16.02.2018

Deutlich mehr Berufskrankheiten anerkannt

Mit 22.320 Fällen stieg die Zahl der anerkannten Berufskrankheiten
im Jahr 2016 um fast ein Viertel (23,7 %) an. Hingegen sanken die Anzeigen auf eine
Berufskrankheit um 1,9 Prozent. Zwar stieg die Zahl der Arbeitsunfälle auf
knapp 960.000, aufgrund der steigenden Beschäftigung sank jedoch die
Unfallquote pro 1.000 Vollarbeiter leicht und liegt bei rund 23 Unfällen (23,2;
Vorjahr 23,3). Nach Schätzungen der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und
Arbeitsmedizin (BAuA) fielen 2016 etwa 675 Millionen Erwerbstage durch
Arbeitsunfähigkeit aus. Dies führte zu einem Produktionsausfall anhand der
Lohnkosten von 75 Milliarden Euro. Durch Verlust an Arbeitsproduktivität gingen
der deutschen Volkswirtschaft damit rund 133 Milliarden Euro an
Bruttowertschöpfung verloren. Diese und weitere Ergebnisse enthält der
statistische Bericht "Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit" (SuGA), den die
BAuA jährlich im Auftrag des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS)
erstellt. Als klassische Indikatoren für die Güte von Sicherheit und Gesundheit bei
der Arbeit führt er die Unfallentwicklung und die Anzahl der Berufserkrankungen auf.

Im Jahr 2016 war jeder Beschäftigte durchschnittlich 17,2 Tage arbeitsunfähig.
Bei der Berechnung hat sich im Vergleich zu 2015 die Bezugsgröße verändert. Für
die Berechnung der Mitgliederzahlen in der gesetzlichen Krankenversicherung
wurden erstmals Mitgliedsjahre herangezogen. Ein Mitgliedsjahr bedeutet, dass
eine Person zwölf Monate gesetzlich versichert war. Eine Person, die zum
Beispiel durch Ausbildungsbeginn oder Saisonarbeit lediglich ein halbes Jahr
versichert war, fließt mit einem halben Mitgliedsjahr in die Berechnungen ein.
Aufgrund der Einführung dieser neuen genaueren Bezugsgröße lassen sich die
Zahlen jedoch nicht mit denen des Vorjahres vergleichen. Insgesamt flossen die
Arbeitsunfähigkeitsdaten von rund 29 Millionen gesetzlich Versicherten in die
Berechnungen ein. Nach wie vor hat die Diagnosegruppe "Muskel-Skelett-Erkrankungen"
mit knapp einem Viertel (22,8 %) den größten Anteil an den Ausfalltagen aufgrund von
Krankschreibung. Die Diagnosegruppe "Psychische und Verhaltensstörungen" folgt mit
16,2 Prozent auf Rang zwei, während "Krankheiten des Atmungssystems" Ursache für
mehr als jeden siebten Ausfalltag (13,5%) waren.

Die Zahl der Verrentungen aufgrund verminderter Erwerbsfähigkeit blieb insgesamt stabil.
Mit 174.000 Fällen in 2016 gab es lediglich einen Zuwachs vonnur 0,6 Prozent. Dabei
nahmen Verrentungen aufgrund von Muskel-Skelett-Erkrankungen um etwa 1.500 Fälle (+7,2 %)
deutlich zu. Mit 42,8 Prozent bleiben "Psychische und Verhaltensstörungen" mit
großem Abstand häufigste Ursache für eine vorzeitige Verrentung.

Die anerkannten Berufskrankheiten wuchsen um knapp ein Viertel (23,7 %) im
Vergleich zum Vorjahr auf 22.320 Fälle in 2016 an. Ursache war die Aufnahme
neuer Berufskrankheiten in die Liste der Berufskrankheiten im Jahr 2015. Allein
für die neu aufgenommene BK 5103 Hautkrebs durch UV-Strahlung gab es fast 3.000
neue Anerkennungen und 138 Rentenfälle. Dagegen sank die Zahl der Verdachtsanzeigen
auf Berufskrankheit um rund 2 Prozent auf etwa 80.000.

An den Folgen einer Berufskrankheit starben im Berichtsjahr 2.576 Menschen.
Rund zwei Drittel dieser Todesfälle gehen auf den Umgang mit asbesthaltigem
Material zurück. Insgesamt 873 Personen verunglückten 2016 bei der Arbeit oder
auf dem Weg dorthin tödlich. Das waren rund 9 Prozent weniger als 2015. Während
die Zahl der meldepflichtigen Arbeitsunfälle um etwa 15.000 auf fast 960.000
anstieg, sank die Unfallquote je 1.000 Vollarbeiter leicht von 23,3 in 2015 auf
23,2 in 2016. Die meldepflichtigen Wegeunfälle verzeichnen einen leichten
Anstieg, wobei die Unfallquote je 1.000 Versicherungsverhältnisse mit 3,7 fast
stabil ist.

Im seinem Schwerpunkt geht der SuGA - Berichtsjahr 2016 vertiefend auf die
Leiharbeit ein. Dabei beleuchtet er die Arbeitsbedingungen und den
Gesundheitszustand von Beschäftigten in Leiharbeit. Darüber hinaus stellt er
verschiedene Instrumente vor, mit denen sich Leiharbeit in Verleih- und
Entleihunternehmen sicher und gesund gestalten lässt. Kurzberichte über die
Aktivitäten verschiedener Arbeitsschutzakteure wie der Gemeinsamen Deutschen
Arbeitsschutzstrategie (GDA), den Arbeitsschutzbehörden der Länder, den Trägern
der gesetzlichen Unfallversicherung (UVT) sowie der Initiative Neue Qualität
der Arbeit (INQA) und ein Überblick über das Unfallgeschehen bei Schülern
runden den Bericht ab.

Der Bericht zum Download


AplusA-online.de - Quelle: Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA)