12.01.2018

Brenner Basistunnel: Hohe Anforderungen an den Arbeits- und Gesundheitsschutz

"Wenn ich heute durch einen Tunnel fahre, sehe ich ihn mit ganz
anderen Augen", sagt Francesco Ferraro. Seit Anfang 2017 betreut der Arbeitsmediziner
zusammen mit seinem Kollegen Cristiano Mirisola und weiteren Mitarbeitern von Team
Prevent Italien, einem Tochterunternehmen von B·A·D, die Beschäftigten rund um
den Bau des Brenner Basistunnels. Mehr als 700 Menschen aus unterschiedlichen
Ländern sind vor Ort: von Verwaltungsangestellten an Bildschirmarbeitsplätzen
über Mineure, die im Tunnel arbeiten, bis hin zu Maschinisten, die die
Fahrzeuge und Maschinen bedienen. Es ist eines der größten europäischen
Bauprojekte. Fertiggestellt in 2026 wird der Tunnel mit 64 Kilometern die
längste unterirdische Eisenbahnverbindung der Welt sein.

Wenn das Signalhorn ertönt jagen 500 Kilogramm Dynamit eine Druckwelle in den
Schacht. Alle drei bis sechs Stunden passiert das täglich und lässt die
Tunnelbauer minutenlang im Steinstaub und Qualm der Sprenggase verschwinden.
Eine echte Herausforderung für die Gesundheit der Arbeiter und gleichermaßen
für die Ärzte, die eben diese im Auge behalten sollen. "Im Vergleich zu anderen
Branchen ist die Arbeit hier immer noch gefährlich", so Ferraro und Mirisola.
"Auch wenn wir hohe Standards haben."

Als verantwortliche Arbeitsmediziner überwachen sie gemeinsam in enger
Zusammenarbeit mit ihren Kollegen von der Arbeitssicherheit permanent das
komplexe Gesundheitsschutz- und Arbeitssicherheitssystem. Nach wie vor sind die
Bedingungen unter Tage extrem: tropische Hitze und der infernalische Lärm der
Tunnelbohrmaschinen empfängt die Leute ebenso wie immer wieder eindringendes
Wasser und schwarzer Staub. Ausgestattet mit Helmen, Staubmasken und
Gehörschutz balancieren die Männer auf engen Stegen, stemmen schwere
Stahlgitter über ihre Köpfe an die Tunnelwand und fixieren sie im Fels. Das
setzt körperliche Gesundheit voraus.

Wegweisende Präventivuntersuchungen

Ob jemand den Job im Tunnel grundsätzlich machen kann wird in einer
Vorsorgeuntersuchung gecheckt. Dazu gehört neben einer Befragung die
Untersuchung aller wichtigen Organe inklusive einem Elektrokardiogramm in Ruhe
und während Belastung auf dem Ergometer. Und auch ein Röntgenbild, eine Blut-
und Urinuntersuchung sowie ein Hörtest fallen darunter. Die Fristen für die
Untersuchungen schreibt das italienische Gesetz vor. Grundsätzlich gelten für
Verwaltungspersonal je nach Alter Kontrollen alle zwei bis fünf Jahre, bei den
übrigen Berufsgruppen sind jährliche Untersuchungen die Regel. Eine Ausnahme
und in kürzeren Intervallen zum Check-up müssen diejenigen, die den besonderen
Belastungen durch Lärm, Gase und Staub ausgesetzt sind.

Doch es sind nicht nur die physischen, sondern auch die mentalen Belastungen,
denen die Beschäftigten dort ausgesetzt sind. Schichtarbeit und die Sorge vor
Gesteinsniederbrüchen stellen die Menschen auf eine harte Probe. Dazu kommt die
Arbeit in einer fremden Umgebung weit weg von Zuhause ebenso wie
Sprachbarrieren.

Verstehen, wie die Arbeiten unter welchen Umständen im Tunnel durchgeführt
werden, das könne man jedoch nur, wenn man selbst mitgeht, sagen die
Arbeitsmediziner unisono. "Erst dann ist es möglich, die richtigen Maßnahmen
und Entscheidungen zu treffen."

AplusA-online.de - Quelle: BAD Gesundheitsvorsorge und Sicherheitstechnik GmbH