer
Übergangsituation, die mit vielen Unsicherheiten verbunden ist: Sie lösen sich
vom Elternhaus und müssen sich in der neuen Rolle am Arbeitsplatz behaupten.
Einige wollen sich dann nicht die Blöße geben, bei Unsicherheiten nachzufragen.
Daher werden unzureichende Kenntnisse bei der Arbeit nicht immer gleich
sichtbar, was fatale Folgen haben kann.

Gibt es Unfallschwerpunkte oder Situationen, die bei Jugendlichen und jungen
Erwachsenen besonders häufig zu beobachten sind?

Junge Erwachsene sind beispielsweise im Straßenverkehr besonders gefährdet.
Klar - sie sind unerfahrene Autofahrer, oft risikobereiter oder ungeduldiger.
Quer durch alle Altersgruppen gibt es außerdem weitere Unfallschwerpunkte, wie
beispielsweise Stolpern, Rutschen oder Stürzen sowie Arbeiten an Maschinen. Da
Azubis in den ersten Ausbildungsjahren beispielsweise in der Holz- und
Metallbranche häufig mit Handwerkzeugen arbeiten, passieren damit auch viele
Unfälle, z. B. durch nicht bestimmungsgemäße Verwendung von kraftbetriebenen
Handwerkzeugen. Dabei lässt sich beobachten, dass es oft bei der erstmaligen
Verwendung eines Werkzeugs zu Unfällen kommt.

Womit hängt das zusammen?
Da kommen verschiedene Ursachen zusammen: Fehlende Arbeitsvorbereitung,
Sorglosigkeit oder falsche Bedienung aufgrund fehlender Kenntnisse. Ein
spezielles Problem ist, dass bei defekten Arbeitsmitteln der Schaden entweder
nicht erkannt wird oder sich die Azubis nicht trauen, diesen anzusprechen.
Wichtig ist auch zu wissen, dass es auch Gefährdungen gibt, die womöglich
keinen Unfall nach sich ziehen, aber irreversible Schäden verursachen können,
beispielsweise Schwerhörigkeit durch Lärm.

Worauf können Verantwortliche in den Betrieben achten, wenn sie junge
Berufseinsteiger beschäftigen?

Vorab: Zahlreiche Verantwortliche, Ausbilder und junge Beschäftigte machen seit
vielen Jahren vieles richtig und tragen dazu bei, Unfälle zu verhindern. Mein
Tipp für Personen, denen Azubis erstmalig anvertraut werden: Nehmen Sie Kontakt
zu erfahrenen Kollegen auf. Es ist wichtig, Berufseinsteiger eng zu begleiten.
Bereiten Sie den Arbeitseinsatz gut vor und planen Sie eine angemessene
Einarbeitungszeit ein. Der richtige und sichere Umgang mit den Arbeitsmitteln
spielt dabei eine wichtige Rolle. Prüfen Sie, dass sichere Werkzeuge zur
Verfügung stehen. Unterweisungen sind vor jeder neuen Arbeit notwendig - oft
wird nicht bedacht, dass Azubis viele Tätigkeiten zum ersten Mal machen.
Übrigens: Eine Kontrolle der Arbeiten unter Arbeitsschutz-Aspekten ist kein
Misstrauen, sondern Ausdruck der Wertschätzung gegenüber der großen
Herausforderung, vor der Azubis stehen.

Haben Sie einen besonderen Tipp, wie sich Azubis für Unfallgefahren
sensibilisieren lassen?

Die Beschäftigten spüren, wenn Arbeitsschutz gelebt wird und Teil der
Unternehmenskultur ist. Es ist gut, sich einen lockeren Umgang zu bewahren und
sicheres und gesundes Verhalten für junge Beschäftigte nachvollziehbar und
selbstverständlich werden zu lassen. Sie werden sich bewusst, dass auch Sie
eine Verantwortung für ihre Sicherheit tragen und im Zweifel nachfragen
sollten. Vorbildliche Betriebe stellen Azubis hierzu einen Paten oder Mentor
zur Seite. Das können Sicherheitsbeauftragte oder ältere Azubis sein. Manche
Unternehmen bilden die Azubis selbst zu Sicherheitsbeauftragten aus, damit der
Arbeitsschutz von Anfang an für sie im Fokus steht.

Welche Unterstützungsangebote bietet die BGHM?
Die BGHM hat eigens eine Homepage für Azubis eingerichtet. Dort finden sie
Infos und Broschüren für einen gesunden Start in den Beruf. Für Ausbilder und
Azubis veranstaltet die BGHM zudem Seminare. Mit "Jugend will sich-er-leben"
bieten die Landesverbände der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung
außerdem ein branchenübergreifendes Präventionsprogramm an: Im vergangenen Jahr
stand Lärmschutz im Mittelpunkt, ab sofort dreht sich alles um das Thema
Verkehrssicherheit. Nutzen Sie die Angebote, denn: Unfälle sind vermeidbar!

Homepage für Azubis


AplusA-online.de - Quelle: Berufsgenossenschaft Holz und Metall - BGHM