24.05.2017

Exoskelett zur Entlastung bei Überkopfarbeiten - Chancen und Risiken

Ganz ohne Mühe schwere Kisten heben? Ohne Rückenschmerzen ein Bauteil über Kopf
montieren? Was nach den Superkräften der X-Men klingt, könnte durch Exoskelette
in Betrieben und an Fertigungsbändern bald Realität werden. Körpergetragene
Hebehilfen, die Beine und Becken oder Schulter und Arme unterstützen, werden
bereits entwickelt und erprobt. Welche Auswirkungen die neuen Helfer auf den
Arbeitsschutz haben, untersuchen Fachleute von Berufsgenossenschaften und
Unfallkassen.

"Exoskelette sind eine spannende Innovation, die aber noch Entwicklungsarbeit
braucht", sagt Ralf Schick von der Berufsgenossenschaft Handel und
Warenlogistik: "Nach unserer Einschätzung kommen sie dort infrage, wo andere
technische Hilfsmittel wie Stapler oder Kran nicht verwendet werden können.
Profitieren könnten zum Beispiel Beschäftigte in der Automobildemontage, der
Möbelauslieferung oder bei Arbeiten auf der Baustelle." Exoskelette entlasten
durch die Kraftunterstützung das Muskel-Skelett-System ihrer Träger.
Muskel-Skelett-Erkrankungen zählen zu den häufigsten Ursachen für
Arbeitsunfähigkeit. Exoskelette könnten helfen, diese Ausfallzeiten zu mindern.
Sie könnten Menschen dabei unterstützen, länger gesund zu arbeiten.

Es gibt aber auch Risiken, die mit bedacht werden sollten. Schick: "Exoskelette
könnten zum Beispiel auch genutzt werden, um die Lastgewichte zu erhöhen. Das
wäre nicht im Sinne der Beschäftigten. Sie würden dann weiterhin an der
Belastungsgrenze arbeiten." Eine weitere Gefahr: Wenn die Nutzer mit dem
Exoskelett stolpern oder stürzen, ist das Risiko groß, dass durch die
zusätzliche Masse Verletzungen gravierender ausfallen. Stolper-, Rutsch- und
Sturzunfälle zählen insgesamt zu den häufigsten Unfällen am Arbeitsplatz.
Ebenfalls zu bedenken ist die Gefahr, die vom Exoskelett selbst ausgehen
könnte: Bei dem Einsatz von aktiven Exoskeletten, bei denen Motoren die Kraft
unterstützen, könnte eine Fehlfunktion zu Verletzungen führen.

Schick: "Es ist wichtig, diese sicherheitstechnischen Aspekte möglichst schon
in der Entwicklungsphase zu berücksichtigen." Berufsgenossenschaften und
Unfallkassen stellen in diesem Entwicklungsprozess ihre Expertise zur
Verfügung. Wichtig ist aus ihrer Sicht, die Bedürfnisse der Beschäftigten
möglichst früh mit in die technische Entwicklung einzubeziehen. Das gilt auch
für die notwendige ergonomische Gestaltung eines Exoskeletts. Schick: "Der
Tragekomfort spielt für die Akzeptanz eine wichtige Rolle. Auch bei
sommerlicher Hitze muss man sich damit noch gut bewegen können."

Der Einsatz von Exoskeletten im Betrieb beschäftigt auch die Forschung. So
untersucht das Institut für Arbeitsschutz der DGUV (IFA) die Kraftunterstützung
und die ergonomischen Eigenschaften von Exoskeletten und bietet dazu auch
Beratung an.

Zehn Fragen und Antworten zum Thema


AplusA-online.de - Quelle: Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung - DGUV