16/01/2019

GDA Arbeitsprogramm zeigt: Besichtigte Betriebe verbessern ihren Arbeitsschutz

Die Besichtigung und Beratung von Aufsichtspersonal führt in Betrieben
mit Arbeitsschutzmängeln zu Verbesserungen in allen MSE-relevanten Bereichen.
So lautet ein Ergebnis des Arbeitsprogramms Muskel-Skelett-Erkrankungen (MSE)
der Gemeinsamen Deutschen Arbeitsschutzstrategie (GDA). Fünf Jahre lang untersuchte
es, was Betriebe tun, um Risikofaktoren für MSE erfolgreich zu reduzieren. Dazu
wurden branchenübergreifend über 13.000-mal Betriebe besichtigt. Die Ergebnisse
zeigen, wo Handlungsbedarf besteht und was bereits gut funktioniert.

Handlungsbedarf besteht beispielsweise beim Thema Gefährdungsbeurteilung
physischer Belastungen: So führt nur jeder zweite Betrieb (56 Prozent) diese
gesetzlich vorgeschriebene Analyse vollständig durch. Das gilt auch für
Unterweisungen und Anleitungen am Arbeitsplatz. Ebenso bedenklich: die mangelnde
Inanspruchnahme der arbeitsmedizinischen Vorsorge. 38 Prozent der Beschäftigten
in besonders belastenden Arbeitsbereichen suchen ihren Betriebsarzt oder ihre
Betriebsärztin kaum oder nie auf.

Beratung durch Aufsichtspersonal wirkt

Wie nachhaltig sich die Beratung durch Aufsichtspersonal bei der Betriebs-
besichtigung auf den Arbeitsschutz auswirkt, verdeutlicht das Ergebnis der
Zweitbesichtigungen: Betriebe, bei denen das Aufsichtspersonal bei der Erst-
besichtigung erkennbare Arbeitsschutzmängel festgestellt hatte, wurden erneut
besucht. Fazit: Viele Betriebe intensivierten ihr Engagement im Arbeitsschutz
erheblich, etwa bei der Gefährdungsbeurteilung physischer Belastungen.
Die Zahl der Betriebe, die sie angemessen durchführen, verdreifachte sich von
18 Prozent bei der Erst- auf 59 Prozent bei der Zweitbesichtigung.

Führungskräfte haben Vorbildfunktion

Die Analyse der Daten aus den Betriebsbesichtigungen macht auch deutlich, wie
sehr es auf die Führungskräfte ankommt: Dort, wo sie ein vorbildliches
Präventionsverhalten vorleben und MSE-präventives Verhalten der Beschäftigten
unterstützen, erzielen Unternehmen in allen MSE-relevanten Bereichen deutlich
bessere Ergebnisse. Sie verfügen häufiger über eine angemessene Gefährdungs-
beurteilung (75 Prozent gegenüber 56 Prozent durchschnittlich), haben die
Regelungen im Umgang mit Lasten sowie die Unterweisung und Anleitung der
Beschäftigten erfolgreicher umgesetzt und erfüllen in höherem Umfang die
gesetzlichen Anforderungen für die arbeitsmedizinische Angebotsvorsorge.
"Die Stärkung der individuellen Gesundheitskompetenz geht einher mit den
betrieblichen Voraussetzungen", erklärt dazu Jutta Lamers, die das GDA-Arbeits-
programm MSE leitete. "Eine besondere Rolle spielen dabei die Haltung und das
unterstützende Engagement der Führungskraft."

Arbeitsbedingungen und Arbeitsverhalten gleichermaßen fördern

Ein weiteres Resultat der fünfjährigen Arbeit ist: Für eine erfolgreiche
Prävention von MSE kommt es sowohl auf die Verhältnisse und Strukturen im Betrieb
als auch auf das individuelle Verhalten der Beschäftigten an, Maßnahmen müssen
sinnvoll miteinander verknüpft werden. "Nur die Weiterentwicklung der
betrieblichen Arbeitsbedingungen und die Förderung des individuellen Arbeits-
verhaltens kann das Gefährdungsrisiko MSE effizient und nachhaltig reduzieren.
Gesundheitskompetenz in der Arbeitswelt nennen wir dieses integrierte Vorgehen",
so Jutta Lamers.

Betriebsgröße beeinflusst MSE-Prävention

Ein Blick in die Ergebnisse zeigt auch, dass es einen Zusammenhang zwischen
Betriebsgröße und der Umsetzung von Maßnahmen zur MSE-Prävention gibt. Während
fast drei Viertel der besichtigten Betriebe mit mehr als 249 Beschäftigten die
entsprechende Gefährdungsbeurteilung angemessen durchgeführt hatten, war es in
Kleinstbetrieben (weniger als 10 Beschäftigte) weniger als die Hälfte. Auch bei
der Unterweisung und Anleitung der Beschäftigten sowie bei der Schulung von
Führungskräften schnitten größere Betriebe deutlich besser ab, nicht jedoch bei
der Beteiligung der Beschäftigten an der Arbeitsplatzgestaltung und dem
Verhalten der Führungskräfte.

Für die Praxis ergeben sich daraus folgende Empfehlungen:
- Ganzheitlich vorgehen. Ergonomische Arbeitsbedingungen und gesundheits-
gerechtes Arbeitsverhalten immer gemeinsam betrachten und fördern.
- Von Betriebsbesichtigungen profitieren. Bei Besichtigungen vor Ort können
Arbeitsschutzexpertinnen und -experten wie zum Beispiel das Aufsichtspersonal
der Unfallversicherungsträger und Länder praxisnah beraten.
- Führungskräfte stärken. Ihnen kommt eine Schlüsselrolle in der Präventions-
arbeit zu. Passgenaue Instrumente und Angebote motivieren und befähigen sie zum
gesunden Führen.
- Klein- und Kleinstbetriebe unterstützen. Optimale Unterstützungshilfen entwickeln,
mit denen kleine Betriebe ihr betriebliches Engagement weiter verbessern können.

Download Kurzbericht: Ergebnisse GDA Arbeitsprogramm Muskel-Skelett-Erkrankung


AplusA-online.de - Quelle: Gemeinsame Deutsche Arbeitsschutzstrategie