12.12.2017

Faktenblatt: Arbeitsbedingungen von Führungskräften analysiert

Höhere Anforderungen und mehr Ressourcen bei der Arbeit

Führungskräfte haben deutlich höhere Arbeitsanforderungen als Beschäftigte ohne
Führungsverantwortung. Zugleich stehen ihnen mehr Ressourcen wie der Einfluss
auf die Arbeitsmenge oder auf die Planung der Arbeitsabläufe zur Verfügung, um
diese zu bewältigen. Trotz dieser Möglichkeiten gehen die erhöhten
Anforderungen auch bei Führungskräften oft mit gesundheitlichen
Beeinträchtigungen einher. Zu diesem Ergebnis kommt die Bundesanstalt für
Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) in einer Detailanalyse der
BIBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragung 2012. Diese und weitere Ergebnisse fasst die
BAuA in dem jetzt veröffentlichten Faktenblatt "Höhere Anforderungen, mehr
Ressourcen - Arbeitsbedingungen von Führungskräften" zusammen.

Insbesondere im mittleren Management befinden sich Führungskräfte in einer
Sandwichposition. Sie tragen Verantwortung für ihre Mitarbeiter, können jedoch
vieles nicht entscheiden. Dabei kommt ihnen eine Schlüsselfunktion zu, wenn es
um die gesundheitsgerechte Arbeitsgestaltung geht. Diese sogenannte gesunde
Führung wird wahrscheinlicher, wenn Führungskräfte selbst eine günstige
Arbeits- und Gesundheitssituation vorfinden. Das Faktenblatt führt die
Ergebnisse der Auswertung der Daten von abhängig Beschäftigten aus der
BIBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragung 2012 auf.

Im Vergleich zu Beschäftigten ohne Führungsverantwortung haben Führungskräfte
zum Teil deutlich höhere Arbeitsanforderungen. Besonders häufig kommen
psychische Anforderungen vor. Sie werden häufiger bei der Arbeit gestört und
unterbrochen, arbeiten häufiger unter starkem Termin- und Leistungsdruck oder
betreuen häufiger verschiedene Arbeiten gleichzeitig. Dabei steigen diese
Anforderungen mit der Führungsspanne. So wird knapp die Hälfte (48%) der
Führungskräfte mit ein oder zwei Mitarbeitern häufig bei der Arbeit gestört.
Liegt Führungsverantwortung für mehr als zehn Mitarbeiter vor, geben fast zwei
Drittel (64%) der Vorgesetzten an, häufig ihre Arbeit unterbrechen zu müssen.

Den hohen Anforderungen stehen jedoch auch größere Ressourcen gegenüber.
Führungskräfte haben einen höheren Handlungsspielraum. Sie können in höherem
Maße ihre Arbeit selbst planen und einteilen, haben mehr Einfluss auf die
Arbeitsmenge und entscheiden häufiger selbst, wann sie Pausen einlegen. Auch
der Handlungsspielraum steigt mit der Anzahl der zu führenden Mitarbeiter.
Hingegen gibt es bei der sozialen Unterstützung, die Beschäftigte durch
Kollegen oder direkte Führungskräfte erhalten, keine deutlichen Unterschiede.
Während jedoch rund 80 Prozent der Befragten häufig kollegiale Unterstützung
erhalten, liegt der Anteil bei knapp 60 Prozent, wenn nach Unterstützung durch
den direkten Vorgesetzten gefragt wird.

Hohe Anforderungen wie Störungen, Arbeitsunterbrechungen, Termin- und
Leistungsdruck, schnelles Arbeiten und Arbeiten an der Grenze der
Leistungsfähigkeit können zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen führen.
Führungskräfte, die diesen Anforderungen häufig ausgesetzt sind, klagen
deutlich häufiger über psychosomatische Beschwerden als Führungskräfte, die nie
diesen Anforderungen ausgesetzt sind. Letztlich sollten Unternehmen deshalb die
Anforderungen begrenzen und selbstständiges Handeln sowie die soziale
Unterstützung stärken, um die Gesundheit aller Beschäftigten zu fördern.

Zum Faktenblatt "Höhere Anforderungen, mehr Ressourcen - Arbeitsbedingungen von Führungskräften"


AplusA-online.de - Quelle: Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA)