13.12.2018

Früherkennung von Mesotheliomen nun erstmals möglich - Erkrankungen durch Asbest gehören noch lange nicht der Vergangenheit an

Das maligne Mesotheliom gehört zu den gefährlichsten Asbest-
Erkrankungen. Es ist kaum frühzeitig zu erkennen, bisher unheilbar und führt meist
nach kurzer Krankheit zum Tod. Obwohl die Verwendung und das Inverkehrbringen von
Asbest bereits vor mehr als 25 Jahren in Deutschland verboten wurden, sind die
Zahlen Asbest verursachter Berufskrankheiten (BK) weiter hoch. Die Ursache hierfür
liegt in der langen Latenzzeit zwischen der Exposition gegenüber Asbest und dem
Ausbruch der Krebserkrankungen. Mehr als die Hälfte der Todesfälle aufgrund von
Berufskrankheiten gehen laut Statistik der gesetzlichen Unfallversicherung auf
Asbest zurück. Bislang ist die Behandlung nur sehr eingeschränkt möglich, da
das Mesotheliom meist erst in einem späten Stadium entdeckt wird.

Kombination von Biomarkern für erfolgreiche Sekundärprävention
Das Institut für Prävention und Arbeitsmedizin der Deutschen Gesetzlichen
Unfallversicherung, Institut der Ruhr-Universität Bochum (IPA) veröffentlichte
nun im Open Access Journal "Scientific Reports" die Ergebnisse der kombinierten
Blutanalyse für die Mesotheliom-spezifischen Biomarker Calretinin und Mesothelin.
"Biomarker sind Substanzen, die im Körper als Folge von bestimmten Erkrankungen
oder sogar bereits schon im Vorfeld einer Erkrankung auftreten können", erklärt
Dr. Johnen, Leiter des Kompetenz- Zentrums Molekulare Medizin am IPA. "Sie sind
deshalb so besonders wertvoll, da sie meist in leicht zugänglichen Körperflüssig-
keiten wie Blut oder Urin nachgewiesen werden können. Erstmalig wurde ein Verfahren
zur Früherkennung von Mesotheliomen validiert, bei dem die Patienten nicht durch
invasive Eingriffe oder Strahlung belastet werden. Bei nur 2% falschpositiven
Befunden können in bestimmten Hochrisikogruppen nahezu 50% der Versicherten, die
ein Mesotheliom entwickeln bis zu einem Jahr vor der klinischen Diagnose erkannt
werden", so Johnen weiter.

"Mit diesem Markerpanel sind wir nun erstmals in der Lage die Früherkennung
asbestbedingter Mesotheliome deutlich zu verbessern", so Prof. Brüning,
Institutsdirektor des IPA, "denn bis zur Hälfte der Tumoren können mithilfe der
Tests ein Jahr vor der bisher möglichen klinischen Diagnose entdeckt werden.
Das verbessert die Behandlungsoptionen deutlich." In den letzten zwei Jahren
hat es durch den Einsatz der sogenannten Immuntherapie auch bei der Behandlung
von Mesotheliomen Fortschritte gegeben. Dadurch wird die Bedeutung der Früherkennung
weiter unterstrichen.

Studie zur Krebsfrüherkennung macht Ergebnisse erst möglich
Erzielt wurden die Ergebnisse im Rahmen der vom IPA gemeinsam mit verschiedenen
Unfallversicherungsträgern durchgeführten Studie "Molekulare Marker zur Krebsfrüh-
erkennung", kurz MoMar. Im Rahmen der Studie wurden zehn Jahre lang fast 2.800
versicherten Personen mit einer anerkannten Berufskrankheit (BK) 4103 "Asbest-
staublungenerkrankung (Asbestose) oder durch Asbeststaub verursachte Erkrankung
der Pleura" jährlich Blut entnommen und auf mögliche frühe Hinweise auf ein
Mesotheliom untersucht. "Hiermit konnten wir eine große Anzahl von Proben aus
dem Vorfeld der Erkrankung sammeln, was es so bisher noch nicht gegeben hat",
so Dr. Johnen, Leiter der Studie.

Markerpanel verbessert Optionen bei der nachgehenden Vorsorge
Prof. Dr. Joachim Breuer, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Gesetzlichen
Unfallversicherung ist begeistert: "Damit werden zukünftig versicherte Personen,
die durch die nachgehende Vorsorge betreut werden und die ein erhöhtes Risiko
für die Entwicklung eines Mesothelioms zeigen, nun auch die Chance auf eine
frühzeitigere Behandlung haben." Die nachgehende Vorsorge ist ein Angebot der
gesetzlichen Unfallversicherung für die Sekundärprävention beruflich verursachter
asbestbedingter Erkrankungen. Hier werden asbestexponierte Beschäftigte in
regelmäßigen Zeitabständen intensiv beraten, untersucht und persönlich betreut.

Originalpublikation
Georg Johnen, Katarzyna Burek, Irina Raiko, Katharina Wichert, Beate Pesch,
Daniel G. Weber, Martin Lehnert, Swaantje Casjens, Olaf Hagemeyer, Dirk Taeger,
Thomas Brüning & MoMar Study Group. Prediagnostic detection of mesothelioma by
circulating calretinin and mesothelin - a case-control comparison nested into a
prospective cohort of asbestos-exposed workers. Sci Rep. 2018 Sep 25; 8:14321.
doi: 10.1038/s41598-018-32315-3

AplusA-online.de - Quelle: Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV)