06.07.2018

Bewegung am Schreibtisch tut Körper und Seele gut

Institut für Arbeitsschutz der DGUV (IFA) und Deutsche
Sporthochschule belegen physiologische und psychologische Effekte von dynamischen
Arbeitsstationen

Unsere Arbeitswelt wird immer digitaler; das bedeutet aber auch: Die Zahl derer,
die im Sitzen arbeiten, steigt und damit die Gefahr von Gesundheitsschäden durch
mangelnde Bewegung. Das Institut für Arbeitsschutz der Deutschen Gesetzlichen
Unfallversicherung (IFA) und die Deutsche Sporthochschule Köln haben in einer
gemeinsamen Praxisstudie mit der Deutschen Telekom AG nachgewiesen, dass speziell
bewegungsfördernde Arbeitsstationen im Büro nicht nur gut angenommen werden, sondern
auch körperlich und psychisch förderlich sein können.

Nach Zahlen der Deutschen Krankenversicherung aus dem Jahr 2016 sitzen Deutsche
mit Bürojobs durchschnittlich elf Stunden pro Tag. In Deutschland arbeiten
inzwischen deutlich mehr als 40 Prozent der Beschäftigten an solchen bewegungsarmen
Arbeitsplätzen. Hinzu kommen lange Anfahrtswege zur Arbeitsstelle. Und auch die
Freizeitgestaltung ist immer öfter von Bewegungsmangel vor dem Fernseher oder dem
Computer geprägt.

Die gesundheitlichen Folgen: chronische Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems,
ein erhöhtes Risiko für Typ-II-Diabetes, Übergewicht, Muskel-Skelett-Beschwerden
durch körperliche Unterforderung und einseitige Haltungen, aber auch psychische
Effekte wie depressive Verstimmungen oder Antriebsarmut.

"Marktübliche Konzepte zur Bewegungsförderung verknüpfen die Schreibtisch- und
Computerarbeit mit leichten Radfahrbewegungen. Unsere Studienergebnisse zeigen,
dass diese bewegungsfördernden Arbeitsstationen tatsächlich positive Auswirkungen
auf die Gesundheit haben", sagt Professor Dr. Rolf Ellegast, stellvertretender IFA-Leiter.

"Wenn Beschäftigte die Arbeitsstationen nutzen, verbessern sich Stimmung und
Arbeitsbereitschaft merklich", so Prof. Jens Kleinert, Leiter des Psychologischen
Instituts der Deutschen Sporthochschule. Die Kölner konnten außerdem zeigen, dass
die Effekte der Geräte von der Trainingshäufigkeit abhängen. "Dreimal pro Woche
muss schon sein, damit das Wohlbefinden langfristig profitiert", so Kleinert.
Es scheint so zu sein, dass in diesen Fällen die regelmäßige Bewegung am Schreibtisch
das Aufschaukeln von Stress- und Beanspruchungszuständen verhindern kann.

Auch körperliche Veränderungen waren in der untersuchten Gruppe von 30
Beschäftigten der Deutschen Telekom AG über einen Zeitraum von sechs Wochen an
realen Arbeitsplätzen nachweisbar. So waren Energieumsatz und Herzfrequenz der
Testpersonen an dynamischen Arbeitsplätzen statistisch signifikant höher als
bei normaler Arbeit im Sitzen. Ellegast vom IFA: "Die Weltgesundheitsorganisation
fordert zur Gesunderhaltung von Erwachsenen mindestens 150 Minuten moderate bis
intensive Aktivität pro Woche. Diese Forderung erfüllen die Probanden, wenn sie
die untersuchten Arbeitsstationen täglich gut eine Stunde nutzen. Aus unserer Sicht
haben damit solche Arbeitsplatzkonzepte das Potenzial, Übergewicht vorzubeugen."

In der Studie, die auf Voruntersuchungen des IFA im Labor aufbaute, konnten die
Forscher der Deutschen Sporthochschule zudem zeigen, dass Beschäftigte in der
Praxis dynamische Arbeitsstationen gut annehmen und positiv bewerten.

Ellegast: "Bei unserem Studienpartner, der Deutschen Telekom AG, haben die
Ergebnisse die Entscheidung begründet, zukünftig größere Stückzahlen solcher
Arbeitsstationen einzusetzen. Wir hoffen, dass weitere Unternehmen diesem
Beispiel folgen."

Zum IFA Report 3/2018


AplusA-online.de - Quelle: Institut für Arbeitsschutz der DGUV (IFA)