17/10/2018

Geeignete Messverfahren dringend gesucht

Am 18. und 19. September fand das 5. Symposium "Gefahrstoffe am Arbeitsplatz:
Probenahme - Analytik - Beurteilung" in der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und
Arbeitsmedizin (BAuA) in Dortmund statt. Rund 230 Expertinnen und Experten aus
Forschung und Praxis befassten sich in insgesamt vier Blöcken mit verschiedenen
Aspekten von Messungen am Arbeitsplatz. Eingeladen hatte die BAuA gemeinsam mit
der Arbeitsgruppe Analytik der Berufsgenossenschaft Rohstoffe und chemische
Industrie sowie der Arbeitsgruppe Luftanalysen der Deutschen Forschungsgemeinschaft.
Im Mittelpunkt standen praktische Aspekte der für die Messung von Gefahrstoffen
relevanten Regelungen und Entwicklungen im Bereich der Messtechnik, die anhand
konkreter Beispiele veranschaulicht wurden.

Wenn Beschäftigte Gefahrstoffen am Arbeitsplatz ausgesetzt sind, lassen sich
über Arbeitsplatzmessungen Schutzmaßnahmen ableiten oder deren Wirksamkeit
überprüfen. Dies setzt jedoch eine geeignete Messstrategie und geeignete
Messverfahren voraus. In Deutschland gibt es rund 500 chemische Stoffe mit einem
Grenzwert, jedoch für fast 200 davon kein geeignetes Messverfahren. Das liegt daran,
dass Grenzwerte gesundheitsbasiert abgeleitet und festgesetzt werden, unabhängig
davon, ob ein Messverfahren zur Verfügung steht oder nicht. Deshalb stellen
zahlreiche Grenzwerte die Messtechnik für Gefahrstoffe in Arbeitsbereichen vor
große Probleme.

Dies zeigt sich auch bei der Ableitung von Beurteilungsmaßstäben für krebserzeugende
Stoffe. Das entsprechende Risikokonzept führte zu Akzeptanz- und Toleranzkonzentrationen,
die deutlich unterhalb der früheren Technischen Richtkonzentrationen liegen.
Ende 2018 sollten die Akzeptanzkonzentrationen um den Faktor 10 abgesenkt werden
und würden dann bei einem Risiko von 4:100.000 für eine berufsbedingte Krebserkrankung
liegen. Die geplante allgemeine Absenkung im Rahmen des Risikokonzeptes wurde
jedoch wegen dessen erfolgender Überarbeitung vorerst verschoben. Verschiedene
Vorträge zeigten diesbezügliche Probleme und Grenzen der Messtechnik auf und wiesen
auf mögliche Lösungsansätze hin. Nachdrücklich wurde darum gebeten, Messverfahren
aus der Praxis der AG Luftanalysen und der AG Analytik zu melden.

Weitere Vorträge des Symposiums befassten sich mit neuen Verfahren in der Messtechnik,
der Vereinfachung von Messmethoden und neuen Grenzwerten. Beispiele aus der Praxis
verdeutlichten, dass sich Methoden wie Bio- und Luftmonitoring gut ergänzen können.
Zudem wurden auch erste Erkenntnisse aus Arbeitsplatzmessungen bei additiven
Fertigungsanlagen (3D-Druck) oder zu Gerüchen in Innenräumen präsentiert. In den
angeregten Diskussionen zu den verschiedenen Vorträgen kam auch zur Sprache, dass
die Einhaltung von Grenzwerten allein die Sicherheit am Arbeitsplatz nicht garantiere.
Praktiker aus Aufsicht und Messstellen monierten einen Rückgang der grundsätzlichen
Arbeitshygiene in manchen Betrieben.

Zu den Vorträge des 5. Symposiums "Gefahrstoffe am Arbeitsplatz"


AplusA-online.de - Quelle: Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA)