20.12.2017

BGW warnt vor Unfallrisiken an elektrisch höhenverstellbaren Therapieliegen

Therapieliegen gehören in den Bereichen Medizin, Therapie und
Wellness vielfach zur Grundausstattung. Geräte, die elektrisch höhenverstellbar
sind, erleichtern die Behandlung, bergen jedoch Risiken für Beschäftigte sowie
außenstehende Personen. Angesichts zweier tödlicher Unfälle rät die Berufsgenossenschaft
für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) Praxen, Kliniken und weiteren
Einrichtungen dringend, vorhandene Liegen sowie Sicherheitsabläufe zu überprüfen.

"Kommt es zu einem Unfall, kann dieser fatale Folgen haben", macht
BGW-Präventionsexpertin Ursula Schlegel deutlich. "Die Gefährdung ist somit als
hoch einzustufen. Unternehmen müssen daher unbedingt zeitnah tätig werden."
Dies gelte nicht nur zur Sicherheit eigener Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter,
sondern auch im Hinblick auf Dritte wie externes Reinigungspersonal und
Personen, die zur Behandlung vor Ort sind.

Schlegel erläutert, was passieren kann: "Ausgangspunkt ist das unbeabsichtigte
Betätigen der elektrischen Höhenverstellung. Eine Person, die dabei in den
Bereich unter der Liege gerät - zum Beispiel, weil dort etwas liegt oder
gereinigt werden soll -, kann eingeklemmt werden. Im schlimmsten Fall so
ungünstig, dass sie sich nicht mehr selbst befreien oder die Abwärtsbewegung
der Liege stoppen kann und schließlich durch den steten Druck zu Tode kommt."

Alte Liegen ohne Sicherheitsmechanismen nachrüsten

Seit 2004 gilt eine Empfehlung des Bundesinstituts für Arzneimittel und
Medizinprodukte (BfArM), die fordert, dass automatisch höhenverstellbare
Therapieliegen über Sicherheitsmechanismen verfügen. Sie sollen versehentliches
oder unkontrolliertes Betätigen der Steuerung verhindern - zum Beispiel
mithilfe einer Sperrbox, die nur von autorisierten Personen betätigt werden
kann, oder durch zwei räumlich getrennte Schaltelemente. Alternativ kann auch
auf anderem Wege ausgeschlossen werden, dass ein versehentliches Betätigen zur
Gefährdung von Personen führt. Passende Lösungen sind bei den Herstellerinnen
und Herstellern zu erhalten.

"Sicherheit ist zum einen eine Frage der Technik. Alte Liegen müssen daher
entsprechend nachgerüstet sein", weist die BGW-Präventionsexpertin auf die
Sorgfaltspflicht der Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber hin, die sich unter
anderem aus der Betriebssicherheitsverordnung und dem Medizinprodukterecht
ergibt. Bei Neuanschaffungen lässt sich das Unfallrisiko auch durch die Wahl
eines Modells mit Hubsäule und ausreichendem Abstand zwischen den
Konstruktionsteilen reduzieren.

Schlegel rät Betrieben, die über Therapieliegen verfügen, diese so schnell wie
möglich zu überprüfen: Wurden alte Modelle nachgerüstet und mit
Sicherheitsmechanismen versehen? Welche Sicherung kommt zum Einsatz? Je nach
Bauart und Anbringung können beispielsweise Sperrboxen unterschiedlich effektiv
und praktikabel sein.

Für sicheres Betreiben der Liegen sorgen

"Gleichzeitig ist Sicherheit bei diesem Thema immer auch eine Frage der
Organisation", so Schlegel weiter. Denn auch das Verhalten des Bedienpersonals
birgt Risiken: Wird ein Sicherheitsmechanismus nicht bestimmungsgemäß
angewandt, kann er nicht wirken. "Leider kennen wir so etwas aus der Praxis: Es
gibt zwar eine Sperrbox, bei der ein Sicherungsstift nach jeder Benutzung der
Liege abgezogen werden muss. Doch das wurde versäumt und hatte tragische
Folgen. Stellen Sie also bitte in Ihrer Einrichtung sicher, dass alle wissen,
was zu tun ist, und dass sie stets entsprechend handeln", appelliert Ursula
Schlegel an die Betriebe.

Die Beteiligten vor Ort müssen immer über Risiken und Schutzmaßnahmen
informiert sein. Dies gilt für eigene Beschäftigte genauso wie für Fremdfirmen,
insbesondere Reinigungskräfte. "Ganz wichtig ist zudem, dass
Sicherheitsunterweisungen für Neulinge im Betrieb umgehend erfolgen", so die
BGW-Expertin weiter. "Sie sind noch nicht mit den Gegebenheiten vertraut und
damit besonders gefährdet. Unterweisungen müssen außerdem regelmäßig wiederholt
werden."

Weitere Informationen zur Auswahl, zur Nachrüstung und zum sicheren Betreiben von Therapieliegen


AplusA-online.de - Quelle: Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW)