03.04.2018

Fakten: Seit hundert Jahren acht Stunden täglich

Im November feiert der Arbeitsschutz ein wichtiges Jubiläum:
Vor 100 Jahren führte Deutschland gesetzlich den Achtstundentag ein. In dem jetzt
veröffentlichten Faktenblatt "100 Jahre Achtstundentag in Deutschland" gibt die
Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) nicht nur einen
geschichtlichen Überblick. Zugleich geht das Faktenblatt auf die aktuelle
Arbeitszeitsituation der Beschäftigten in Deutschland sowie auf die
gesundheitsförderliche Gestaltung der Arbeitszeit ein. Schließlich beeinflussen
Dauer und Gestaltung der Arbeitszeit maßgeblich die Gesundheit und das Wohlbefinden
der Beschäftigten.

"Acht Stunden arbeiten, acht Stunden Freizeit, acht Stunden Schlaf." So lautete
Mitte des 19. Jahrhunderts die Forderung des walisischen Unternehmers Robert
Owen. Das Postulat des Sozialreformers wurde von der Arbeiterbewegung in
Deutschland aufgegriffen und hier 1918 erstmals gesetzlich festgeschrieben. Die
Arbeitszeitverordnungen 1923 und 1938 ließen durch Ausnahmeregelungen auch
wieder Zehnstundentage zu. 1994 schließlich trat das Arbeitszeitgesetz in
Kraft. Die acht Stunden werktäglicher Arbeitszeit werden hier um umfangreiche
Flexibilitätsspielräume ergänzt. So kann beispielsweise die tägliche Arbeitszeit
auf bis zu zehn Stunden verlängert werden, wenn innerhalb von sechs Kalendermonaten
oder 24 Wochen durchschnittlich acht Stunden Arbeit am Tag nicht überschritten
werden. Einige Gruppen sind jedoch vom Arbeitszeitgesetz ausgenommen, dazu gehören
unter anderem Selbstständige, leitende Angestellte, Chefärzte oder Beamte.

Einblicke in die deutsche Arbeitszeitrealität gewährt die BAuA-Arbeitszeitbefragung
2015. Neue Auswertungen zeigen, dass etwa zwei Drittel der Beschäftigten spätestens
neun Stunden nach Arbeitsbeginn Feierabend machen. Die übrigen 34 Prozent der
Beschäftigten sind länger als neun Stunden bei der Arbeit, wobei für elf Prozent
der Beschäftigten erst nach mehr als zehn Stunden der Arbeitstag zu Ende geht.
Je länger die Arbeitszeit, umso häufiger berichten Beschäftigte über eine
schlechtere Vereinbarkeit von Arbeit und Privatleben. Auch einige gesundheitliche
Beschwerden nehmen mit steigender Arbeitszeit zu. So geben 31 Prozent der Befragten,
die spätestens nach neun Stunden die Arbeit beenden, an, unter Schlafstörungen
zu leiden. Von den Beschäftigten, die nach mehr als zwölf Stunden Feierabend machen,
berichtet dies beinahe die Hälfte (46 %). Diese und weitere Fakten unterstreichen
die Bedeutung einer guten Arbeitszeitgestaltung, die sowohl den betrieblichen
Erfordernissen als auch dem Schutz der Beschäftigten gerecht wird.

Das Faktenblatt "100 Jahre Achtstundentag in Deutschland. Historische Meilensteine und aktuelle Zahlen"


AplusA-online.de - Quelle: Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin  (BAuA)