19.08.2015

Factsheet: Nachtschicht-Arbeitende fühlen sich stärker belastet - BIBB/BAuA-Befragung in Bezug auf die Nachtarbeit ausgewertet

Rund drei Millionen Beschäftigte arbeiten in Deutschland ständig oder
regelmäßig nachts zwischen 23 und 6 Uhr. Im Vergleich zu Beschäftigten der
Normalarbeitszeit fühlen sie sich insgesamt stärker körperlich und psychisch
belastet. Nachtarbeitende treffen zudem deutlich häufiger auf belastende
Bedingungen in der Arbeitsumgebung wie Lärm, schlechte Beleuchtung, Hitze oder
Zugluft. Zu diesem Ergebnis kommt die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und
Arbeitsmedizin (BAuA) in einer Detailanalyse der
BIBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragung. Die Ergebnisse fasst die BAuA in dem nun
veröffentlichten Factsheet "Brennpunkt Nachtarbeit - Häufige Arbeitsbelastungen
immer noch aktuell" zusammen.

Angesichts der ansteigenden Flexibilisierung des europäischen Arbeitsmarktes
lässt sich eine Zunahme der Schicht- beziehungsweise Nachtarbeit feststellen.
Rund 7,5 Prozent der Beschäftigten geben an, in Nachtschicht zu arbeiten. Der
Anteil der Männer liegt bei fast 70 Prozent. Lediglich im öffentlichen Dienst
(Gesundheitswesen) und im Dienstleistungsbereich finden sich mehr
Nachtarbeiterinnen als Nachtarbeiter. Nachtarbeitende treffen häufiger auf
Belastungen durch die Arbeitsumgebung. Dazu gehören zum Beispiel ungünstige
klimatische Faktoren wie Kälte, Hitze, Nässe oder Zugluft, ungünstige
Beleuchtung oder Öl, Schmutz und Dreck. Nachtarbeiter fühlen sich durch diese
Umgebungsfaktoren auch stärker belastet als Beschäftigte in Normalarbeitszeit.
Zudem berichten Nacharbeiter über eine höhere Arbeitsschwere. Die Arbeit im
Stehen oder mit den Händen oder das Heben und Tragen schwerer Lasten gehört
nicht nur häufiger zu ihren Aufgaben, sie fühlen sich auch deutlich stärker
dadurch belastet als die Beschäftigten in Normalarbeitszeit.

Hinsichtlich der psychischen Belastung gibt es kein einheitliches Bild. Während
der Nacht fühlen sich die Befragten durch Faktoren wie schnelles Arbeiten,
Termin- und Leistungsdruck sowie Störungen oder Unterbrechungen bei der Arbeit
deutlich belasteter. Daneben treten sich wiederholende Arbeitsvorgänge und das
Arbeiten an der Grenze der Leistungsfähigkeit häufiger auf und werden in
Nachtschichten auch als belastender empfunden.

Obwohl Nachtarbeitende weniger Einfluss auf die Arbeitsmenge oder auf die
Einteilung von Arbeit und Pausen haben, fühlen sie sich dadurch nicht subjektiv
stärker belastet als die Vergleichsgruppe. Jedoch empfinden Nachtarbeitende
fehlende Hilfe oder Unterstützung vom Vorgesetzten belastender, auch wenn
dieses Merkmal in beiden Gruppen etwa gleich ausgeprägt ist.
Insgesamt erschweren Faktoren aus der Arbeitsumgebung und die
Arbeitsanforderungen zusätzlich die Arbeit gegen die innere Uhr. Neben einer
belastungsgünstigen Arbeitszeitgestaltung sollten vorbeugende Maßnahmen der
betrieblichen Gesundheitsförderung den empfundenen Belastungen der
Beschäftigten im (Nacht)Schichtbetrieb entgegenwirken.

Hintergrund:

Bei der BIBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragung 2012 handelt es sich um eine
repräsentative Erhebung unter 20.000 Erwerbstätigen in Deutschland. Durch sie
werden differenzierte Informationen über ausgeübte Tätigkeiten, berufliche
Anforderungen, Arbeitsbedingungen und -belastungen, den Bildungsverlauf der
Erwerbstätigen sowie über die Verwertung beruflicher Qualifikationen gewonnen.


Factsheet 15 "Brennpunkt Nachtarbeit - Häufige Arbeitsbelastungen immer noch aktuell" zum download


AplusA-online.de - Quelle: Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA)